Dritter Abschnitt. Unglück bedroht den Fortbestand Muri's (1298-1410).

Erstes Kapitel. Rudolf III. von Bossikon, XXI. Abt (1298-1309).

(I-135) An den schweren Folgen der Kämpfe, welche im 14. Jahrhunderte an den Flüssen Aare, Reuss und Limmat entbrannten, und wodurch die Städte und die freien Bauern in den Gebirgen entschieden das Übergewicht über den Adel errangen, hatten die Klöster dortiger Länder viel zu leiden. Aber keines bekam die Schläge der nie enden wollenden Kriege mehr zu fühlen, als Muri. Alles Unglück, welches damals in diesen Gegenden über das Haus Habsburg kam, traf auch unser Kloster als dessen Stiftung.

Das Kapitel von Muri, das schon 12591 das Siegelrecht hatte, glaubte jetzt, um seine Rechte in diesen traurigen Zeiten besser wahren zu können, neben das Siegel des Abtes auch sein eigenes hängen zu müssen. Demselben begegnen wir das erste Mal beim Verkaufe einer gemauerten Hofstatt in Zürich, am 23. Februar 13192. Seine Umschrift lautete: „S. CONVENTVS. MONASTERII. IN. MVRE“.

Brand, Krieg und anderes Unglück verursachten in dieser Periode wieder oft grosse Armuth an Urkunden für die Muri-Geschichte. Einer solchen begegnen wir gleich im Anfange dieses Abschnittes, in den Jahren 1298-1304; daher die Angabe des regierenden Abtes für diese Zeit Schwierigkeiten unterworfen (I-136) ist. Die Hauschronisten des 17. und 18. Jahrhunderts3 lassen um das Jahr 1300 zwei Äbte, Huno und Hartmann, den Hirtenstab in Muri führen. Allein P. Anselm, der zum Jahre 1298 diese Namen angibt, ruft aus: „Hier befällt mich Angst und Beklommenheit, weil ich von Abt Albert nichts mehr zu sagen weiss und von den Äbten Huno und Hartmann4 nicht eine einzige öffentliche Handlung weder in den Archiven noch in den Geschichtswerken zu entdecken vermochte“5. Die Gelehrten von St. Blasien und Zwiefalten benützten im vorigen Jahrhunderte diese Ungewissheit in der Muri-Geschichte und wollten einen ihrer Mitbrüder als postulirten Abt in die Lücke hineinschieben; jene stellten hiefür Lüthold Schaller (davon werden wir später sprechen) und diese einen Efrid oder Fridrich. Efrid stand im ältesten Nekrologium von Zwiefalten am 6. Jänner als „Efridus mon. n. congr., abbas de Muron“6. Baron Zurlauben und Dörfiinger, Coadjutor in Beromünster, glaubten nun, dieser Efridus sei ein aus Muri nach Zwiefalten postulirter Abt; während Andere das Gegentheil behaupten. Zurlauben begründet seine Ansicht aus der Präposition „de“ (aus), und das Hermetschwiler-Nekrologium scheint die Behauptung Zurlauben's zu unterstützen. Am 6. Jänner sieht man nämlich auf einer schlechten Rasur den Namen „Lena soror nostræ congregationis“ aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts stehen, und nach angewendeter Auffrischung erschien: „fridus abbas“, was somit deutlich auf „Efridus abbas“ hinweist. Dieser Name möchte um das Jahr 1200 eingetragen worden sein. Wir lassen es unentschieden, ob Efrid in Muri oder in Zwiefalten seine Profession abgelegt habe.

Nach Angabe Sulger's, eines Annalisten aus Zwiefalten7, möchte man fast glauben, ein Heinrich II., wohl Ministerial, nicht Graf von Froburg8, sei um diese Zeit Abt in Muri gewesen. Allein diese Mittheilung passt für das Jahr 1363, nicht aber für 1300; denn Ulrich Businger, den Abt Heinrich von Muri nach Zwiefalten schickte, erscheint urkundlich (I-137) am 7. September 13899 und 139510, und zudem meldete P. Neher, ein Zwiefaltner, unserm anfragenden P. Leodegar Schmid: Sulger sei bezüglich der Jahrzahlen gar nicht zuverlässig und er habe den von ihm angeführten Brief nicht finden können11.

Dass ein (?) Freiherr (baron), Heinrich von Froburg, in Muri die Würde eines Abtes inne gehabt habe, warf zuerst P. Aug. Stöcklin 1630 als eine Vermuthung hin12, indem er schreibt: „Vermöge eines in der Muri-Abtei vorfindlichen Gemäldes glaubt man, dieser sei aus dem Geschlechte der Freiherren von Froburg entsprossen“; fügt aber sogleich bei: Einer unserer Äbte war auch Heinrich von Eschenz; ob es derselbe oder ein anderer, das ist mir bisher unbekannt.13

Ähnlich drückt sich auch der kritisch zu Werke gehende P. Anselm Weissenbach aus, der mit dem Wappenschilde, der als Beweis für Abt Heinrich von Froburg dienen sollte, nichts anzufangen weiss14, um so mehr, weil das Hermetschwiler-Nekrologium ihn ebenfalls unerwähnt lässt.

Bei dieser Unsicherheit der Dinge übergehen wir den Froburger, bis bessere Beweise einlaufen, und dehnen die Regierung Rudolf's III. von Bossikon15 von 1298-1309 aus, während die St. Blasianer behaupten, er habe 1303 resignirt, wogegen aber die Urkunden sprechen16 und die Murichronisten ihn erst in diesem Jahre die Regierung antreten lassen17.

Rudolf III. war von St. Blasien postulirt. Unter ihm brannte 1300 das Kloster ab, angeblich am 11. April18. Dadurch verlor es einen grossen Theil seines Archives19 und der Schätze an Büchern. Doch Muri scheint sich bald vom Unglücke erholt zu haben, indem es Güter von den Eschenbachern zu erwerben vermochte.

Ritter Walther, Freiherr von Eschenbach, war 1298 gestorben und hinterliess sein bedeutendes Vermögen im Aargau und in Burgund seinen Enkeln Walther, Berchtold und Mangold. (I-138) Allein zur Tilgung der grossen Schuldenlast, welche ihnen der Vater, Berchtold, hinterliess, mussten sie einen grossen Theil der Erbschaft ihres Grossvaters verwenden, nämlich Güter am Hallwilersee und am Albis20. Bald drängte sie eine andere Noth. Walther und Mangold schuldeten Bürgern in Zürich eine bedeutende Summe Geldes, wofür sie Bürgen gestellt hatten. Zu deren Abzahlung verkaufte Walther 1305 alle seine Güter und die seines Bruders Mangold in Thalwil um 98 Mark Silber an Muri. Darin waren auch jene Lehen begriffen, die er daselbst von unserm Gotteshause inne hatte. Der ganze Erlös musste zur Schuldentilgung verwendet werden. Am gleichen Tage (9. März) verkaufte Walther die Vogtei über den Hof zu Thalwil und über alle zu diesem Hofe gehörigen Güter mit höherer Gerichtsbarkeit, mit Vogtsteuer und allem Nutzen um 12 Mark Silber an Herrn Johannes Wolfleibsch und dessen gleichnamigen Sohn zu rechtem Manneslehen. Walther versprach für sich und seinen Bruder Mangold, zu sorgen, dass dem Wolfleibsch die Vogtei von der Herrschaft (gehörig zum Kloster Wettingen) geliehen und gefertiget werde. Ein Zusatz lautet dann: würde diese Vogtei je ledig, so wollen die Freien sie nur mit dem Willen Muri's leihen; nie aber sollen die beiden Brüder oder ihre Erben sie selber behalten. Warum diese Bestimmung? Witterte etwa Muri schon den Königsmörder vom Jahre 1308 heraus!? Muri war auch bemüht, die Vogtleute urkundlich zu schützen21. Für den minderjährigen Mangold handelt dessen Vogt, der freie Heinrich von Tengen. Dass jener zu seiner Zeit den Kauf vollbringe, gab Walther von Eschenbach genügende Bürgen aus der Stadt Zürich und dem Kloster Wettingen, und stellte für die Vogtei wie auch für die Eigenschaft (Grundherrlichkeit) des Hofes in Thalwil dem Gotteshause Muri als Bürgen die zwei Wolfleibschen22. Wegen der Ausübung und Beschränkung der Vogtei besprach sich Abt Rudolf III. noch besonders mit diesen Wolfleibschen23.

(I-139) Nebenher ordnete er zugleich die Zuständigkeit des Widdumhofes in Eggenwil. Muri erhielt von diesem Hofe Fall und Ehrschatz, während das Kloster Hermetschwil nur Weniges und später gar nichts davon bekam24. Zu dem Hofe und der Kirche in Eggenwil gehörten zwei Schupossen in Göslikon, die der Herrschaft in Muri Vogtsteuer zahlten25.

Der Streit zwischen Muri und denen von Barre in Bremgarten, welchen die edlen Ritter Ludwig von Liebegg und Konrad von Heidegg wegen der Besitzungen in Aristau zu Gunsten des Klosters im Jahre 1285 entschieden hatten26, entbrannte 1304 zum zweiten Male. Die Söhne des verstorbenen Ritters Rudolf von Barre, Rudolf und Arnold, stellten an den Abt von Muri neue Anforderungen auf den Hof in Aristau. Hermann von Reussegg, Ulrich von Reinach und der Vogt von Baden sprechen als erwählte Schiedsrichter in Zofingen am 9. August 1305, wie folgt: „Die von Barre sollen geloben, allen Rechten auf die Hofstatt in Aristau zu entsagen; dagegen entrichten Abt und Konvent von Muri ihnen unter gleichen Gelöbnissen nach 14 Nächten 30 Pfund Pfenninge, und dafür gebe Frau Agatha, Schwester derer von Barre, ihren Brief heraus. Als Bürgen des Klosters stellten sich Hermann von Reussegg, Heinrich von Seengen27 und Jakob, der Ammann von Muri28.

Das folgende Jahr verkauften am 5. Juni die Gebrüder von Barre an das Kloster Muri vier Schupossen mit Holz und Weid zu Aristau um 16 ½ Mark. Für die 16 Mark erhielten sie vom Konvente eine Anweisung an Ulrich von Seengen und für die halbe an Rudolf von Barre selbst29.

Der Streit war noch nicht beendigt. Ein neues Schiedsgericht musste aufgestellt werden in Heinrich von dem Steine, Walther Phafolt von Säckingen, Heinrich zu Louben und Johannes, (I-140) Vogt zu Krenkingen. Dem Rathe der Schiedsleute folgend, entziehen sich die von Barre 1308 aller Ansprache, die sie auf Güter in Aristau haben mochten, und erhielten dafür von Muri 20 Pfund Pfenninge30. So war diese Angelegenheit endlich erledigt.

Die Sicherheit und Festigkeit, womit Abt Rudolf III. obige verwickelten Streite zum Nutzen des Klosters und mit Zufriedenheit der Gegner zum Abschlusse brachte, erwarben ihm grosses Ansehen auch in weitern Kreisen. Meisterin und Konvent der Frauen in Engelberg hatten dem Papste Clemens V. ihre Dürftigkeit vorgestellt. Dieser gestattete den Nonnen die Einverleibung der Kirche in Lungern31 auf den Fall des Ledigwerdens32. Mit der Durchführung und Überwachung der vollzogenen Inkorporation betraute der Papst die Bischöfe von Lausanne und Sitten und den Abt von Muri33. Der Abt R.(udolf) bezeugt die Einsicht des päpstlichen Schreibens und verspricht den Frauen seinen Schirm am 6. März 1306 in seinem Kloster („in monasterio nostro“)34. Weil gerade er als Vollstrecker und Schirmer dieser Inkorporation der Kirche in Lungern neben zwei Bischöfen vom Papste bezeichnet wurde, so liegt die Vermuthung nahe, er sei mit den genannten Prälaten nach Bordeaux geeilt, um dem neugewählten Papste die Huldigung zu bezeugen. Dafür spricht auch der Umstand, dass Papst Clemens V. am 3. März 1306 dem Propste vom Allerheiligen-Münster zu Freiburg i. Br. ein Breve zukommen liess, mit dem Auftrage, dieser solle dem unter Muri stehenden Kloster Hermetschwil die vorenthaltenen und entrissenen Rechte (I-141) und Zinsen im Nothfalle durch Anwendung von Kirchenstrafen wieder heimbringen35.

Betrachten wir nun die Stellung unseres Abtes Rudolf III. zur Stifterfamilie. – Elisabeth, Tochter des Grafen Meinhard's II. von Tirol und Gemahlin König Albrecht's I., schenkte am 12. Juli 1307 dem Frauenkloster in Engelberg einen Hof in Alpnach (Kt. Obwalden), dessen Güter mit Zubehör sie um 100 Mark Silber gekauft hatte, damit die Nonnen für die Geberin, für ihren Gemahl, den König, und für ihre Kinder beten. Der dortige Abt versprach, den Schwestern alljährlich auf St. Andreasfest fünf Mark zu übergeben, künftig alle Tage eine zweite Messe in St. Andreas lesen zu lassen und die Frauen nicht zu hindern, dass sie zur Verwaltung dieses Einkommens nach eigener Wahl einen Pfleger bestimmen. Die Königin fügte der Schenkungsurkunde zugleich die Bestimmung bei: der jeweilige Abt von Muri solle alle drei Jahre, oder so oft die Meisterin in Engelberg ihn ruft, entweder selbst oder durch seinen Boten darüber wachen. dass den Schwestern am Gottesdienste und Einkommen nichts gebreche36.

Agnes, Tochter König Albrecht's I. und Wittwe König Andreas III. von Ungarn, hatte sich nebst andern Gotteshäusern auch St. Blasien durch Wohlthaten verpflichtet37. Die Nonnen zu Interlachen im heutigen Berner Oberland und die Abtei Engelberg hatten sich aus Dankbarkeit verbindlich gemacht, auf ein Jahr ihre Gebete für den verstorbenen Gemahl, und auch ebenso lange Zeit für Königin Agnes nach ihrem Hingange († 1364) zu verrichten. Weil diese Urkunde vom 6. Februar 1307 in das Muri-Archiv kam38, so darf man annehmen, die Königin Agnes habe während ihres langen Aufenthaltes in Königsfelden dieses Aktenstück selbst in unser Gotteshaus gebracht, damit der Abt nach ihrem Tode die betreffenden Konvente an ihre Pflicht, für sie zu beten, erinnere. Hiefür spricht ferner, dass die fromme Wittwe unserm Gotteshause ein Gebetbüchlein, bestehend aus 95 Pergamentblättern, etwa 9 cm. hoch und 7,5 cm. breit, von zierlicher Hand in latein. und deutscher Sprache geschrieben, zum Geschenke machte. Dr. Hermann von Liebenau, der es 1840 noch in Muri sah39, behauptet, (I-142) es sei zu ihrem Gebrauche am Ende des 13. oder anfangs des 14. Jahrhunderts abgefasst worden. Die erste Seite trägt den Titel: „Oratio brevis ad Deum“, und die 188. Seite hat ein kindliches Morgengebet: „Ich bin hüte ufgestandin, in die ginad dis amehtin gotis gangin ... Herre, so bevil ich dir hüte min lip und min sele zi behvotinne und ze beschirminne, also du beschirmdost Danielen, do er was in deine hole der lovwon“.

Wie nahe Abt Rudolf III. dem König Albrecht I. gestanden, sagt keine Urkunde. Indessen behielt dieser die Verwaltung der österreichischen Vorlande nach einstimmiger Erhebung zum deutschen König (1298) in seinen Händen und ernannte als Pfleger über die neuerworbenen Besitzungen in den Gebirgen Heinrich, den Maier zu Zofingen, setzte ihn als Vogt zu Baden, und übergab ihm den „Argau“ zur Verwaltung. In der Rechtspflege standen die beiden Freien, Hermann von Bonstetten, Vater und Sohn, sowohl der Reichsvogtei zu Zürich, als auch den Landgerichten in Thurgau und Aargau vor, auf welche als Landgraf in Zürichgau Graf Rudolf von Habsburg folgte. Den grössten Einfluss auf die Leitung der Geschäfte übte König Albrecht selbst durch wiederholte Anwesenheit in diesen Ländern aus40. Rudolf, sein ältester Sohn, besuchte nie als Herr die Stammgüter; Herzog Friedrich, der Zweitgeborne, erschien als Machthaber erst 1304, aber nur auf kurze Zeit; die Frauen Elisabeth, römische Königin, und ihre Tochter Agnes, die nach Friedrich in den obern Gegenden auftraten, brachten keine bedeutenden Änderungen in die bisherigen Zustände; Johannes, Herzog von Österreich, Brudersohn des Königs, erhielt im November 1307 in Nürnberg einen Antheil an der Verwaltung seines Erbes. Weil er damit aber nicht zufrieden war, liess er sich bereden, noch mehr zu fordern. Abgewiesen vom sorgsamen Oheime, ermordete er mit den Verschworenen Rudolf von Wart, Rudolf von der Balm und Walther von Eschenbach bei Windisch, im Angesichte der Habsburg, am 1. Mai 1308 den König41.

König Albrecht I. liess im zweiten Jahre seines Reiches (1300) fleissig aufzeichnen42, was sein Haus in den Stammlanden (I-143) an Leuten, Gut und Rechten besitze, und was seit dem Tode Hartmanns, des jüngern Grafen von Kiburg, an Lehen, Pfand oder Eigen von der Herrschaft weggekommen sei. Meister Burkard von Frick, der Schreiber des Königs, ward mit der schwierigen Arbeit beauftragt. Sie kam wegen eingetretener Hindernisse leider nicht zu Ende. Darnach gehörten zum Amte Muri (Officium M.) folgende Orte: Eggenwil, das ein Eigen des Klosters Hermetschwil; Hermetschwil und Staffeln, ebenfalls ein Eigen des besagten Klosters, und Rottenschwil, wo die berührten Nonnen mehrere Güter besassen, für welche sie den Habsburgern die Vogtsteuern zahlten. Daselbst und in Eggenwil hatte die österreichische Herrschaft die niedere und höhere Gerichtsbarkeit, während sie in Hermetschwil und in Staffeln nur das höhere Gericht („Dieb und Frevel“) ansprach. Ferner gehörte zum Amte Muri Waltenschwil mit höherer und niederer Gerichtsbarkeit; Waldhäusern, wo „je der Mann über sein Gut Twing und Bann“ hat, d. h. die niedere Gerichtsbarkeit lag als ein Überrest der alten Hofrechte beim Hofe selbst. Endlich gehörten zu diesem Amte: Boswil, Besenbüren, Kalcherron (Kallern), Bünzenach, Buttwil, Brunwil, Muri (heute Muri-Langdorf), Langenmatt und Isental, Wile und Hasle, Egge, Aristau, Birchi (Birri), Türmülon, Nidigen43, Wie (Wey), Furte44, Geltwil, Krienbüle, Isenbrechtswil, Walaswil und Althäusern. Die niedere Gerichtsbarkeit dieser letztgenannten Orte gehörte entweder dem Gotteshause Muri oder Andern, wie in Boswil den Frauen in Zürich. Laut des Pfandrodels hatten die Ritter von Hallwil (Walther, Hartmann, Rudolf, Berthold und Rüdiger) mehrere Einkommen der Herzoge in diesen Dörfern zum Pfande. Von den nicht verpfändeten Kerneneinkommen bezogen die Herzoge aus dem Amte Muri 23 ¼ Stück und von dem Einkommen dreier Mark bezogen eine die Söhne des verstorbenen Hartmann's von Baldegg für ein Schlosslehen in Maienberg (pro feodo castrensi in Meienberg), die zweite Mark Gottfried von Hünaberg und die dritte die Söhne des von Barre, die aber hiefür keinen Rechtstitel anzugeben wussten. – Die Vogtei im Dorfe zu Muri hatte Ulrich von Rüssegg für 21 Mark und 21 Stück zum Pfande; Heinrich von Iberg besass in Egge, Hasle und Wile 12 Mütt Roggen u. s. w. In Wohlen sprach den halben Theil der niedern Gerichtsbarkeit Herr Werner zu Wohlen an, weil der Hof, auf dem der Kirchensatz haftete, sein Eigen war; die andere Hälfte der (I-144) gebannten niedern Gerichte gehörte dem Kloster Muri, Diesem Muri-Twinghof in Wohlen wurden die zwei Höfe in Eggenwil45, der Rütihof zwischen Niederwil und Dottikon46, die Waltenschwilermühle und der Werwilerhof (heute Weissenbach) beigezählt47.

Besagtes östarreichisch-habsburgische Urbar erwähnt noch der Muri-Güter in Rüdikon, in Tennwil bei Seengen, zu Fahrwangen und in Ober- und Mittelschongau, die etwa 30 Schupossen betrugen.

Von diesen Streiflichtern, die berührtes Urbar auf den politischen Zustand in und um Muri im Anfange des 14. Jahrhunderte wirft, wenden wir uns zu den letzten Tagen des Abtes Rudolf III. – Die bessern Kenner der Geschichte von St. Blasien sagen48: Rudolf habe den Hirtenstab 1308 abgelegt, sei nach St. Blasien zurückgekehrt und dort am 20. Juni 1333 vom Tode ereilt worden. Am gleichen Tage steht er im Hermetschwiler-Nekrologium als „abbas noster“ (unser Abt) eingetragen.49


  1. Vgl. oben, S. 107.

  2. Arch. Muri in Gries A. I. I.

  3. Annales, p. 257; Murus et Antem. IV., 45-47.

  4. Wir reihten sie früher ein, 1145-1150 und 1240-1243.

  5. Annales, p. 258.

  6. Diese Notiz erhielt Muri im vorigen Jahrhunderte von den Zwiefalter-Mönchen, mit denen es in enger Verbindung stand (Arch. Muri in Gries A. I. I.)

  7. Annales Zwiefaltenses, Augsburg 1698, Bd, I., 256.

  8. Murus et Antem IV., 55, 57; Winistörfer, die Froburger im Urkundio II., 1. Heft.

  9. Staatsarch. Zürich, Abtheil. Wettingen A, 4.

  10. P. Aug. Stöcklin, Miscell., 189.

  11. Brief des P. Bonaventura Neher vom 4. Juli 1782 (Archiv Muri in Gries A. I. I.).

  12. Miscellan., p. 21.

  13. Dasselbe äusserte er später bei urkundlicher Belegung für Abt Heinrich von Eschenz, S. 266.

  14. Annales, p. 332, 233.

  15. Bossikon, ein Weiler im zürcherischen Dorfe Hinweil. Ein B. erscheint 1261; Herrgott lässt es aber unentschieden, ob die von Bossikon Edle gewesen seien (Geneal. III., lud. III.).

  16. Arch. Muri in Gries A. I. II.

  17. Annales, p. 268; Murus et Antem. IV., 49.

  18. P. Anselm Weiss., Eccles., p. 147.

  19. Vorzüglich scheinen Kauf- und Verkaufsbriefe verbrannt zu sein.

  20. Kopp, Gesch. III., 2, 275 ff.

  21. Arch. Muri in Aarau. Beide Urkund. sind am 9. März 1305 in Zürich ausgestellt. Die erste hat als letzten Zeugen (die vorangehenden sind Chorherren und Rathsherren von Zürich) Jakob, den Ammann von Muri. Die Zeugen der zweiten Urkunde sind: Herr Rudolf von Schönenwerd, Herr Werner, der Kellner, Herr Guntram von Spiegelberg, Kuster, Priester und Mönche von Muri. Die übrigen Zeugen wie im ersten Briefe (Kopp, Geschichte III., 2, 281, 282).

  22. Der dritte Brief richtet sich hinsichtlich der Zeugen nach dem ersten und der vierte nach dem zweiten.

  23. Arch. Muri in Aarau. Die Urkunde besiegelten am 24. März 1305 der Abt von Muri, am 26. März die zwei Johannes Wolfleibschen u. s. w. Von dieser und von den vier vorhergehenden Urkunden geben Kurz und Weissenb. (Beitr, I., 437 ff.) nicht durchweg richtige Auszüge.

  24. Arch. Muri in Gries, Extraktbuch aus Herm. II. Thl., S, 186.

  25. Pfeifer, Habsburg-österreich. Urbarbuch, S. 160.

  26. S. oben, S. 119 ff.

  27. Argovia X., 89.

  28. Arch. Muri in Aarau, G, 3. D, 3. Zeugen: Meister Nikolaus von Malters, Chorherr in Zofingen; Heinrich Sliengen; Jakob, der Schreiber von Reussegg; Claus Müllimann von Bremgarten; Burkard und Heinrich, Kellner von Boswil; Konrad und Werner, Gebrüder von Geltwil; Ulrich Kuntwil und Rudolf, der Weibel von Bremgarten.

  29. Arch. Muri in Aarau. Die Zeitbestimmung dieser Urkunde lautet: „Diss beschach, do man zalte von Chr. G. drüzehn hundert und vier Jar, darnach in dem fünften Jare an Bonifacientage ze ingenden brachet, do Indiktio war die dritte“. Nach der Indiktion ist das Jahr 1305 zu nehmen. Zeugen: „Min Herre, der Abt ze Mure“; Herr Wernher, der Kellner; Herr Guntram, der Custer; Herr R., der von Schönenwerd; Cunrat von Geltwil; Werner, sein Bruder Bercht. Reigo; H. Magin; Walther Spiller; Peter an dem Kilchbül; Richwin von Aristau; Trutwin Fuchs; Ulrich Spilmann; Ulr. Annum von Birchi.

  30. Rudolf von Barre beschwor den Spruch zu Wehr (Werra), einige Stunden von Säckingen entfernt, am 1. Februar, und sein Bruder Arnold am 3. Februar zu Säckingen. Das zweite iHal waren mehr Zeugen anwesend, als das erste Mal. Die Urkunde siegelten: Heinrich von Stein, Junker Diethelm von Stöffen, die Stadt Rheinfelden und die Bürger von Säckingen (Kurz und Weissenbach, Beitr. I., 439, 410).

  31. Lungern, Pfarrdorf, Kt. Obwalden.

  32. Die Urkunde des Papstes ist ausgestellt zu Bordeaux am 22. Aug. 1305 und der Vidimus des Bischofs H. von Constanz in Zürich am 9. März 1306 (Arch. Engelberg). Erwähnte Urkunde Papst Clemens V. ist eine der ersten von ihm (vgl. Regestum Clementis Papæ V. ex Vaticanis).

  33. Die zweite Urkunde des Papstes ist gleichfalls am 22. August 1305 in Bordeaux ausgestellt, kurze Zeit nach seiner Erhebung zur Papstwürde (5. Juni d. J.).

  34. Arch. Engelberg; Kopp, Gesch. III., 2, 252.

  35. Copie im ehem. Archiv des Frauenklosters Hermetschwil.

  36. Arch. Engelherg; Geschichtsfrd. I., 41; Kopp, Geschichte III., 253, 254.

  37. Gerbert, Hist. n. s. III., 245.

  38. Staatsarch. Aarau.

  39. Urkundlicher Nachweis zur Lebensgeschichte der verwittweten Königin Agnes von Ungarn, S. 15, 16.

  40. Kopp, Gesch. III., 2, 806 ff. - Der Landschaft Aargau wurde die Cent des „Freiamtes“ am rechten Ufer der Reuss von der Lorze bis Zuffikon beigegeben (Argovia X., 67.). Der Name „Freiämter“ für die Ämter Muri, Wohlen, Mellingen etc. am linken Reussufer entstand im 16. Jahrhunderte (Eidgen. Abschiede).

  41. Franz Pfeiffer, Habsburg-österreichisches Urbarbuch (Liter. Verein in Stuttgart, Bd. XIX.).

  42. Franz Pfeiffer, Habsburg-österreichisches Urbarbuch (Liter. Verein in Stuttgart, Bd. XIX.).

  43. Nidigen, ein Theil vom heutigen Wey.

  44. Abgegangener Name eines Hofes.

  45. Die übrigen Höfe in Eggenwil kamen zu dem Twinge der Frauen in Hermetschwil, als sie die niedere Gerichtsbarkeit erhielten.

  46. Arch. Muri in Aarau G, 3. D, 8.

  47. Arch. Muri in Gries A. I. I.

  48. Wülperz und Andere (Arch. Muri in Gries A. I. I.).

  49. Murus et Antem. IV., 49.