Siebentes Kapitel. Leben und Wirken der Konventualen inner- und ausserhalb des Klosters (1298-1410).

Die Zeiten von 1298-1410 bieten in den Ländern zwischen der Aare und Limmat fast allgemein ein Bild der sittlichen Verwilderung, vor der selbst die Klostermauern nicht immer (I-185) genügenden Schutz zu bieten vermochten. Zur Untergrabung der klösterlichen Ordnung trugen äussere Unglücksfälle viel bei, wie Kriege, Hunger, Pest, Erdbeben, Überschwemmungen, welche in diesem Zeitraume häufig die Länder Europa's heimsuchten. Der Aufenthalt der Päpste in Avignon (1305-1377) und das nachfolgende Schisma in der katholischen Kirche hatten die Disciplin und in Folge dessen die ehemals blühenden Congregationen in Frankreich entweder geschwächt oder zu Grabe getragen. Die Generalkapitel der Äbte verschwanden und die Visitation der einzelnen Klöster vernachlässigten nicht bloss die Prälaten, sondern auch die Diöcesanbischöfe. Abt Gerbert1 sucht zwar die harten Worte des Joh. Tritheim über die Benediktiner des 14. Jahrhunderts zu entkräften; allein Erhebliches kann er nicht beibringen. P. Mauriz van der Meer gibt dem Kapitel, das er dem 14. Jahrhundert widmet, die Aufschrift: „Ruina disciplinæ monasticæ ex Capitulorum omissione“2. Die Visitationen wurden im Bisthum Constanz schon darum zur Unmöglichkeit, weil die Klöster während des Schisma verschiedenen Päpsten anhingen und ihre Zuneigung zu denselben innerhalb kurzer Zeit oft mehrmals änderten3. Selbst die einfachen Verbrüderungen (Confraternitäten) zum Besten der Abgestorbenen fanden nur schwache Pflege4. Zwar suchte Papst Benedikt XII. im Jahre 1336 durch eine Bulle (Summi magistri dignatio) dem Benediktinerorden durch Anbefehlung der Generalkapitel in den 36 Provinzen der Christenheit und durch Auffrischung alter und Beifügung neuer Satzungen wieder Leben und Kraft einzuhauchen5. Allein so vortrefflich diese Bestimmungen waren und so gute Früchte sie in denjenigen Klöstern, die willig sich darnach richteten, erzeugten, glaubte Tritheim dennoch bemerken zu müssen, selbe seien kaum in Deutschland verkündet worden oder jedenfalls vor dem Constanzer-Concil wirkungslos gewesen6.

(I-186) Nebst den angedeuteten Ursachen, welche den Verfall der klösterlichen Zucht im 14. Jahrhundert bewirkten, nennt Mauriz van der Meer noch andere7, und zwar 1) die Unterlassung des Probejahres (Noviziates) bei Aufnahme der Mitglieder8; 2) die Zulassung nur solcher Jünglinge, die von adeliger Abkunft waren; 3) ein zu grosser Reichthum oder eine zu grosse Armuth; 4) Überfüllung der Klöster mit Mönchen, und 5) endlich Müssiggang9.

Wurde auch von der Zeitströmung manches Unkraut, das aufwuchs und seinen üblen Geruch verbreitete, in die Zellen Muri's hineingeworfen, so wussten doch die Äbte, die wir ohne Ausnahme als würdige Männer kennen gelernt haben, die innere Disciplin immer in einer mässigen Höhe zu erhalten. Unser Konvent gehörte nicht zu denjenigen, welche, wie Einsiedeln, Fulda, Murbach u. s. w., seit dem 13. Jahrhunderte nur Jünglinge aus dem höhern Adel aufnahmen. Im Kataloge von Muri10 ist blos der niedere Adel vertreten11, und neben ihm sitzen im Kapitel Konventualen aus dem Bürger- und Bauernstande. Abt Konrad II. gelangte, obgleich von einer Bauernfamilie entsprossen, schon 1380 zur Abtwürde. Von Mitgliedern überfüllt oder zu arm oder von übermässigem Reichthume strotzend war Muri im 14. Jahrhundert nicht. Mangold Menger, Rektor der Pfarrkirche in Eich, sagt am 3. November 1425 eidlich aus: Muri habe ehemals (vor 1386) leicht 12 Konventualen ernährt12; nach 1386 haben die österreichischen Herzöge das Gotteshaus vor gänzlicher Verarmung geschützt.

Die Belege, in Muri sei das Noviziat unterblieben, können nicht beigebracht werden; die Urkunden von 1343 und 138313 lassen eher auf eine längere Prüfungszeit der Ordenscandidaten schliessen. In letztberührter Urkunde sagt Abt Konrad II.: „Jeder Diakon, Subdiakon und Schüler, der den Orden trägt, erhält, wenn er bei der Stiftjahrzeit des Abtes dem (I-187) üblichen Todtenofficium beiwohnt, fünf Schillinge“. Wenn aber die Unglücksfälle vor 1386 die Grundfesten der Disciplin weniger zu erschüttern vermochten, so rüttelten dafür die Ereignisse nach diesem Jahre mit desto grösserem Erfolge an der brüderlichen Zusammengehörigkeit und dem ausdauernden Fleisse der Murikonventualen.

Nachweislich blühten im Anfange des 14. Jahrhunderts in unsern Zellen die Wissenschaften. Die Äbte Heinrich I. und Heinrich II. pflegten dieselben mit Vorliebe. Bücher wurden abgeschrieben und mit zierlichen Initialen versehen. Das Choralbuch, welches den Fremden in der Kantonsbibliothek in Aarau als Beweis vom Kunstsinn und Fleiss der Murimönche mit Vorliebe gezeigt wird, stammt aus dem Anfange des 14. Jahrhunderts. Aus mehreren Dokumenten geht deutlich hervor, dass die Konventualen den Unterricht der Jugend fleissig besorgten. Wie von Abt Heinrich I. wurde auch jetzt die Poesie mit Vorliebe gepflegt14. Jede grössere Literaturgeschichte der deutschen Dichtkunst erwähnt des ältesten Passionsspieles, das K. Öhler von Aarau im Jahre 1840 in Muri am Einbande einer lateinischen Bibel entdekte und in den Beiträgen von Kurz und Weissenbach im Drucke erscheinen liess15. Wir lassen hievon eine kleine Probe folgen:

Erste Scene.

Pilatus, der Paltenere, die Juden.
Paltenere.
     Swie du mir das geben wilt,
     Wie (ch)enen danne mich bevilt,
     Daz ich dir gibe mit gewiht
     Geldes, des entlaze ich niht,
     Zwencic marchen swere.

Pilatus.
  Vil liber Paltenere,
  Du waz mir ie mit trüwen holt,
   Swe(nne) ih von dir hau daz golt,
   So ha(be) min geleite.

Paltenere.
  Vil w(ol) ih di bereite,
  Daz spriche ih uf min trüwe.

Pilatus.
  Ih vürchte, es dih gerüwe.

Offenbar haben wir ein Theaterstück hier vor unsern Augen, das von den Murischülern aufgeführt und vielleicht von (I-188) einem Konventualen verfasst wurde. Der Eifer für die Wissenschaft, der vor dreissig Jahren unter Abt Heinrich I. in Muri die schönsten Blüthen getrieben, wird in den dortigen Zellen noch lange in seiner Kraft geblieben sein. Auch die Schulbücher, die der berühmte Sänger in Zürich, Konrad von Muri, vorzüglich für die Schule in Muri verfasst hatte, werden das Ihrige zur Erhaltung des regen Eifers für die Wissenschaften beigetragen haben. Als Beweis hiefür mag jener berühmte Kanzler Herzog Rudolf's IV., Johannes Schultheiss, dienen, der nach Theodor von Liebenau die Grundlage zu seinem umfassenden Wissen und seiner klassischen Bildung gerade in Muri gelegt haben soll16.

Aus diesen Zeiten stammt auch eine Elegie in lateinischen Versen auf den Tod König Albrecht's I. Ihr Verfasser ist Rudolf von Liebegg, Chorherr des ehrwürdigen Stiftes Beromünster17. Abt Heinrich II. möchte sie von dem edlen Herrn erbeten und eigenhändig dem damals in Muri liegenden Chronikon von Hermann Contraktus beigefügt haben18. Die Acta fundationis Murensia werden ohne Zweifel im Originale in's 14. Jahrhundert hinüber gerettet worden sein. Ein Mitbruder nahm sich aber in den Jahren 1330 bis 1360 die Mühe, von diesem wichtigen Aktenstücke eine Copie auf Papier zu machen. Während das Original in der Folgezeit verloren ging, blieb dieses bis heutzutage erhalten19.

Eingetretene Todfälle in der Pestzeit (1348 und 1349) werden unser Kloster genöthigt haben, die Leitung und Unterweisung der Knaben in den niedern Klassen einem Weltpriester zu übertragen, indem es diesem ausserhalb des Gotteshauses eine Pfründe mit Haus und Garten anwies. Das Muri-Urbar, das um das Jahr 1352 angelegt wurde, sagt nämlich: „des Schulmeisters Hofstatt“ gelte 4 Pfennige20; die am Ende dieses Jahrhunderts vorkommenden Schulmeister von Muri wenigstens waren keine Religiosen21. Indessen verrathen alle Hände, welche die Verstorbenen des 14. Jahrhunderts in das alte Hermetschwiler-Nekrologium (I-189) einzeichneten, eine grosse Gewandtheit im Schreiben, nur die Hand, welche acht Namen vor und nach dem 24. Oktober einschrieb, ist im Schreiben ziemlich unerfahren. Indessen hatte der Mönch, welcher im Jahre 1333 das Messbuch für Waliswil schrieb, eine zierliche und kräftige Schrift und war der Malerkunst nicht unkundig22.

Die Liebe zu den Wissenschaften bewahrten auch die wenigen Mitglieder des Konventes, welche der Pest entgangen waren. Von Rudolf von Zürich, der in den Jahren 1350-1353 Prokurator in Muri war, schreibt P. Anselm Weissenbach23, er habe in der Mitte des 14. Jahrhunderts, in den wildesten Zeiten des Krieges, die Liebe zu den Künsten und Wissenschaften nicht verloren.

Bis dahin waren die Benediktiner selten ständige, in einer Pfarrei residirende Seelsorger. Im Jahre 1337 finden wir aber Konrad von Ammenhausen, Benediktiner des Klosters Stein am Rheine, als Leutpriester oder Pfarrer daselbst24. Urkundlich wissen wir, dass Abt Konrad I. als ersten Konventualen, der ausserhalb des Klosters als Seelsorger residirte, den Herrn Johannes von Kilchbüel für Hermetschwil (1354) bestimmte25. Seitdem sehen wir die Mitbrüder öfters auf den Pfarreien thätig26. Allein gerade dies möchte die Abhaltung des feierlichen Gottesdienstes in der Klosterkirche unmöglich gemacht und den Eifer für den fleissigen Besuch des Chores geschwächt haben. Daher bestimmte Abt Konrad II. in seiner Stiftung vom Jahre 1383, dass jene Priester, welche ohne Grund am Hochamte erst nach der Epistel erscheinen, oder am Grabe bei dem Gesange: „Verba mea“, gar nicht anwesend sind, bestraft werden sollen. Der jeweilige Amtmann wird von ihm beauftragt, die Saumseligen fleissig am „Nebenaltare“ zu verzeichnen, und am Ende des Jahres bei seinem Eide die Absenzen dem Abte anzugeben27. Besagte Stiftung verpflichtet zugleich den jeweiligen Abt, seinen Konventherren den angewiesenen Saum Wein, Jahresgewächs von den Reben in Thalwil, fleissig zukommen zu lassen; ja Abt Konrad II. geht hierin so weit, dass er dem Kapitel, insofern der Abt den Wein nicht geben wollte, die Befugniss einräumte, die dafür zugewiesenen Reben in Thalwil selbst zu bewirthschaften. Diese Verordnung (I-190) kann nicht gebilligt werden, weil sie gegen den Geist der hl. Regel, welche das gemeinschaftliche Leben und die volle Unterwerfung des Konventes in der Leitung des Klosters durch den Abt verlangt28. Die hl. Regel schreibt zwar vor, dass alle Kapitularen zur Berathung gerufen werden sollen; gestattet aber keinem, auch nicht dem Kapitel, die Meinung mit Hartnäckigkeit zu vertheidigen, geschweige gegen den Willen des Abtes ein irdisches Gut zu verwalten. Durch obige wider die hl. Regel gerichtete Anordnung hatte Abt Konrad II. wohl selbst den Keim zu jener Auflehnung der Konventualen gelegt, wodurch das Ende seines Lebens noch verbittert wurde.

Weil das Kloster in den Kriegen gegen die Eidgenossen vielfältig beschädigt worden, so wollte Abt Konrad II. die Reinerträgnisse der einverleibten Pfarrkirche in Sursee zu dessen Wiederherstellung verwenden. Diesem wohlgemeinten Vorhaben widersetzte sich das Kapitel. Der Abt rief ein Gericht an, und zwar kein geistliches, sondern ein weltliches29. Es sprachen nämlich Graf Hans von Habsburg-Laufenburg und die Ritter Heinrich Gessler und Hermann von Rinach am 17. Jänner 1402 also: Der Abt fange diesen Sommer an und baue das Kloster in den nächst folgenden Jahren nach Möglichkeit mit Häusern, Stuben und andern Gemächern, so wie es vor dem Kriege gewesen ist; dann gebe er allen Priestern und „denen, so kappen antragent“30, sieben Jahre lang je zwei Malter Korn und zwei Malter Hafer zu dem frühem Einkommen31. Innerhalb benannter Zeit geniesse der Abt ruhig das volle Einkommen der Kirche zu Sursee und vollende den Klosterbau. Nach Ablauf der sieben Jahre komme „jedweder Theil wieder zu seinen Rechten“, d. h. der Abt füge das Einkommen der Kirche zur Hauptmasse und vertheile, nach Abzug der Klosterausgaben, dasselbe unter die Konventualen; denn so verlangte es das jetzt ausgeartete Präbendenwesen. Dieses hatte aber die Benediktinerstifte Muri und Hof in Luzern fast zu Collegiatstiften gemacht32. Den in Muri entstandenen Streit zwischen Abt und Konvent haben höchst wahrscheinlich drei Laien aus der Nähe des Gotteshauses veranlasst. Denn Ulrich von Geltwil und seine zwei Söhne, (I-191) Heinrich und Johannes, wurden von Ritter Heinrich Gessler verurtheilt, das Land zu meiden und über den Rhein hinauszugehen, widrigenfalls verfallen sie der nicht geringen Strafe von 100 Gulden; auch wurde bestimmt, dass sie ohne besondere Erlaubniss des Abtes von Muri nie mehr ihre Heimat betreten dürften. So meldet P. Anselm Weissenbach, und bringt dieses harte Urtheil mit der Erzählung obiger Ereignisse in Verbindung33. Aber noch immer gährte es im Innern des Klosters. Ritter Hermann Gessler bestimmte deshalb am 29. Juni 1408 mit andern Richtern den Ausschluss eines Konventualen vom Kapitel und Kloster auf fünf Jahre. Der Ausgestossene sollte zwar, ohne den Nutzen der Präbende zu beziehen, eine jährliche „Vertröstung“ von 10 Mütt Kernen bekommen, er verliert aber diese Vergünstigung, wenn er den Frieden bricht oder nach fünf Jahren nicht freiwillig in's Kloster zurückkehrt34. Im Verlaufe von neun Jahren zeigte sich zwischen Abt Georg und einem grossen Theile unseres Konventes wieder eine Misshelligkeit. Mehrere der Mitbrüder widersetzten sich der vom Concil in Constanz vorgeschriebenen neuen Ordnung namentlich wegen des gemeinsamen Zusammenlebens. Die eidgenössischen Stände legten sich als Kastvögte in die Sache35 und sprachen am 24. November 1418 im Sinne des Concils: es solle ein gemeinsamer Speisesaal (Refectorium) und ein Bau für Schlafzellen sämmtlicher Konventualen, geheiligt durch die Klausur, (Dormitorium oder „Dormenter“) hergestellt werden. Vergleichen wir diese Urkunde mit der vorn 17. Jänner 1402 und mit der Beschreibung des Klosterbaues im Hofe zu Luzern36, so ist die Behauptung wohl nicht zu gewagt: in Muri sei im 14. Jahrhunderte bis 1418 das gemeinsame Zusammenleben beinahe verschwunden und jeder Konventuale habe innerhalb der Klostermauern seine besondere Wohnung und Haushaltung gehabt37. In wie ferne der Muri-Konvent dem Verlangen der Kastvögte entgegen gekommen sei, wird die Geschichte des 15. Jahrhunderts zeigen. Es erübrigt noch Weniges von den Frauen in Hermetschwil zu melden.

Bereits haben wir gesagt, dass sie um das Jahr 1300 eine selbständigere Verwaltung unter der Aufsicht des Abtes, (I-192) der sich ihr „Pfleger“ nannte38, mit einem Konventsiegel erhielten; auch wurde angedeutet, dass durch Vergabungen der Frauen und Dorfleute eine Leutpriesterei gegründet wurde39. Die Meisterinnen hatten kein besonderes Siegel; daher siegelte gewöhnlich der Abt von Muri die Urkunden der Frauen in Hermetschwil40. Im 14. Jahrhundert mögen folgende Meisterinnen die Genossenschaft daselbst geleitet haben:

Hedwig von Luwar heisst in der Urkunde vom 12. März 1349 „die jüngere Meisterin“, und dürfte während der Pestzeit der wirklichen Meisterin, Elisabeth von Mülinen, als Gehilfin beigegeben worden sein. – Nach der Hauschronik des Klosters, der auch Egbert Friedrich von Mülinen41 folgte, sollte man glauben, in Hermetschwil hätten nur adelige Töchter bis zum Jahre 1541 Aufnahme gefunden, wie die von Schönenwerd, Ifenthal, Remingen, Gachnang, Seengen, Rinach, Mülinen, Gessler, Segesser, Heidegg, Luwar, Göskon, Trüllerei u. s. w. Dieser Ansicht können wir nicht unbedingt beipflichten, indem das älteste Nekrologium sechs bis sieben Namen einzig vom 14. Jahrhunderte aufweist, welche nur „ehrlicher Leute Kinder“ waren42.

Als die vorzüglichsten Wohlthäter der Frauen in diesem Jahrhunderte müssen genannt werden: Johannes von Lothringen, Herzog; das Nekrolog nennt ihn am 24. März; Elisabeth, Herzogin von Lothringen und Schwester der Königin Agnes; sie schenkte 1331 ein Messgewand nach Hermetschwil43; ferner die Ritter Wilhelm und Heinrich von Rotaswil, welche ihren Hof daselbst sammt Zubehör (I-193) den Frauen schenkten44. Diese erhielten dann in der Kirche zu Hermetschwil eine Grabstätte. Auch die in Bremgarten niedergelassenen edlen Geschlechter von Seengen und Schönenwerd erwiesen den Frauen Wohlthaten. Ritter Heinrich von Seengen, seine Gemahlin Anna von Heidegg und ihre Kinder fanden deshalb in Hermetschwil gleichfalls ihre Ruhestätte45.

Aus der Ökonomie verdient der Bau der Mühle erwähnt zu werden, welche Meisterin Elisabeth II. von Mülinen dem Meister Ulrich, Müller in der Stadt Zug, in der Reuss herzustellen befahl. Dieser Mühle wegen waren während 500 Jahren so viele Streitigkeiten etc., dass deren Mittheilung einen ganzen Band füllen würde46. – Dann bemerken wir noch, dass Graf Hans von Habsburg, Landvogt, am 19. Juli 1398 zu Baden mit seinen Räthen einen Streit zu Gunsten des Klosters Hermetschwil entschied47.

Zweites Buch. Die mittlere Geschichte des Stiftes Muri. 1410-1596.

Erster Abschnitt. Muri's erste Zeiten unter der Schutzherrlichkeit der Eidgenossen. 1410-1508.

Erstes Kapitel. Georg Russinger, XXVII. Abt (1410-1439).

(I-197) Die Muri-Kapitularen zögerten nach dem Hingange des Abtes Konrad II. nicht lange mit der Neuwahl. Sie fand am 19. März 1410 statt. Die Wahlurkunde nennt folgende Wähler, welche alle den Titel „Herr“ tragen: Konrad Frommherz, Johannes Gruber, Kaspar von Moos, Georg Russinger, Ulrich Holzach, Ulrich Junker und Friedrich zum Thor48. Die Mehrheit der Stimmen vereinigte sich auf Georg Russinger. Er stammte aus einer achtbaren Bürgerfamilie der habsburg-österreichischen Stadt Rapperswil am Zürichersee49 her. Die Hauschronisten preisen diesen Prälaten als einen geistvollen, kräftig eingreifenden Mann, der die Hausordnung und klösterliche Einrichtung mit der Regel des hl. Vaters Benedikt mehr in Einklang zu bringen trachtete, das (I-198) Vermögen des Hauses mehrte und nahe und ferne wegen seiner Klugheit und seines taktvollen Benehmens ein grosses Ansehen genoss50.

Vor Allem suchte Abt Georg den Schutz des päpstlichen Stuhles zu gewinnen. Er wandte sich daher an den Pisaner Papst, Johannes XXIII. Dieser stellte den Schirmbrief für Muri am 13. März 1411 zu Bologna aus. Der Papst verspricht darin zunächst dem Kloster im Allgemeinen seinen Schutz und dann insbesondere den inkorporirten Pfarrkirchen von Muri, Lunkhofen und Sursee und der Annakapelle (nicht der Stefanskirche wie es in der Bulle unrichtig heisst) in Wohlen51.

Dieser Papst Johann XXIII. schrieb im Einverständnisse mit König Sigmund auf das Jahr 1414 das Concil von Constanz aus. Da er mit den zwei andern Päpsten, Gregor XII. und Benedikt XIII. abdanken sollte, wünschte er das Concil mit Hilfe des Herzogs Friedrich von Österreich aufzulösen, und floh aus Constanz. König Sigmund verhinderte das Auseinandergehen des Concils, nöthigte den Papst Johann XXIII. zur Rückkehr und sprach über Herzog Friedrich (30. März 1415) die Acht aus52. Zur Bestrafung des letzteren ertheilte er den Eidgenossen den Auftrag, mit dem Grafen Friedrich von Toggenburg am 1. April 1415 auszurücken und den Aargau einzunehmen. Die Eidgenossen hatten aber erst vor drei Jahren (am 23. Mai 1412) einen fünfzigjährigen Frieden zu Baden abgeschlossen. Bern setzte sich jedoch über dessen Abschluss hinweg und eroberte im Sturme die Städte Zofingen, Aarburg, Lenzburg, Aarau und Brugg. Den übrigen eidgenössischen Ständen Zürich, Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug und Glarus, welche sich scheuten, den Frieden zu brechen, liess König Sigmund melden, dass ein Fürstengericht am 5. April entschieden habe: die Eidgenossen seien trotz des 50jährigen Friedens schuldig, den Reichskrieg auf des Königs Befehl zu führen; der Friede sei nur als Verlängerung des Waffenstillstandes und nicht als Bündniss aufzufassen. Zürich zog daher bald aus und nahm Dietikon und das Amt Knonau (Freiamt) in Besitz, Luzern eroberte Sursee, Münster und Hitzkirch und vereinigte sich mit den übrigen nachrückenden Ständen im Reussthale. Die Städte Mellingen, Bremgarten, Sursee und die übrigen Städte und Burgen des österreichischen Aargau's wurden am 15. April von König Sigmund (I-199) aufgefordert, dem Herzoge Friedrich den Gehorsam zu verweigern und dem edlen Konrad, Herrn zu Winsperg, zu Handen des Königs und des Reiches zu schwören. Dieser erschien wirklich mit der Reichsfahne im eidgenössischen Heere. Aber die Städte Mellingen, Bremgarten und Baden wollten sich dessenungeachtet nicht an das Reich ergeben. Bei erstgenannter Stadt trafen die Orte Bern, Zürich und Luzern zusammen und nöthigten die Bürger sich an das Reich zu ergeben. Sofort zogen die Sieger herauf gegen Bremgarten. Die Banner von Uri53, Schwyz, Unterwalden, Zug und (?) Glarus flatterten bereits vor dieser Stadt. Sie kapitulirte nach viertägiger Belagerung und schwur zu Handen des Reiches dem Winsperg und zu Handen der Eidgenossen. Uri wollte jedoch an den Eroberungen keinen Antheil haben. – Auch Baden musste sich den vereinigten Eidgenossen ergeben. Am 7. Mai fand Herzog Friedrich Gnade bei König Sigmund in Constanz. Dieser forderte nun, die Eidgenossen sollen vom weitem Kriege gegen Friedrich abstehen. Allein die Siegestrunkenen fuhren fort, das Schloss Stein bei Baden zu bestürmen und gewannen es endlich am 18. Mai. Sie liessen dann ohne Rücksicht auf den König und Herzog Friedrich die unterworfenen Städte und Länder der Eidgenossenschaft huldigen. Demnach wurden die Städte Bremgarten, Mellingen und Baden, wie auch die Grafschaft Baden und die Ämter Muri, Hermetschwil, Wagenthal (Boswil, Wohlen etc.) als gemeinschaftliche Erwerbung der VI Stände Zürich, Luzern, Schwyz, Unterwalden, Zug und Glarus erklärt54. König Sigmund bestritt allerdings diese Besitzergreifung; allein die Eidgenossen beanspruchten selbe als Entschädigung für ihre Hilfeleistung. Die Geldverlegenheit des Königs verhalf bald zu einem Auswege. Unter dem Vorwande, den Städten des Aargaues im Reuss- und Limmatthale einen bessern Schutz zu verleihen, verpfändete er sie den Zürichern mit allen Rechten, hohen und niedern Gerichten um 4500 Gulden. Die Wiedereinlösung der Pfandschaft war vorbehalten, und Zürich war berechtigt, auch die andern Eidgenossen auf ihr Begehren eintreten zu lassen55. Das Kloster Muri kam so zu den VI Ständen der Eidgenossenschaft.

(I-200) Dieses gewaltsame Losreissen von der Vogtei und dem Schutze der Stifterfamilie schlug unserem Konvente eine blutende Wunde. König Sigmund liess dem Stifte Muri wenigstens ein Wort des Trostes in seinem Schmerze zukommen. Schultheiss und Räthe von Bremgarten eilten, nachdem sie den Eidgenossen zu Handen des Reiches geschworen hatten, zu ihm nach Constanz und erhielten, was ihnen für die Zukunft aber wenig nützte, die Bestätigung ihrer Freiheiten und Rechte. Der König beauftragte sie zugleich in dieser Urkunde: das Gotteshaus Muri in ihren Schutz und Schirm zu nehmen56. Ob unser Konvent wie die umliegenden Dörfer den Eidgenossen diesen Eid ablegen musste, ist nicht bekannt. Weil aber unser Kloster mit dem Schutze der Stadt Bremgarten sich nicht begnügen konnte, so ging Abt Georg Russinger persönlich zum König Sigmund nach Constanz57 und bat ihn um Bestätigung aller Freiheiten, Rechte und Privilegien, welche Kaiser und König dem Kloster verliehen hatten. Das Reichsoberhaupt erhörte am 17. Juni 1415 die Bitte in Anbetracht des ehrsamen Lebens, welches Abt und Konvent führen, und in Anbetracht des löblichen Gottesdienstes, den sie täglich abhalten; auch ertheilte er ihnen die Gnade, den Kastvogt mit Vorwissen eines jeweiligen deutschen Königs frei wählen zu dürfen; ferner nahm er das Kloster in den Schirm des Reiches, den er bei Strafe von 20 Mark seinen Vasallen anbefahl; endlich bestätigte er die Gewohnheiten und Herkommen (Offnungen, Verträge, Gerichtsbriefe etc.), die Rodel (Einkünfte, Zinsen u. s. w.), den Bann (die niedere Gerichtsbarkeit), die Handvesten (Ehehaften, Hofgerechtigkeiten, Tafernenrecht, Badstuben, Mühlen etc.)58. Diese letztgenannten Rechte liessen auch die Eidgenossen dem Konvente; weshalb selbe von diesem bis zur französischen Revolution unbehelligt ausgeübt wurden59. Allein die Vogteilehen des Klosters fielen, wie bereits gemeldet wurde, den neuen Landesherren zu60. Diesen gegenüber nahm unser Gotteshaus anfänglich eine beobachtende Stellung ein, indem es den von ihnen abgesandten (I-201) Landvogt, der für die VI Stände die landesherrliche Gewalt ausübte, freundlich empfing und ihn unentgeltlich bewirthete61. Doch einen andern Kastvogt, als den die Briefe der Stifterfamilie vorzeichneten, wollte es nicht sogleich erwählen, obwohl der Schirmbrief König Sigmund's die freie Wahl gestattete. Anderseits gaben auch die VI regierenden Orte unserem Kloster Beweise des Wohlwollens. Am 16. Juli 1419 waren deren Abgeordnete innerhalb der Mauern des Stiftes Muri zu einem Rechtstage versammelt. Bei dieser Gelegenheit schirmten sie unser Gotteshaus und Hohenrain in ihren Rechten. Die Bauern hatten nämlich den Abt von Muri wegen Brechung eines Schiedsspruches beschuldigt. Die Tagherren der VI Orte wiesen die Bauern an, am 8. November d. J. wegen des „Ursatzes“62 vor dem Abte und den Spruchleuten zu erscheinen; da werde es sich finden, ob der Ursatz gebrochen sei oder nicht63. Die Bauern sind wahrscheinlich nicht erschienen, weil die Urkunden über das Weitere schweigen. Auf einer Versammlung der Abgeordneten der VI Stände zu Zürich (1425) wurde vom Stande Zürich der Ammann von Muri, der unmittelbare Diener und Beamte des Abtes, zum obersten Richter der hohen Gerichtsbarkeit in Muri und Merenschwand vorgeschlagen und auch gewählt64.

Allein die Hoffnung, dass die österreichischen Herzoge ihre alten Rechte auf die Ämter im Aargau wieder erlangen, entschwand immer mehr dem Kloster Muri, zumal König Sigmund am 12. Mai 1418 zu Constanz die Einlösung der Pfandschaften im Elsass, Sundgau, Breisgau u. s. w. dem Herzog Friedrich erlaubte, mit Ausnahme dessen, was in die Hände der Eidgenossen und durch sie zum Reiche gekommen war65. Dies, wie auch wichtige Geschäfte, die Muri wegen der Pfarrkirche in Villmergen abzuwickeln hatte, und die Furcht, jeden Schutz und mit ihm die alten Privilegien zu verlieren, machten es wünschenswerth, einen Schirmherrn aufzusuchen. Die Klugheit aber verlangte, die Landesherren selbst, und zwar alle sechs in ihrer Gesammtheit66, nämlich Zürich, Luzern, Schwyz, (I-202) Unterwalden, Zug und Glarus, zu erwählen. Diese Orte entsprachen gerne der Bitte des Abtes und Konventes, stellten am 16. Oktober 1431 den Schirmbrief aus und versahen ihn mit den sechs Siegeln67. Darin geloben sie: das Kloster in Ansehung des Abtes Georg und der besondern Freundschaft, die sie zu Muri haben, Gott zu Lob und zur Ehre des heil. Martin zu schützen und zu schirmen, wie sie es bisher gethan, und es bei allen Freiheiten, Rechten und Privilegien, die es gewonnen hat oder künftig erlangen wird, zu belassen.

Ein solches Privilegium hatten die Landesherren dem Abte bereits hinsichtlich seiner Diener vor zwei Jahren (1429) verliehen, indem sie seinen Ammann, Kämmerling und Koch, auch wenn sie ausserhalb der Klostermauern wohnen, von der Abtragung ihrer Frevel und der Steuerentrichtung an den Landvogt ausnahmen, während die übrigen Knechte dazu verhalten wurden68.

Diese Zuvorkommenheit, die das Kloster und die neuen Landesherren einander wechselseitig erwiesen, mag bewirkt haben, dass sich der Konvent bei den Eidgenossen nie wegen des Verlustes der österreichischen Vogtsteuer beschwerte. Dagegen lesen wir, dass weltliche Herren, wie die Gessler und die von Hallwil, lange mit ihnen wegen solcher österreichischen Lehen im Streite lagen. Wilhelm Gessler, wohnhaft in Bremgarten, und seine Mutter Margaretha kämpften viele Jahre für die Erhaltung solcher Lehen. Ungeachtet für sie der Schultheiss und Rath von Bremgarten, der Abt von Muri und der Propst von Zürich Fürbitte eingelegt69 hatten, konnten die Gessler dennoch nicht zum gewünschten Ziele gelangen. Was die Gessler in Muri, Hermetschwil und Althäusern retteten, konnten sie nur mit grossen Opfern (1420 und 1421) behaupten70. Auf gleiche Weise wurde auch dem Thüring von Hallwil, Bürger in Bern und Solothurn, von den Eidgenossen auf Fürbitte seiner Freunde, und „weil er weder Rath noch Diener der Herrschaft von Österreich war“, die Gnade gewährt (1432), die Dörfer, Gerichte und Zwinge zu Boswil, Hägglingen u. s. w., und die Gilten ruhig zu geniessen, doch unbeschadet der Rechte seines Herrn, des Abtes zu Muri und (I-203) des Gotteshauses daselbst; dagegen seien die Eidgenossen nicht verpflichtet, das von 1415-1432 Bezogene zu restituiren71.

Weil der Landvogt ordnungsgemäss nur zweimal im Jahre (Frühling und Herbst) in die Ämter zu den sogenannten „Abrichtungen“ kam, und laut Erfahrung die Bedürfnisse des Klosters bei dem besten Willen nicht befriedigen konnte, so trafen unsere Mitbrüder am 24. Jänner 1432 mit Luzern und den übrigen regierenden Orten ein besonderes Uebereinkommen72, dem zufolge auf Verlangen des Konventes Rathsboten auf Kosten des Gotteshauses geschickt werden sollten73.

Der Landvogt, der jedes zweite Jahr seit 1425 von einem andern Kantone kam, hatte keinen bestimmten Sitz, sondern zog von einem Amte in das andere. Im Amte Hitzkirch nahm er sein Absteigquartier in der dortigen Commende und im Amte Muri in unserm Gotteshause. Jährlich hatte er bis 1532 den VI, dann, weil Uri hinzutrat, den VII und nach 1712, als Bern hinzugekommen, den VIII Ständen zu Baden an der Limmat Rechnung abzulegen. Geringere Geschäfte wandelte in spätem Jahrhunderten in Abwesenheit des Vogtes der Landschreiber ab, der zu Bremgarten wohnte und als Stellvertreter des Vogtes auch dessen Siegel gebrauchte.

Die Vogtei der Freiämter hatte 10 Ämter74 und jedes derselben ein Gericht. Für dieses setzte der Landvogt den Untervogt als Stabführer; die Richter aber, die dem Untervogte beigegeben wurden, wählten die Genossen des betreffenden Amtes. Den zwei Städten Mellingen und Bremgarten liessen die Eidgenossen auf Verwenden König Sigmund's, ihre Freiheiten (Schultheiss und Rath)75. Den Bürgern von Bremgarten blieb auch die niedere Gerichtsbarkeit im Kelleramte (Lunkhofen u. s. w.). Das Gotteshaus Muri behauptete die niedere Gerichtsbarkeit zuerst über das Amt Muri, später über Boswil, (I-204) dann nebst den Frauen von Hermetschwil (mit Ausnahme von Waltenswil, Göslikon und Visbach) über das ganze Krummamt, und endlich noch über die Pfarrei Beinwil. Im Hochgerichte, dem der Landvogt präsidirte, sassen die Untervögte als Richter. Diese versammelten sich in Begleitung mit je einem Geschwornen ihres Amtes in der Wohnung ihres Landvogtes, gewöhnlich in Bremgarten. Lautete das Urtheil auf Tod, so begab sich der Landvogt sammt den Blutrichtern auf den Ort der Richtstätte76. Dort sprachen unter offenem Himmel die Richter noch einmal feierlich das Urtheil, und der Scharfrichter vollzog es sogleich an dem Unglücklichen.

Den Tagherren, die als Abgeordnete der regierenden Orte zur Jahresrechnung nach Baden gesandt wurden, wie auch den Vögten und Untervögten wurden am 15. Juni 1435 die Pflichten nebst Eid und Lohn schriftlich vorgezeichnet.

Die Appellationen gingen vom Ausspruche des Untervogtes und seiner Richter an den Landvogt, von diesem an die Tagherren zu Baden oder an die regierenden Orte selbst.

Abt Georg war nach 1431 nur zweimal genöthigt, an die höhere Instanz zu appelliren. Das erste Mal (1435) wollten die in Merischwand niedergelassenen Gotteshausleute von Muri ihre Pflichten (Fall und Ehrschatz) nicht leisten77. Das andere Mal sprach (1438) der Untervogt von Wohlen, Hänsli von Werwil, dass Muri die veräusserte Hallwiler Vogtsteuer in Wohlen wieder „dahin ziehen“ dürfe78.

Wenden wir jetzt unsern Blick von der Stellung, die Abt Georg zu den politischen Behörden einnahm, weg und fassen wir die Beziehungen in's Auge, die er zu den kirchlichen Behörden hatte.

Die Gnaden, welche die frühern Muri-Äbte ihren Zins- und Zehentpflichtigen gewährten, wurden häufig zum Schaden des Klosters missbraucht. Papst Johann XXIII. beauftragte daher im April 1412 den im Kirchenrecht bewanderten Prämonstratenser Abt von Rüti, Gottfrid Schultheiss79, dem Kloster Muri die durch Concessionen entfremdeten Güter auch mit Anwendung der Kirchenstrafen wieder heimzubringen80. Der (I-205) weiteren Schreiben der Päpste zu Gunsten unseres Gotteshauses unter Abt Georg, die wir entweder schon angezogen oder später anziehen werden, geschehe hier nur Erwähnung, nämlich des Schreibens wegen der Pfarrkirche in Lunkhofen (1414)81, und der Bullen von Papst Martin V. (1425) und Eugen IV. (1433) wegen der Pfarrkirche in Villmergen82. Dem Papste Martin V. dürfte Abt Georg wohl früher persönlich in Constanz das Anliegen seines Gotteshauses wegen dieser Pfarrei vorgetragen haben, und zwar glauben wir das zunächst aus dem Grunde, weil Georg wirklich zum Concil nach Constanz gekommen war83 und dann, weil Papst Martin nur wenige Monate nach seiner Erhebung auf den Stuhl Petri unser Kloster in den päpstlichen Schutz nahm (18. Februar 1418)84. Diesen Schirm erneuerte derselbe Papst in Rom am 5. Juni 1425, indem er zugleich die unserem Gotteshause inkorporirten Pfarrkirchen von Muri, Sursee, Bünzen, Eggenwil und Lunkhofen namentlich anführt85. Papst Eugen IV. liess dem Abte Georg schon am 29. Mai 1432 eine Bulle zukommen, worin er ihm und allen seinen Nachfolgern gern besondere Gnade erweist. Sie dürfen derselben zufolge die Beicht derjenigen, welche selbe innerhalb der Klostermauern ablegen wollen, anhören und sie, mit Ausnahme der päpstlichen und bischöflichen Reservatfälle, von allen Sünden lossprechen, auch ist ihnen gestattet die hl. Eucharistie und andere Sakramente zu spenden, die Gläubigen zu segnen und deren Leiber daselbst zu beerdigen, doch unbeschadet der übrigen Rechte des Leutpriesters von Muri86. Vier Tage später (2. Juni) fügte dieser Papst obiger Huld auch einen Schirmbrief bei, der Ähnlichkeit mit dem des Papstes Martin V. hat87. Das folgende Jahr (7. März) erweist Papst Eugen IV. unserem Abte eine neue Gnade, indem er dem Prälaten Johann Zingg, Nachfolger des Gottfrid Schultheiss in Rüti, den Auftrag gab, die säumigen Zinsleute, (I-206) des Klosters Muri zu mahnen und sie kirchlich aufzufordern, vor Gericht die Wahrheit zu sagen88.

In ähnlichen freundschaftlichen Beziehungen, wie mit dem hl. Stuhle, stand Abt Georg auch zu dem Landesbischofe. Im Jahre 1412 scheint das Domkapitel und der Bischof Otto III. von Constanz in Geldnoth gewesen zu sein. Abt Georg und der Konvent in Muri waren in der glücklichen Lage, ihnen 1000 Gld. leihen zu können und erhielten dafür die einträgliche Quart in Sursee als Unterpfand. Der Handel wurde am 6. und 16. Dezember 1421, mit Vorbehalt des Rechtes der Einlösung, verbrieft, und Bischof Friedrich II., Graf von Zollern, löste diese Quart um obige Summe wirklich am 12. und 15. Juni 1436 89 durch Johannes Etschli ein; allein im Jahre 1470 kam sie schon wieder nach Muri. Bischof Otto III. erwies unserem Gotteshause am 7. September 1430 noch die besondere Gnade, dass es bei Neubesetzung der vier inkorporirten Pfarreien Bünzen, Eggenwil, Villmergen und Lunkhofen anstatt 15 nur 11 Gulden als Primizabgabe (Annaten) zahlen musste; doch soll besagtes Zugeständniss nur auf die Lebensdauer dieses Bischofes Geltung haben90. Die Urkunde wurde im Kloster Allerheiligen in Schaffhausen ausgestellt, indem unser Abt dem Bischofe für die erhaltenen Gnaden zugleich einen Revers in die Hände legte91.

Über die Hilfe, welche dieser Bischof dem Abte Georg bei Einführung der Constanzer-Concilsreformen sowohl in Muri als auch 1428 im Frauenkloster Hermetschwil leistete, werden wir später sprechen. Nur erwähnen wir noch, dass derselbe Oberhirt unserem Kloster streitige Güter, welche ein Konventual aus Mainau nach Muri brachte, im Jahre 1429 durch seine kräftige Mithilfe zuführte92, und im Handel wegen der Inkorporation der Pfarrkirche von Villmergen zuvorkommend Hilfe leistete. Seine Nachfolger, Friedrich II. (1434-1436) und Heinrich IV. (1436-1462) erwiesen unserm Abte Georg ähnliche Gnaden. Die 1430 verminderte Annaten-Taxe blieb so (I-207) auch unter diesen Bischöfen bestehen; nur musste der Abt jedesmal die Bitte erneuern und für die erlangte Gnade einen Revers ausstellen93. Zudem fügte Bischof Friedrich II. den Schirmbriefen Bischof Otto's III. und anderer Vorgänger auch den seinigen bei94.

Werfen wir noch einen Blick auf die Ökonomie des Abtes Georg und auf seine Werke der Liebe.

Zweites Kapital. Ökonomie und Nächstenliebe des Abtes Georg.

Brand und Krieg hatten unter den Äbten Heinrich III. und Konrad II. die Muri-Ökonomie stark geschädigt. Abt Georg wusste aber neue Quellen für das Einkommen des Klosters zu öffnen; er regelte zugleich die Verwaltung und brachte die alten, unterdrückten Rechte wieder zur Geltung. Letzteres erzielte der kluge Abt durch die in Schrift gesetzten „Offnungen“ oder „Ding-, Hof- und Dorfrechte“. Diese Rechte und Pflichten der Zinsleute verpflanzten sich früher gewöhnlich nur von Mund zu Mund, jetzt wurden sie den versammelten Hof- und Dorfleuten vorgelesen, „geoffnet“. „Und gerade die Dorf- und Städterechte“, sagt Jakob Grimm95, „eröffnen plötzlich einen Blick in das uralte Recht; sie reichen in die Zeit der Volksrechte, ja dahinter zurück, und es darf also aus ihnen eine ganz neue Vorstellung wesentlicher Zustände der Vorzeit abgeleitet werden“.

Muri besass seit den ältesten Zeiten die Dinghöfe zu Muri, Thalwil, Gangolfswil, Wohlen, Gersau, Lieli, Dottinkon und Böllinkon (Bellingen). Die vier letztgenannten Höfe waren am Ende des vierzehnten Jahrhunderts nicht mehr im Besitze unseres Klosters. Abt Georg und Konvent übten nur über die vier erstgenannten die Grundherrlichkeit als Twingherr aus, welche die neuen Landesherren, die Eidgenossen, auch anerkannten. Die drei Höfe zu Muri, Thalwil und Gangolfswil96 hatten zunächst ihre gemeinsamen, dann (I-208) ihre besondern Rechte. Die gemeinsamen Rechte wurden im Jahre 141397, also noch unter österreichischer Herrschaft, abgefasst und haben nachstehenden Wortlaut: „Um des Gotteshauses Eigen und Erb soll Niemand richten denn ein Konvent anstatt des Gotteshauses. Wer Eigen oder Erb von dem Gotteshause hat und dahin zwinghörig ist, der soll in den Gedingen (Rechtstagen) sein, am Mai, Herbst und St. Hilarientag (13. Jänner). Dieselben Gedinge müssen sieben Tage vorher verkündet werden, und wer dahin nicht kommt, soll drei Schilling bessern (Busse zahlen), er bringe denn vor, dass ihn rechtliche Ursache gehindert habe. Wer von dem Gotteshause Erb und Lehen hat, sieben Schuh lang und breit, der ist in den Hof zwinghörig. Man soll auch die Gedinge sieben Tage vorher in der Kirche oder auf dem Wege verkünden. Der beweisen mag, dass es ihm nicht zu Wissen worden sei und er es nicht vernommen habe, der ist von der Busse frei. Wer die Pflicht zu erscheinen hat wegen Erb oder um Eigen, dem soll man vorgebieten zu Hause, zu Hof oder unter den Augen; wäre aber, dass er es also abschlüge, so bringe der Bote des Gotteshauses ein Wortzeichen aus desselben Haus zur Stelle. Von den Bussen, die in den Gedingen entrichtet werden, gehören zwei Theile dem Gotteshause und der dritte Theil dem Vogte, und soll der Vogt des Gotteshauses die Bussen einziehen; widerstünde aber Jemand dem Gotteshause, so leiste diesem der Vogt Hilfe98. Das Eigen des Gotteshauses und das Erb des Mannes mag Niemand (anderswo) gewinnen noch verlieren als zu Muri in den Gedingen und (dies) mag auch Niemand versetzen oder verkaufen auf irgend eine Weise ohne des Abtes oder seiner Amtleute (Willen). Würde dieses aber Einer übersehen innerhalb Jahr und Tag, so ziehe das Gotteshaus das Gut in seine Gewalt, bis der kommt, dem das Gut gehört. Zahlt er den gewöhnlichen Ehrschatz, so leihe man ihm wieder das Gut. Die Gedinghöfe zu Thalwil, Gangolfswil und Böllinkon haben alle die Rechte, welche der Hof zu Muri hat, weil sie von demselben abhängig sind.

Die Urtheile, welche in die vier Gedinghöfe gehören, soll man in dem Hofe zu Muri fällen, nach Mehrheit der Hände99; aber die Urtheile, welche in dieselben Gedinghöfe wegen Geldschuld gehören, die gehen vor den Abt; ferner die (I-209) Urtheile, die in das Wochengericht zu Muri gehören, die gehen an das Gericht zu Muri und werden nach der Mehrheit der Hände derer gefällt, die dahin gedinghörig sind. Die Urtheile, die in das Gericht zu Muri wegen Eigen und Erb gehören, die zieht man zu Muri aus einem Geding in das andere, und von dem andern bis in das dritte, wenn es nöthig ist. Die Urtheile, welche in den Gedinghof gehören, darf Niemand dahin ziehen oder deren gewärtig sein, als ein Genoss oder Übergenoss (Beisäss, Niedergelassener). – Wer Zeugschaften oder Versicherungen geben muss wegen Eigen oder Erb, der thue es innerhalb acht Tagen vor dem Ammann des Gotteshauses. – Die Zinsen, welche das Gotteshaus hat, fordern die Boten des Gotteshauses dann, wenn sie fallen; wäre aber, dass sie selbe nicht empfingen, bis zwei Zinsen den dritten berührten, so ziehe das Gotteshaus das Gut zu Handen, bis ihm das Fehlende bezahlt wird. Kommt dann ein Weib oder ein Mann, denen das Gut gehörte, und fordern es, so leihe man es ihnen wieder. Zu den Gütern, welche friedschätzig sind, hat das Gotteshaus folgendes Recht: Stirbt Mann oder Weib ohne eheliche Leibeserben, so fällt das Gut dem Gotteshause ledig; wer den friedschätzigen Zins nicht am bestimmten Tag entrichtet, der büsse das den morgigen Tag mit drei Pfund Pfenningen. – Die Güter, welche Eigen des Gotteshauses sind und Erbe oder Lehen des Mannes, welche sechs Pfund gelten oder mehr, die sind dem Gotteshause fällig, und man gibt vom Erbe das Haupt, welches die Erde baut, und zwar von dem Lehen das zweitbeste; hat er aber Erb und Lehen, so gibt er das beste (Haupt) und hat den Fall gegeben. – Wäre aber, dass Jemand Güter des Gotteshauses hätte, die er selbst nicht baut, so nimmt das Gotteshaus den Fall vom Lehensmann; diesen löst dann sein Lehensherr. Den Fall soll man geben innerhalb der Pfarrei (Muri) von dem Grabe in den Hof (am Begräbnisstag), ausserhalb der Pfarrei innerhalb sieben Nächten. Welcher ausserhalb des Landes (ist), der soll den Fall geben innerhalb acht Tagen, wenn er in das Land kommt; wer das nicht thut, dem ziehe das Gotteshaus die Güter in seine Gewalt, bis der Fall ausgerichtet wird. Stirbt ein Eigenmann des Gotteshauses, der weder Erb noch Lehen vom Gotteshause hat, so gebe man von ihm zum Falle das beste Gewand, womit er zur Kirche und zu Markte gegangen ist. Wird einem Abte ein Fall vorgetrieben, den soll er nehmen; findet es sich aber, man habe nicht recht den Fall gegeben, so ist der erste Fall hin und verloren, und nachher werde der rechte Fall gegeben und gewährt, wie recht ist. – Stirbt Mann oder Weib, die des Gotteshauses Eigen, nicht verheirathet sind und keine Leibeserben haben, die erbt das Gotteshaus. – Wer sein Erbe (I-210) verkaufen will, das er vom Gotteshause hat, der soll es zuerst seinen nächsten Erben anbieten, ob sie es vielleicht kaufen wollen; kaufen es die ebenfalls nicht, so mag man es verkaufen und geben, wem man will. – Den Eigenmann des Gotteshauses soll Niemand strafen oder züchtigen wegen Verletzung des Hofrechtes („Ungenossami“), als das Gotteshaus; wollte aber Jemand dem Gotteshause widerstehen, so sei ihm ein Vogt behilflich. – Die Leute des Gotteshauses zu „Türmelen“ in dem Wey und zu Jtenthal haben durch Recht keinen Vogt; denn es hat ein Abt das Recht zu denselben Höfen, dass er (dort) im Mai und im Herbste mit seinen Dienern und mit seinem „Gejagte“ (Jagdgenossen nebst Pferden und Hunden) ein wohl bereitetes Mahl haben soll, wenn er will; man künde es aber den Meiern drei Tage vorher an. Wäre dann, dass sie das Mahl nicht bereitet hätten, so mag der Herr (Abt) zu einem beliebigen Wirth gehen, und der Meier, welcher das Mahl hätte bereiten sollen, vergüte und bezahle Alles. Das Gotteshaus besehe seine Huben dreimal im Jahre mit den Hubern; bestehen sie wohl, so lasse man sie bestehen; stehen sie übel, so besetze man sie anders. – Kommen fremde Weiber und Männer hieher und bleiben da Jahr und Tag sesshaft, die sollen dann dem Gotteshaus dienen, wie sie ihren Genossen dienen. – Die Masse und Gewichte, welche in der Pfarrgemeinde sind, soll ein Abt besehen und besetzen. Ein Abt besorge auch, dass man in der Kirchgemeinde den Kauf habe von Woche zu Woche an Fleisch und Brod und Wein und andern feilen Kauf, wie man denselben auch zu Bremgarten hat.

Die obgenannten Stücke und Artikel wurden von Wort zu Wort also geoffnet im Maiengeding im Wey100 vor gemeinen Genossen in Mitte Mai 1413, da bei jeglichem Stücke besonders nach Umfrage eidlich von den Genossen gesprochen worden: dass dies also hergekommen wäre, und sie von ihren Vordem und Eltern anders nie gehört, noch vernommen“101.

Diese Offnung spricht klar genug dem Abte und Konvente von Muri die niedere Gerichtsbarkeit zu; denn der Abt wacht über Mass und Gewicht, er nimmt zwei Theile der Bussen, an ihn (I-211) gehen die Streitigkeiten wegen Geldschulden u. s. w. Wie die Herzoge von Osterreich, so gönnten obige Rechte unserm Kloster auch die Eidgenossen. Daher wandte sich Abt Georg, als im Jahre 1424 die Uezwiler Hofleute und die Hunnen von Sarmenstorf nicht bei den Mai- und Herbstgerichten erscheinen wollten, mit einer Klage an selbe. Diese überwiesen die Angelegenheit dem Luzerner Vogte in Hitzkirch Peter Goldschmied102.

Der Muri-Frohnhof in Wohlen hatte gleichfalls seine Offnung, die 1406 niedergeschrieben wurde103. Ihr Inhalt hat Ähnlichkeit mit der Offnung des Muri-Gedinghofes. Die Grund und besondern Rechte haben wir bereits aus dem Anonymus beim Ankauf dieses Hofes kennen gelernt104. Deshalb gehen wir sofort zu den besonderen Rechten der Gedinge in Gangolfswil105 und Thalwil über.

Zu dem Gedinghof Gangolfswil gehörten die Höfe Zwyern, Waltrat, Berchtwil, Dersbach und Holzhäusern, welche in den Pfarreien Cham und Risch lagen. Neben den genannten Höfen hatten auch die Edlen von Hünenberg ihre Höfe, Rechte und Nutzungen, welche auf die Gerichtstage zugleich einen Richter schickten. Die Ausscheidung der Rechte für beide Grundherren ist bislang wegen Mangel an Quellen nicht möglich106. Nur wissen wir, dass die Edlen ihre „gebannen“ (offene) Gerichte gewöhnlich am Montag nach St. Martin abhielten107. Die Vogtei, ein österreichisches Lehen, war bei den Hünenbergern; denn die Frevel wurden zu Hünenberg abgethan. Sie kam im Jahre 1415 nach Zug108. Von den Bussen nahm laut Offnung das Kloster Muri zwei Drittheile und der Vogt ein Drittheil. Vom Gedinghofe bezogen die Habsburger Grafen eine Steuer. Im österreichischen Urbar vom Jahre 1305-1309 heisst es nämlich: „Zu Gangolfswil und zu Zwyern liegt ein Hof, der des Gotteshauses von Muri eigen ist, er gilt der Herrschaft Österreich 5 Pfund Pfennige“109. Durch Vergabungen und Ankäufe erhielt dieser Stammhof einen bedeutenden Zuwachs110.

(I-212) Von grosser Wichtigkeit waren für Muri die dortigen Fischrechte. Die nahe gelegene Herrschaft Buonas theilte sich mit unserm Gotteshause in diese Rechte im Zugersee111. Auch die Zinsrechte auf den Äckern und Wiesen griffen beiderseits stark ineinander. Doch Muri stand mit diesen Grundherren, den Hertensteinern, im friedlichen Verhältnisse. Erst im Jahre 1472 begegnen wir einem Streite, den Muri mit ihnen wegen Fischrechte auszufechten hatte112. Hartmann von Hünenberg verkaufte seine Rechte in Gangolfswil im Jahre 1408 an Hans Maier von Knonau, Altbürgermeister in Zürich. Doch schon 1410 überliess dieser Hans das Erworbene einem Andern113. Statt dieser Güter kaufte unser Konvent wenige Jahre darnach (1413 am 28. Jänner) einen bedeutenden Gütercomplex im nahe gelegenen Hünenberg für 531 Gulden von Petermann von Moos, Bürger von Luzern114. Unter den genannten Gütern erscheinen drei Juchart Reben, worauf die Hertensteiner eine Gilt (1422 26. Jänner) von zwei Saum hatten115. Doch nach 60 Jahren veräusserte Muri diesen Complex und kaufte dafür einträglichere und näher gelegene Rechte in Wohlen.

Wie in Gangolfswil mehrten sich auch unter Abt Georg die Güter in Thalwil am Zürchersee. Zunächst erwarb der Konvent daselbst (1413) einen Weinberg116, dann löste er 5 ½ Mütt Kernen, die wegen der Vogtei von dortigen Gütern an den Rath von Zürich gingen, um 110 Gulden ab. Der Rath versprach zugleich (G. November 1430), das Einkommen Muri's in Thalwil für immer zu schirmen117. In demselben Jahre bekam unser Kloster um 30 Gulden einen Mütt Kornzins vom Spital in Zürich118. Wichtiger ist das Übereinkommen, das Muri gleichzeitig (23. April) wegen des Waldes Bannegg und der 11/2 Juchart Reblehen mit den Bewohnern seiner 12 Höfe in Thalwil traf: Die Holznutzung wird den Hofleuten um 500 Pfd. Pfennige und einen jährlichen Zins eines Schillings vom Gotteshaus überlassen, jedoch mit Vorbehalt der Grundherrlichkeit119. Die Stellung der St. Martinsleute von Thalwil zu Muri erlitt dadurch eine Veränderung. Daher mussten die Rechtsverhältnisse (I-213) zur Abwendung künftiger Streithändel genau bestimmt werden. Die neue Offnung, welche die 12 Höfe erhielten, sagt: Der Holzbau geschehe in Gegenwart und nach Anweisung eines Abgeordneten von Muri; die Zwiste wegen ungebührlichen Hauens entscheiden als Richter Bürgermeister und Rath in Zürich. Ohne des Abtes Erlaubniss werde der Wald weder eingefriedet, noch getheilt, noch daraus Holz verkauft; aber auch der Abt darf künftig aus dem Bannegg kein Holz verkaufen. Das nöthige Holz für seine Trotten120 darf er jedoch nehmen und sogar dessen Abfall ansprechen. Dem Leutpriester müssen die zwölf Hofstätten jährlich aus diesem Walde zwei der besten Buchen geben, wofür derselbe nach der Gewohnheit jeden Sonntag bei der hl. Messe und auf der Kanzel der Äbte und Herren in Muri gedenken soll. Will einer seine Hofstatt oder seinen Theil des Holzes in Bannegg verkaufen, so hat das Kloster Muri das Zugrecht. Die Veräusserung geschehe aber immerhin mit des Abtes und Gotteshauses Willen, dem sodann der Ehrschatz zu entrichten ist. Das Gotteshaus darf in Thalwil seinen Amtmann nach Belieben wählen und entsetzen, ohne an die Inhaber der 12 Hofstätten und der l ½ Hofstatt Reblehen gebunden zu sein. Der Amtmann schwört dem Abte und dem Gotteshause Treue und empfängt den Lohn, was bisher vom Gerichte und laut Einigung ihm zugefallen; ist er aber kein Inhaber obiger Hofstätten, so hat er keinen Hau in der Bannegg. – Wer obige Rechte nicht einhält, zahlt nach Mahnung zur Strafe eine Mark Silber; wenn alle genannten Hofstätten die Rechte überschreiten, so entrichte jede derselben dem Gotteshause Muri zur Strafe eine Mark. Am Schlusse der Rechtsbestimmung quittirte Muri die 12 Hofstätten für die gezahlten 500 Pfund Pfennige. Dem zweiten Artikel besagter Urkunde wurde 1566 folgende Erläuterung beigefügt: „Wer Holz im Banneggwald hauen will, der zeige es zuvor an; das Hauen geschehe aber im Beisein der dazu Verordneten“121.

Sehen wir noch, welche Güter und Rechte Muri unter Abt Georg ausser den Kreisen genannter Dinghöfe erwarb.

Dieser Abt verglich sich bald nach seiner Wahl mit den Edlen von Lütishofen wegen Zehenten in Sursee und kaufte solche im Dorfe Wey nahe beim Kloster122. Die Bühlmühle kam „friedschätzig“ im Jahre 1412 nach Muri123. Dagegen veräusserte (I-214) das Gotteshaus einen Theil seiner Fischrechte in der Reuss an das Kloster Frauenthal124. Im Grüt bei Muri kam der Küchibrandhof an unseren Konvent (1415), den Imer von Seengen besass125. Die Eigenschaft des Hofes in Unterniesenberg wurde Muri im Jahre 1426 zuerkannt126. Von Heinrich Holzapfel von Heidolsheim erstand der Konvent im gleichen Jahre den vierten Theil des Kellerhofes in Boswil und zahlte mit Johannes Merklin von Bremgarten, der Mitkäufer war, 750 Gulden. Jedoch der Antheil Merklins kam noch dasselbe Jahr nach Muri127. Im Jahre 1362 hatte diesen vierten Theil Walther von Hallwil dem Konrad Schultheiss von Lenzburg um 430 Gulden überlassen128. Die Güter in Aristau, welche die Frauen von Hermetschwil ehemals von Walther von Heidegg gekauft hatten129, kamen 1429 um 50 Gulden nach Muri. Dieses Jahr stürzte Abt Georg einen Gütertausch mit Hermetschwil aus dem Grunde um, weil sein Vorgänger, Abt Konrad II., denselben ohne Einwilligung des Konventes abgeschlossen130. Gleichzeitig erstand Muri ein Höflein in Wiggwil131, und nach vier Jahren mit der Regierung von Zürich von Hans und Berchtold Schwenden die Vogtsteuer in Lieli (Pfarrei Oberwil)132. Der Konventuale Herr Hans Flach brachte 1430 mit Herrn Ulrich Junkher einen Mütt Kerngeld an unser Kloster133. Beträchtlicher war die Erwerbung der Vogtsteuer und des vierten Theiles von Twing und Bann nebst andern Rechten, die an den Frohnhof in Wohlen kamen, und wofür unser Konvent 1437 an Ritter Rudolf von Hallwil und seine zwei Söhne, Rudolf und Burkart, 440 Gulden zahlte134; dagegen veräusserte Muri drei unwichtige Vogtsteuern an das Kloster Gnadenthal (5. Aug.) 12, an Rudi von Hensch135 und an die (I-215) Kirche und das Spital in Bremgarten136. Gleiches Jahr verkauften die Eidgenossen ihre Vogtsteuer in Boswil um 16 Gl. an unser Gotteshaus137.

Unter Abt Georg begegnen wir das erste Mal einem besondern Einkommen, das die Kusterei im Kloster Muri besass, und das der Custos im Auftrage des Abtes verwaltete und für die Zwecke seines Amtes benützte. Männer von Waltenschwil und Boswil beschwören nämlich, dass mehrere Äcker vom erstgenannten Orte an die Kusterei in Muri zinspflichtig seien138. Ebenso war 1427 ein Gut, das sonst zur Pflegschaft des Spitals in Mellingen gehörte, mit fünf Schillingen zinspflichtig an die Kusterei in Muri139.

Krieg und der Wechsel der Landesherren hatten verschiedene Rechte unseres Klosters in Frage gestellt. Abt Georg war für die Sicherstellung derselben öfters genöthigt, die Gerichtshöfe zu benützen. Eine Beschwerde, welche (1423) die Schiffsleute wegen erlittenen Schadens bei Jonen in der Reuss in Folge „Überschlacht“140 erhoben, kam bis zum obersten Gerichtsstuhl der Eidgenossen, und wurde erst nach vier Jahren erlediget141. Wegen der streitigen Frage, ob alle Güter im Twinge Waltenschwil, welche sechs Pfennige gelten, dem Gotteshaus Muri fällig seien, wurde in dem Gerichte zu Boswil (1424) eine Kundschaft aufgenommen142. Ein wichtigerer Streit wegen des Falles, als dieser, entstand mit den in Merenschwand ansässigen St. Martins-Eigenleuten143. Die Tagherren der Eidgenossen sprachen als oberste Behörde: „Welche die Eigenschaft (Herrschaftsrechte) und Ansprache des Abtes von Muri anerkennen, sind gebunden, den Fall zu geben und in andern Sachen wie St. Martins-Leute zu thun; welche aber die Eigenschaft und Ansprache des Abtes nicht anerkennen, die mag der Abt zu „besetzen“ (zu überweisen) trachten. Vermag er das, so sollen sie des Abtes Eigenschaft anerkennen und (I-216) wie andere St. Martinsleute den Fall geben. Vermag er sie nicht zu besetzen, so sind diese der Eigenschaft und Ansprache des Abtes ledig. Die „Besatzung“ (Überweisung) geschehe zu Baden vor Marquard Zelger, Vogt in Baden, Heinrich Mülischwand, Vogt zu Maienberg „und daselbst umb“144, und Ulrich Klingelfuss, Schultheiss zu Baden“. – Kaum 10 Tage (28. Dezember 1438)145 vor dem Tode des Abtes Georg entschieden drei Richter zu Gunsten des Klosters146 einen Streit wegen Weidgang im Weiler Rüti, den Jungherr Kunzmann ansprach.

Die Verleihung der Güter und Höfe ist unter Abt Georg nicht so zahlreich, wie unter seinem Vorgänger; die Gemüther scheinen ruhiger und zufriedener geworden zu sein. Im Jahre 1420 leiht der Abt eine Wiese aus dem Widmungsgut der St. Mauritienkapelle in Berikon einem Gerber in Bremgarten147; sechs Jahre später erhalten Imer von Seengen, Zwingherr in Zuffikon, sein Vetter Heinrich von Seengen und der Pfarrer in Zuffikon, Götz Vassnacht, den Muri Zehenten von Bremgarten bis Bibellos148 zum Lehen; endlich begegnen wir noch einer Leihung von Gütern in Aristau (1428) an einen Rudolf Stierli. Dieser zahlte dem Kloster 70 Gulden, damit es mit dem Zinse nicht höher steige149.

Gleiche Sorgfalt, wie für Muri, verwendete Abt Georg auch für die Ökonomie der Frauen in Hermetschwil. Käufe und Verkäufe von Gütern geschehen mit seiner Zustimmung, und neben dem Konventsiegel der Nonnen hängt auch das unseres Abtes150. Auch den Urkunden für Privatpersonen lieh Abt Georg sein Siegel151.

Das Herz dieses kräftigen Abtes schlug warm für alle Menschen, wessen Standes und Geschlechtes sie immer sein mochten. Die Klosterdienstboten, die innerhalb der Mauern(I-217) des Gotteshauses wohnten, betrachtete er als seine Kinder und sorgte für ihr geistiges und leibliches Wohl; denn aus diesem Grunde hatte er für sie beim päpstl. Stuhle und bei den Eidgenossen, wie bereits gemeldet wurde, um besondere Gnaden nachgesucht. Er war nicht bloss den Gesslern einen Liebesdienst zu erweisen bestrebt, indem er für sie bei den Eidgenossen Fürbitte einlegte, sondern er schrieb sogar eigenhändig als „Abt von Gottes Gnaden zu Mure an die wisen, und fürsichtigen Schultheissen und Rät der Statt Lutzern“ für eine einfache Weibsperson, Hermannin, einen Brief, und ersuchte die Räthe, sie möchten sich derselben, die aus „wohlbekannten Gründen“ dort im Gefängnisse liege, erbarmen und zwar „um Gottes und U. L. Frau und aller Frauen Ehre willen“152

Abends um die fünfte Stunde, am 4. März 1435, stürzte die niedere Gasse der Stadt Zug in den See, der in wenigen Sekunden 26 Häuser nebst Thürmen und Stadtmauern und 45 Menschen verschlang. Unter den vielen Wohlthätern, welche der unglücklichen Stadt zu Hilfe eilten, ist der Name unseres Abtes Georg einer der ersten, – er sandte 4 Mütt Kernen, während die Stadt Bremgarten 8 Pfund Haller spendete153.

Hiemit schliessen wir das Leben dieses „erhabenen“ Mannes154, der den besten Äbten Muri's beigezählt werden darf. Nebst der Klugheit zierte ihn noch ein hoher Grad wissenschaftlicher Bildung, wie selbe in seinen gedankenreichen und zierlich geschriebenen Briefen zu Tage tritt. Seine Vorliebe zur Jagd mag mehr der Zeit als seiner Person zur Last fallen155. Gott rief ihn zum Empfang der ewigen Krone am 10. Jänner 1439 von der irdischen Laufbahn ab156. P. Anselm Weissenbach spendet ihm ein besonderes Wort des Lobes: „Würdiger des Himmels als der Welt verliess er die nichtigen Sorgen dieses Lebens, die er jedoch stets geheiligt hatte, und entschwand glücklich zum ewigen Leben, zur verdienten Ruhe“157.

Drittes Kapitel. Ulrich II. Maier, XXVIII. Abt (1439-1465).

(I-218) Die neuem Chronisten Muri's geben diesem Abte Ulrich fälschlich den Geschlechtsnamen „Holzach“158 und setzen den Anfang seiner Regierung auf das Jahr 1440. Wir haben jedoch eine Urkunde vom 1. Juli 1439 in Händen, welche ausdrücklich sagt159, dass Ulrich damals schon als Abt regierte und den Geschlechtsnamen „Maier“ trug. Dies entspricht auch der Entdeckung, die P. Augustin Stöcklin in einem Urbar aus damaliger Zeit machte, dass ein Muri-Konventual Ulrich „Maier“ hiess160.

Diese Unsicherheit hat ihren Grund in dem Verluste der Wahlakten dieses Abtes; daher kennen wir auch nicht genau die Kapitularen, aus deren Mitte Ulrich II. Maier als Abt hervorging161. Der Gewählte möchte aus Zürich stammen, wofür zwei Gründe sprechen: erstens nehmen sich die Züricher Herren seiner kräftig an (1. Juli 1439) beim Bischof von Constanz, und erlangen in Folge dessen, dass die Taxe von 40 Gulden, die er als neugewählter Abt von Muri für die Primizfrüchte (primi fructus) an die bischöfliche Tafel hätte zahlen müssen, herabgesetzt wurde162; ferners finden wir es nur so begreiflich, dass er gleich im ersten Jahre seiner Regierung den König Albrecht II. aus dem Hause Habsburg-Österreich um einen Schirmbrief anging, und das Bittgesuch bis in's Lager vor Pressburg in Ungarn hinabgehen liess, wenn der Abt aus einem edlen Züricher-Geschlechte entsprossen war163. Das mag aber auch ein Hauptgrund (I-219) gewesen sein, warum das Kloster Muri in dem sogenannten Züricher Krieg, der anfänglich zwischen Schwyz-Glarus und den Zürichern und von 1442-1450 zwischen Zürich-Österreich und den vereinigten Eidgenossen ausgefochten wurde, in seinen Besitzungen grossen Schaden litt. Abt Ulrich scheint von 1442-1450 das Gotteshaus verlassen zu haben; denn während dieser Jahre sind die Muri-Urkunden sehr sparsam, und der Abt tritt nie handelnd auf. Auch in den Hermetschwiler Urkunden, die in diese Zeit fallen und welche seinen Namen als Pfleger der Nonnen tragen sollten, ist er nicht genannt164. Die Abwesenheit wird den Abt bewogen haben, nach den Satzungen der Bursfelder Congregation dem Konvente einen Prior vorzusetzen165. Der erste Prior, dem wir nach zwei Jahrhunderten in Muri wieder begegnen, war Hartmann Businger. In Muri wird er die Ordnung in diesen traurigen Jahren nach Möglichkeit eingehalten haben; schlimmer sah es jedoch mit der Zucht in den drei Frauenklöstern Hermetschwil, Gnadenthal und Frauenthal aus; denn die Eidgenossen, im Kriegsgetümmel wild und derb, wiesen 1446 die Nonnen ernstlich zur Ordnung, indem sie ihnen befahlen, in ihren Klöstern zu bleiben und keine Pfaffen zu ihnen hineinkommen zu lassen166.

Am Fusse des stolzen Rigi, nicht ferne von Küssnach, besass Muri den Hof Römerschwil, mit dem die niedere Gerichtsbarkeit verbunden war. Abt Georg erkannte in seinem Scharfblicke, dass Muri zumeist die Gunst der Schwyzer sich erwerben musste und beschloss im Einverständnisse mit dem Konvente, die niedere Gerichtsbarkeit oben genannten Hofes denselben zu schenken. Doch der Tod des Abtes hinderte die Vollziehung. Erst unter Abt Ulrich wurde die Schenkung am 6. Juni 1440 ausgefertigt und verbrieft und darin bemerkt: dieses Gericht, zum hohen Gericht Küssnach gehörend, haben Abt und Kapitel dem Landammann und Rath von Schwyz, „ihren Freunden“, darum hingegeben, weil sie dem Gotteshause viel Liebe und Freundschaft erwiesen hatten „und fürbas hin wol thun mögen“167. Allein die weitere Erzählung wird zeigen, (I-220) dass weder diese Gabe an Schwyz, noch die zwei Schutzbriefe von König Albrecht für Muri vom 1. Mai und für Hermetschwil vom 10. Mai 1439, merklichen Nutzen brachten168. Das Jahr 1442 hatte die freundliche Gesinnung zwischen Muri und Schwyz stark geschwächt. Die Städte Zürich und Bapperswil schlossen am 17. Juni d. J. zu Aachen mit König Friedrich einen Bund. Den übrigen eidgenössischen Ständen, mit Ausnahme von Uri, bestätigte Friedrich, aber nur unter Vorbehalt der österreichischen Rechte, den Besitz des von ihnen eroberten Aargau's. Muri, das sich gleichfalls um einen Schirmbrief an den jungen Herrscher wandte, erhielt dagegen eine gnädige Erhörung am 25. Juli d. J. zu Frankfurt a. M.169 Der Inhalt dieses Briefes entspricht dem des Königs Albrecht II.; nur ist die Pfarrkirche in Villmergen nicht, wie im erstem, insbesonders genannt. Aus diesem Grunde, wie auch deshalb, weil die nicht ferne von Muri gelegenen Städte Bremgarten, Mellingen, Baden nebst mehrern Herren im Aargau und am Rheine mit Österreich-Zürich hielten, möchten die Schwyzer mit den übrigen Eidgenossen verbunden, den Kriegsschauplatz in den Jahren 1443-1445 vorzüglich in die Nähe unseres Klosters verlegt haben. Im Jahre 1443 beschossen die Berner und Solothurner das Städtchen Mellingen, und zogen nach dessen Einnahme vor Bremgarten, indem sie ringsherum die Dörfer verheerten. Mehrere Höfe unseres Gotteshauses gingen damals in Flammen auf170. Am meisten schädigten aber die Eidgenossen unsern Konvent in den Besitzungen. zu Thalwil durch Raub und Brand171.

Die vereinigten Eidgenossen gingen siegreich aus dem Kampfe hervor. König Friedrich verlor jede Hoffnung, den schönen Aargau, das Stammland seiner Ahnen, wieder zu gewinnen, um so mehr, als in den Kriegen von 1460-1464 der Thurgau nebst Rapperswil dem Hause Österreich entrissen wurde; die Gessler mussten ihre Ansprüche auf die Zehenten und Rechte in Alikon, Maienberg, Muri und Hermetschwil, welche sie 1440 bei den Eidgenossen wieder geltend machen wollten, für immer aufgeben172.

(I-221) Bei dieser Lage der Dinge fühlten sich mehrere Städte und Herren im südwestlichen Deutschland bewogen, die thatkräftigen Eidgenossen um ihr Schirm- oder Burgrecht anzugehen173. Diesen Beispielen folgten dann auch Abt Ulrich von Muri und sein Konvent und schlossen im Jahre 1454 mit Luzern ein Burgrecht, indem sie jährlich ein Schirmgeld zahlten174. Muri hatte von 1450 bis 1528 von den Kriegsstürmen nichts mehr zu leiden; den Eidgenossen diente es aber als Kornkammer. Diese leisteten jedoch für die bezogenen Lebensmittel die gebührende Zahlung, wenn ihnen selbe der Konvent nicht etwa grossmüthig erliess175. Wie die politischen boten auch die kirchlichen Zustände in den ersten Regierungsjahren des Abtes Ulrich ein trauriges Bild. Das Ansehen des kirchlichen Oberhauptes erlitt einen grossen Eintrag, indem das schismatische Basler Concil (1439) in der Person des Herzogs Amadeus von Savoyen einen Gegenpapst (Felix V.) aufstellte. Die Folge war, dass um päpstliche Schutzbriefe künftig selten nachgesucht wurde, und die Zahlung der Schutzgelder nach Rom von selbst aufhörte. Muri scheint diese nach 1400 nicht mehr gezahlt zu haben.

Welche Stellung unser Konvent nach 1439 zum Basler Concil eingenommen hat, ist nirgends klar ausgesprochen. Jedoch kennen wir die treue Anhänglichkeit des Abtes Georg an den echten Papst Eugen IV.176; auch lesen wir, dass von dem Konvente ein gewisser Walther Pauli gerade wegen seiner Anhänglichkeit an Felix V. der Pfarrei Villmergen beraubt wurde; endlich hören wir, dass Abt Ulrich und sein Kapitel den neuen Bestrebungen dieses Walthers, die besagte Pfründe mittelst einer Bulle des Gegenpapstes (vom 19. Juli 1449) wieder zu gewinnen, sich mit aller Kraft widersetzten und in Rom (1452), wohin sie die Angelegenheit brachten, siegreich aus dem Kampfe hervorgingen177. Das berechtigt uns zum Schlusse, Muri sei dem schismatischen Concil ferne geblieben. In der Folgezeit wandten sich Abt und Kapitel an Papst Calixt III. (1457) mit der Bitte, ihnen einen Schutz- und Schirmbrief zukommen zu lassen. Sie erhielten ihn in der gewöhnlichen (I-222) Form. Darin sind auch die Schirmbriefe der Päpste Gregor XI., Johann XXIII., Martin V. und Eugen IV. erwähnt178.

Wie durch die frühem Kriege wurde auch durch den Züricher Krieg eine Unzufriedenheit des Volkes mit den bestehenden Verhältnissen hervorgerufen, zumal die Lebensmittel sich vertheuert und der Geldwerth sich vermindert hatte. Die Lehensinhaber wechseln daher wieder rasch auf den Höfen179; auch die Geistlichkeit auf den Muri-Collaturen ist sehr unbeständig und eilt von einer Pfründe zur andern180. Der Hauptgrund hievon ist meistens das zu geringe Einkommen, so in Sursee, Muri, Lunkhofen und Hermetschwil181. Abt Ulrich und seine Nachfolger mussten daher oft mit dem Bischofe von Constanz in dergleichen Angelegenheiten verhandeln. Dieser zeigte sich aber gegen unser Gotteshaus immer sehr zuvorkommend und gerecht, wie die Abhandlung über die Collaturen dies vor Augen führen wird. Vorläufig genüge als Beweis hiefür, dass Bischof Burkard II. am 4. Juli 1463 unserem Stifte einen Schirmbrief zustellte182.

Betrachten wir noch das Walten des Abtes Ulrich in engern Kreisen, seine Sorge für den Haushalt und die religiöse Pflege.

Den Stab für die niedere Gerichtsbarkeit führte zwar laut Übung der Muri Ammann im Namen des Abtes und Konventes183; allein manchesmal präsidirte dem Gerichte der Abt selbst, „weil das Gericht ihm gehörte“, sprach das Urtheil und siegelte das Aktenstück184. Hatte das Kloster mit seinen eigenen Gotteshausleuten Zwiste, oder wünschte es aus besondern Gründen, dass der Landvogt urtheile, so erschien oft Abt Ulrich persönlich vor demselben oder dessen Untervogte und liess sich das Recht sprechen. So entschieden zu Gunsten des Klosters 1458 ein Schiedsgericht und 1461 der Landvogt185; 1462 gebieten die Tagherren dem Hans von Greifensee, dem Kloster (I-223) Muri wegen der in Wohlen gekauften und mit Schulden belasteten Güter ein Unterpfand zu geben186. Im Jahre 1459 erschien Abt Ulrich vor Heini Gartner, Untervogt in Muri, und fragte, ob die Theilung und Veränderung der Güter hinsichtlich der Zinsen und Rechte dem Kloster zum Schaden seien. Der Spruch lautete: „Sie bringen keinen Nachtheil“. Der Landvogt siegelte die Urkunde187.

Amtliche Instrumente für das Gericht und die Ökonomie, wie Offnungen, Zinsbücher, Urbarien u. s. w. liessen Abt und Konvent durch den Landvogt bestätigen188. Um einer solchen Gutheissung mehr Kraft zu verleihen, ersuchte Abt Ulrich sogar mehrere Regierungsmitglieder der Schirmorte, am 30. Juni 1460 unter „der Linde in Muri“ zu erscheinen. Hiebei waren dann ausser dem Landvogte, Heinrich Schmid von Zug, anwesend: Heinrich Stüssi und Heinrich Maier189, Rathsherren von Zürich; Rudolf Schiffmann, Rathsherr in Luzern; Heinrich Stocker und Heinrich Morgen, Rathsherren in Zug190. Dieser Gerichtstag, hiess später das „grosse“ Maigericht.

Durch den guten Haushalt hat sich Muri von den erlittenen Schäden des Züricher Krieges bald wieder erholt. Deshalb war es am 13. Jänner 1463 vermögend, um 390 Gulden von Burkart von Lütishofen den Antheil der Lütishofer am Kellenhof in Boswii (Twing, Bann, Ehrschatz etc.) zu kaufen191. Kleinere Käufe waren theils voraus gegangen, theils folgten sie nach, wie in Eggenwil (1447)192, in Besenbüren ein Gütlein vom Kloster Engelberg und ein solches in Wiggwil (1456)193, eine Hofstatt in Zuffikon (14GO)194, ein Rebgut in Thalwil (1462)195 u. s. w.

Waren Zinsleute durch Naturereignisse unglücklich geworden, so liess Muri häufig grossmüthig Milde walten. Die (I-224) Villmerger hatten durch Hagelschlag ihre Feldfrüchte verloren; die Stifte Muri, Wettingen und Königsfelden bezogen dieses Jahr gar keinen Zehenten von ihnen und erliessen den Schuldnern auf Fürbitte der Eidgenossen den Zins eines Jahres196.

Nach Beendigung des Züricher Krieges richtete Abt Ulrich sein Augenmerk nicht bloss auf die Ökonomie, sondern auch auf die Wiederherstellung der innern Ordnung in Muri wie bei den Frauen in Hermetschwil. Als Beweis hiefür mag dienen, dass die Edlen von Heidegg in beiden Klöstern in den Jahren 1452 und 1453 je einen Jahrtag stifteten, nämlich Hemmann von Heidegg für seine verstorbenen Verwandten von Seengen197 und für deren Eltern, Petermann und Margaretha von Seengen, am St. Benediktaltar in Muri mit drei Mütt Kernen. Die Konventualen mussten andächtig ein gesungenes Seelenamt bei ausgebreitetem Bahr-Tuche und angezündeten Kerzen halten. Ähnlich wurde dieser Jahrtag in Hermetschwil begangen.

Aus den angeführten Dokumenten ersehen wir, dass Abt Ulrich Maier ein kluger, eifriger und in den Geschäften gewandter Mann gewesen. Reich an Verdiensten beschloss er seine irdische Laufbahn am 31. Jänner 1465198, und hatte einen Mitbürger zum Nachfolger.

Viertes Kapitel. Hermann Hürzel, XXIX. Abt (1465-1480).

Hürzel (auch Hirzel) ist ein berühmtes Züricher Geschlecht199. Aus diesem ist unser Abt Hermann entsprossen200. Als Murikonventuale tritt er zuerst 1445 auf201. Später (1454 und 1464)202 erscheint er als Propst, und hatte in dieser Eigenschaft (I-225) im Namen des Abtes die äussere Ökonomie zu leiten und für den Tisch der Brüder zu sorgen203. Dadurch erlangte er für die künftige Erhöhung zum Abte die erforderliche Gewandtheit in der Geschäftsführung. Diese wie auch die Reinheit der Sitten empfahlen ihn für die Leitung des Klosters. Die Mitbrüder, welche am 9. April 1465 Hermann Hürzel zur Abtwürde erhoben, waren: Imer von Widen, Prior, Jakob Hert, Leonhard von Rot und Hugo Acklin. In den vorhandenen Wahlakten204 fehlt der Name des Konventualen Heinrich zum Thor, auch „von Villmergen“ genannt, ungeachtet er vor wie nach 1465 als Kapitular von Muri erscheint205. Ähnlichen Fällen begegnen wir 1410 und 1508206. Während Hugo Aklin als Pfarrer in Bünzen und Dekan des Ruralkapitels Lenzburg-Mellingen das Stimmrecht bei der Wahl des Abtes Johannes I. 1480 ausübte, verzichtete er auf dasselbe 1508. Das dürfte zum Schlusse berechtigen, dass die Muri-Konventualen im 15. und 16. Jahrhundert öfters als Mitglieder des Landkapitels Lenzburg-Mellingen das aktive Stimmrecht im Konvente aufgegeben haben207.

Den neugewählten Abt Hermann bestätigte am 14. Mai des Jahres 1465 der Bischof von Constanz, Burkard von Randegg. In Rücksicht der eingelegten Fürbitte von den eidgenössischen Ständen Uri, Unterwalden, Luzern und Zürich, forderte das Domkapitel von Constanz als Primizgeld von Muri statt 15 nur 11 Gulden208, und während der Bischof das Einkommen unseres Klosters auf 600 Gl. schätzte, glaubten die oben genannten eidgenössischen Stände dasselbe nur auf 400 Gl. schätzen zu dürfen209. – Das Wappen des Abtes Hermann war ein rothes Kleeblatt auf weissem Felde210.

Die Zeitverhältnisse boten ihm weniger Gelegenheit, mit politischen Behörden wegen wichtiger Angelegenheiten in Verbindung zu treten. Die Eidgenossen fochten damals ihre Kriege (I-226) entweder im Westen der Schweiz (1474-1477) oder im Süden (1478) aus. Die äussere Ruhe, die unser Gotteshaus jetzt lange Zeit genoss, benützte der sorgsame Abt dazu, die jungen Mitglieder des Konventes tiefer in die theologischen Studien einzuführen. So weit die Muri-Geschichte bis dahin erschlossen, ist Hermann der erste Abt, von dem wir urkundlich wissen, dass er seine Theologen auf eine Universität schickte, damit sie ein gründliches Wissen sich aneignen.211.

Weil das Schisma nun in der katholischen Kirche beseitigt war, so bemühte sich Rom, die eingerissenen Missbräuche namentlich in Deutschland zu entfernen. Die Ortsverhältnisse und Lebensweise hiesiger Bewohner hatten das strenge Fasten nach italienischem Sinne fast zur Unmöglichkeit gemacht. Der damalige Pfarrer in Boswil, Konrad Suter, bat daher den gerade in Zürich (1468) weilenden päpstlichen Nuntius, Bischof Gentilis, er möchte den Pfarrgenossen von Boswil, Bünzen und Wohlen (bei 230 beiderlei Geschlechtes)212 den Genuss von Milch und Eierspeisen in der Fastenzeit erlauben. Der Nuntius dispensirte bereitwillig und ertheilte ähnliche Dispensen auch den Urkantonen213. Im Jahre 1480 erlangte auch Abt Hermann gleiche Nachsicht von der Kirche für seine zwei Klöster Muri und Hermetschwil, für die Bewohner dieser Pfarreien und für die Kirchgenossen der Pfarrei Hitzkirch214.

Besonders gewogen zeigte sich der bischöfliche Stuhl von Constanz dem Abte Hermann bezüglich der Collaturen215. Selbst der Kapitelsvikar, der nach dem Tode des Bischofs Hermann (1474) die Geschäfte leitete, bestätigte am 20. Dezember 1475 das von Bischof Heinrich III. und seinen Nachfolgern dem Kloster Muri verliehene Privilegium, die ihm einverleibten Pfarreien und Pfründen durch seine Religiosen versehen zu lassen216.

Gleiche Zuvorkommenheit gaben auch die Eidgenossen dem Abte Hermann zu erkennen. Bei der Versammlung ihrer (I-227) Tagherren in Baden (1475) beklagte sich der Abt, dass man seine Wälder in den Freiämtern schädige, wie auch, dass seine Dienstboten „aus dem Jahre“ gehen, und dennoch den Jahreslohn haben wollen. Die Boten der regierenden Orte verschärften in Folge dessen die Strafen der Holzfrevler und liessen die Dienstboten wissen217, dass die, welche künftig „aus dem Jahre gehen“, nur vom Landvogte den Lohn fordern dürfen. Das folgende Jahr erlauben dieselben Tagherren der regierenden Stände (23. November) unserm Gotteshause, von was immer für einem eidgenössischen Stande ein Empfehlungsschreiben oder einen Boten zu nehmen, um sein Spolienrecht bezüglich des hinterlassenen Gutes vom Pfarrer in Bünzen, in Aarau oder in Bern zu behaupten218.

Als Ökonom war Abt Hermann nicht so fast bestrebt, neue Güter dem Kloster durch Kauf zuzuführen, als die gewonnenen einträglich zu machen. Daher begegnen wir während seiner fünfzehnjährigen Regierung nur zwei Käufen. Im Jahre 1471 erwarb Muri von Laurenz von Kienberg, sesshaft in Kienberg219, den Thurm und die Fischrechte in Waltenschwil, das früher ein österreichisches, jetzt ein eidgenössisches Lehen war220. Im gleichen Jahre kaufte der Konvent eine Gilt von 6 Viertel Kernen. Sie gehörte den Kindern Ulrich Wenger's und war von Junker Hermann von Heidegg gekommen221. Dazu kam noch die Erneuerung des eidgenössischen Lehens einer Taferne in Niederwil (1477) durch den Landvogt, Hans Waldmann, Ritter und Rathsherr in Zürich222, der mit dem Konvente in Muri auf freundschaftlichem Fusse stand. Während seiner Amtszeit als Landvogt (1475 und 1476) in den Freiämtern weilte er gerne im Kloster Muri223. Sein trauriges Ende (am 6. April 1489) besprechen unsere Chronisten nur nach der religiösen Seite: er habe, schreiben sie, drei Stunden lang gebeichtet224. Auch die Stadt Bremgarten gab in diesen (I-228) Zeiten unserm Kloster Beweise der Freundschaft, indem sie die Mitglieder unseres Konventes für immer als ihre Bürger annahm (1475). Muri zahlte hiefür drei Malter Hafer und machte zwei Juchart Ackerland zum Gegengeschenke225. Die drei Malter kamen aus dem Hofe von Lüppliswald. Weil vom besagten Hofe zwei Malter an die Pfarrkirche zu Wohlen gezahlt werden mussten, so siegelte die Urkunde nebst dem Abte von Muri und der Stadt Bremgarten auch Hieronymus Göldlin, Kirchherr zu Wohlen, mit Genehmigung seines Lehensherrn, Junkers Hans von Greifensee226.

Abt Hermann muss ein sehr friedliebender Mann gewesen sein; denn in seine Regierungszeit fällt nur ein einziger Streit, nämlich der mit Kaspar von Hertenstein, Inhaber des Schlosses Buonas, wegen der Fischrechte auf dem Zugersce, und auch der wurde durch den Ammann und Rath der Stadt Zug 1472 vermittelt und gütlich beigelegt227.

Zudem liess er dasselbe Jahr, um die vielen Einkünfte in Sursee und Umgebung besser zu sichern und um Streit zu verhüten, die zinspflichtigen Höfe und Güter durch den Schultheiss von Sursee, Johannes Schnyder zur Sonne, genau aufzeichnen und amtlich bestätigen228.

Nicht weniger bemerken wir bei diesem Anlasse eine werkthätige Liebe gegen Unglückliche und einen kindlichfrommen Sinn für Reliquien der Heiligen. Den Villmergern hatte der Hagel (1479) ihre Ernte zernichtet. Abt und Konvent von Muri schenkten ihnen 30 Stücke229.

Dem Abte Hermann wurde auch die Freude zu Theil, jenes ausserordentlich warme Jahr 1473 zu sehen, von dem die Chronisten erzählen, dass die Bäume im Monate Februar allenthalben blühten, Ende Juni reife Trauben in den Rebgütern sich zeigten und vor dem Feste des hl. Joh. Bapt. der Kornschnitt vollendet war. Die Bäume blühten im Oktober zum zweiten Male und die Kirschen kamen bis zum 11. Nov. wieder zur Reife230.

Für die Aufbewahrung der heil. Reliquien liess er ein Särglein aus reinem Golde im Jahre 1470 anfertigen, das 1700 (I-229) noch in Muri bewundert wurde231 und zur Zeit der französischen Revolution in raubgierige Hände gekommen sein wird. Die Übertragungsfeierlichkeit der hl. Martyrer Urs und Viktor in Solothurn (17. April 1474) erhöhte er mit sechs andern Äbten durch seine Anwesenheit und brachte zur Freude des Volkes eine Reliquie von einem dieser Heiligen nach Muri232.

Bereits hatte Abt Hermann Hürzel den Muri-Konvent, den er in die Wissenschaften einführte und vielfach in der Seelsorge beschäftigte, 15 Jahre still und weise geleitet. Sein Leben war makellos233. Dass er zu wenig für einen zahlreichen Nachwuchs im Konvente besorgt war, möchte einzig an ihm zu tadeln sein. Der Allgütige verlieh ihm die Krone der Gerechtigkeit am 28. Juli 1480234.

Fünftes Kapitel. Johannes I. Hagnauer, XXX. Abt (1480-1500).

Das Lebensbild des Abtes Johannes Hagnauer ist nicht so freundlich, wie das seines Vorgängers. Der Tod Hermann's hatte die Konventualen darum in die grösste Trauer versetzt, weil nur 18 Tage vor ihm der ebenso gelehrte und beliebte Prior, Ulrich Gumlikon, in die Ewigkeit hinübergegangen war. Ihre Zahl – fünf, ist die geringste, die je in Muri möchte gewesen sein. Hievon hatte sich Imer von Widen schon bei der Wahl Ulrich Maier's 1439 betheiligt und stand somit im hohen Alter; Leonhard von Rot war ein Mann, der sich wenig bemerkbar gemacht hatte; Hugo Acklin würde für die Prälatur der geeignetste gewesen sein, allein er war Pfarrer in Bünzen und zugleich Dekan des Ruralkapitels Lenzburg-Mellingen und desshalb werden die Kapitularen von ihm abgesehen haben. Endlich waren noch zwei jüngere Kapitularen, die sich beide in der Abtwürde folgten, nämlich Johannes Hagnauer und Johannes Feierabend (Fyrabend). Gewählt wurde jetzt Hagnauer als Johannes I.

(I-230) Wie die Äbte Meier und Hürzel hatte auch er seine Wiege in Zürich235, wo seine Vorfahren oft im Rathe sassen236. Wenn sein Vater Pentelis hiess, so war seine Mutter eine Elisabeth und stammte aus der Pfarrei Muri237. Die Eidgenossen standen 1480, da Johannes I. zur Abtwürde in Muri erhoben wurde, auf dem Höhepunkte ihres Ruhmes. Dieser blickte manchesmal mehr auf den vergänglichen Glanz seines Vaterlandes, als auf die Anforderungen der hl. Kirche. Jedoch die Rechte des Klosters und die unbilligen Angriffe auf dasselbe vertheidigte er mit Ernst und Ausdauer, und zeigte neben den Schattenseiten seines Lebens wieder schöne Lichtpunkte seines Glaubens und seiner Liebe zur katholischen Kirche.

Der Bruder des verstorbenen Abtes Hermann, Ulrich Hürzel, griff unser Gotteshaus wegen 50 Gulden an, die Hermann der Tochter Ulrich's versprochen habe. Die Eidgenossen zogen die Anforderung in Untersuchung, und scheinen Hürzel abgewiesen zu haben238. – Dasselbe Jahr (1480) hatten die Benediktiner Deutschlands eine Generalversammlung nach Constanz ausgeschrieben, in welcher beschlossen werden sollte, einen Prälaten an den Papst nach Rom zu senden, um mit diesem über die Reform sämmtlicher Klöster des Benediktiner-Ordens in der Eidgenossenschaft zu unterhandeln, und zwar hätte die Sendung auf gemeinsame Kosten der betreffenden Klöster geschehen sollen239. Der Abt von Muri bat in dieser Angelegenheit die Eidgenossen um Rath. Diese sprachen sich dahin aus: „Weil die Sache alle Prälaten betreffe, so könne er sich nicht füglich sondern, solle also den Tag zu Constanz auf Hilari (13. Jänner 1481) besuchen und anhören, was beschlossen werde. Wenn andere Prälaten in der Eidgenossenschaft einen Boten nach Rom schicken wollen, um den Papst zu bitten, ihnen die Reform zu erlassen, so möge er beistimmen; auch die Eidgenossen würden sich, falls es gewünscht werde, in diesem Sinne verwenden. Sofern die Prälaten aber auf gemeinsame Kosten einen Boten nach Rom schicken, um sich der Dinge mit Recht zu widersetzen, „darin soll er sich nicht (I-231) stecken“, sondern er möge unter ihnen zum Vorwande bringen, er könne ohne der Eidgenossen, seiner Schirmherren, Wissen und Willen nichts thun“. Die Meinung der Eidgenossen war nämlich: „Der Abt von Muri könne sich mit andern Prälaten, die grosse Güter und Besitzungen haben, nicht in gleiche Kosten einlassen“. – Während sich so Abt Johannes I. den Landesherren in einer geistlichen Sache wegen kleiner materiellen Beiträge zu Füssen warf, beschlossen dieselben auf der gleichen Tagsatzung zu Luzern (27. November 1480): „Muri solle von den Abgeordneten aus Luzern und Zug und dem Landvogte Ketzi in Schrift genommen werden“. Der Inventarisirung folgte bald die alljährliche Rechnungsablegung240. Die eidgenössischen Stände fanden aber diese so für sich einträglich, dass später jeder seinen Abgeordneten zu diesem Ende nach Muri sandte. Darüber beschwerten sich endlich (1499) die Konventualen241 bei den Tagherren und begehrten, sie möchten den Vogt der Freiämter beauftragen, ihnen die Rechnung abzunehmen. Allein den Eidgenossen war die Bitte nicht gefällig; jedoch um deren Billigkeit und ihre Neigung zum Gelde weniger bemerkbar zu machen, fassten sie den Entschluss: „man solle, weil kein (neues) Urbar vorhanden, die Nutzung (das Einkommen) des Gotteshauses aufzeichnen und darnach den VI Orten Rechnung ablegen“. Demgemäss verordnet die Tagsatzung vom 8. Jänner 1500242, dass die Boten der VI Orte, welche Kastvögte von Muri sind, am 26. Jänner daselbst die Rechnung abnehmen. Diese fanden in Muri damals 250 Gulden baar, 631 Mütt Kernen, 106 Malter Korn u. s. w.243 Seitdem geschieht bis zum Jahre 1528 keine Erwähnung einer solchen Rechnungsablegung in Muri.

Wie 1480 war das deutsche Generalkapitel der Benediktiner auch 1490 für eine Reform thätig, und wollte insbesonders armen Klöstern zu Hilfe kommen244. Daher beschloss dasselbe, von 1000 Gulden (Einkommen) jährlich 3 Gulden zur Unterstützung hilfsbedürftiger oder zur Wiederherstellung aufgelassener Klöster des Ordens zu geben. Abt Johannes I. von Muri theilte diese Bestimmungen den versammelten Eidgenossen in Luzern mit, welche diesmal den Beschluss ganz in Ordnung finden, und zwar in Anbetracht dessen, dass in den Ländern (I-232) der Eidgenossen auch arme Klöster dieses Ordens seien, wie z. B. Engelberg und andere. Auf derselben Tagsatzung beklagte sich unser Abt zugleich über die ausserordentliche „Provision“245, womit man in den päpstlichen Monaten seine Pfründen anfalle, und doch sollte sein Gotteshaus hierin geschützt sein. Die Eidgenossen befahlen ihm auf das hin, die Bullen und Freiheiten in den nächsten Tagen zu bringen, um das Nöthige zu beschliessen. Das Resultat ist nicht bekannt. Aber nach drei Jahren (1493) beschwerte sich Abt Johannes I. wieder bei den in Luzern versammelten Eidgenossen über Herrn Hans Scherer, der vom Kaiser eine Bitte und „Gratie“ (Gnade) auf die Muripfründe zu Lunkhofen erhalten hätte. Nachdem dieser selbe bekommen, habe er sich damit gar nicht begnügen wollen, indem er behauptete, sie bringe ihm nicht die hinreichende Nahrung. Abt und Konvent hätten sich dann angestrengt, sie aufzubessern. Nach vielen Jahren sei nun eine Muripfründe in Sursee erledigt worden, und dieser Kirchherr von Lunkhofen falle jetzt auch diese Pfründe mit seinem Commissionsbrief an und habe Abt und Konvent nach Konstanz zum Bischofe citirt; daher bitten sie um den Schutz der Eidgenossen, als ihrer Kastvögte. Diese gingen sofort auf die Sache ein und traten mit Kraft im Allgemeinen gegen das Curtisanenwesen auf. Die Tagsatzung ertheilte nämlich dem Abte Johannes I. den Rath, dass er die eidgenössischen Boten oder Briefe mit sich nach Constanz nehme und den Bischof bitte, dass er den Johannes Scherer anhalte, von seinem Vorhaben abzustehen und das Gotteshaus in Ruhe zu lassen. Zugleich beschliessen die Tagherren: jede Kantonsregierung soll berathen, wie man die, welche dergestalt Pfründen anfallen, behandeln wolle246. - Als Johannes Scherer noch aus dem Grunde auf die Pfründe in Sursee Anspruch machte, weil er eine verschriebene Zusage von Abt und Konvent besitze, so geboten ihm die Eidgenossen (21. Jänner 1494), von seinem Vorhaben abzustehen; mit der Schrift möge er jedoch vor die VI Orte kommen, „denen das Gotteshaus verwandt ist“247. Das sind scharfe Worte. – Ausser Scherer drängte sich noch ein anderer Bewerber einer Muripfründe in Sursee auf, nämlich Werner Hirzel, welcher ebenfalls behauptete, eine schriftliche Zusage hiefür zu besitzen. Diesem antwortete aber Abt Johannes I.: „Hirzel habe sich seitdem verehelicht und allerlei (I-233) geübt, das ihn am priesterlichen Stande verhindere. Doch weil er sich rühme, er sei zu Rom zur priesterlichen Würde zugelassen worden, so wolle er ihm unter Voraussetzung, dass er sich priesterlich halte, eine von den Muripfründen in Sursee leihen, sobald eine ledig falle, und zu welcher Hirzel tauglich erachtet werde“. Die Eidgenossen erklärten ihm sodann: er habe sich mit diesem Anerbieten des Abtes zu begnügen248.

Wie in kirchlichen Angelegenheiten, erschien Abt Johannes I. auch öfters wegen der Oekonomie vor den eidgenössischen Tagherren. Zunächst sollte er sich vor ihnen verantworten wegen der 300 Pfund Haller, die sein Gotteshaus der Hausfrau des Luzerner Organisten, Eglof Koller, hätte schuldig sein sollen. Muri konnte einen schon in dieser Sache ergangenen Spruch vorweisen, und daher wurden diese Ansprüche (1488) abgewiesen249. Drei Jahre später behelligte Koller neuerdings die Eidgenossen wegen obiger Anforderung; jedoch wahrscheinlich wieder ohne Erfolg250. Auf derselben Tagsatzung Hatte Muri noch einen andern Streit auszutragen, der aber unbedeutend wart. Das folgende Jahr stand es mit den Boswilern wegen Gerichtsangelegenheiten vor den Eidgenossen251, und nach Ablauf eines weitern Jahres (1493) bat Abt Johannes I. die Eidgenossen, sie möchten ihm den Kellenhof zu Boswil lehenfrei geben, zunächst weil er selben früher niemals als Lehen empfangen, und dann glaube er, auch gesetzt, der Kellenhof wäre ein Lehen, diess um die Eidgenossen verdient zu haben252. Alle Stände, bis auf Zürich, zeigten sich bereit, dem Abte zu entsprechen, so lange nämlich der Hof im Besitze des Gotteshauses Muri bleibe. Zürich, das die Gründe für die Abweisung der Bitte nicht angegeben hatte, wurde aufgefordert, bei der gewöhnlichen Zusammenkunft in Baden, selbe vorzubringen. Ob es solche angebracht, ist uns nicht bekannt. Indessen lesen wir, dass der Abt von Muri dem Rathe in Zürich 1490 beim Feldzug nach St. Gallen ein „raisig Pferd“ gestellt habe253.

Hier haben wir von Abt Johannes I. ein Ereigniss zu melden, das sonst bei keinem Muri-Abt zum Vorschein kommt, (I-234) Johannes I. sei nämlich ein Gegenstand tödtlichen Hasses gewesen, so, dass die weltliche Behörde ihren schützenden Arm über ihn ausbreiten musste. Den in Luzern versammelten Eidgenossen wurde (im November 1493) mitgetheilt: die Letter in Einsiedeln haben gedroht, dem Abte von Muri wegen eines im Thurme zu Bremgarten verstorbenen Verwandten Arges zuzufügen254, und das folgende Jahr wird denselben Tagherren gemeldet: Einer der Segesser von Mellingen habe wegen der obwaltenden Zwistigkeiten dem Abte „gewartet“ (aufgelauert). Diesem wie auch dem Segesser wurde eidlich der Friede geboten. Letzterer scheint aber seine Unschuld bewiesen zu haben255. Mehrere Wädischwiler am Zürichersee wollten unsern Abt sogar vor ein päpstliches Gericht laden; allein die Schirmherren Muri's glaubten, sie sollten sich mit den eidgenössischen Gerichten begnügen256.

Um nichts zu verschweigen, fügen wir Obigem noch ein anderes Schattenbild dieses Abtes bei. Im Jahre 1496, vier Jahre vor seinem Tode, bewog er den versammelten Konvent, dass derselbe, im Falle seines Ablebens, in Rücksicht auf die namhafte Summe, die er in's Kloster gebracht und in Anbetracht seiner vielen Verdienste ihm urkundlich versprach, seine vier unerzogenen Kinder zu versorgen257.

Verbinden wir das von Abt Johannes I. Hagnauer Gesagte mit dem Verdienstlichen, das er für das Kloster wirklich gethan und das erst zu erzählen ist, so erkennen wir an ihm einen Mann, der auf der einen Seite Schwächen, auf der andern Seite aber viele treffliche geistige Eigenschaften hatte, – also ein Kind damaliger Zeit war.

Aus den vorliegenden Aktenstücken geht hervor, dass er einen richtigen Blick in die Oekonomie hatte. Sein Grundsatz hierin war: ferne gelegene Güter zu veräussern und dafür näher gelegene zu kaufen. Demnach trat er im Einverständnisse mit dem Konvente im Januar 1486 die Höfe, Güter und Rechte in Gangolfswil, Zwyern u. s. w. um 1080 Gulden an die Regierung des Standes Zug ab258; hiefür erwarb er Güter, Rechte und die zwei Pfarrpfründen in Boswil und Wohlen. Dadurch gewannen die Besitzungen Muri's und die 13 Pfründen259 in (I-235) seiner Nähe eine gewisse Abrundung. Diese feste Grundlage in der Ökonomie mag eine Ursache mehr sein, wesshalb unser Kloster die Reformationsstürme glücklich aushielt.

Nebst der Pfarrpfründe in Wohlen kam um 250 Gulden auch der Rütihof (1483) nach Muri. Mit diesem war das Kirchenvermögen (Kirchensatz) verbunden260.

Den Kirchensatz, das Kirchenlehen und die Kirche in Boswil, ehemals den Frauen in Zürich zuständig, erhielt Muri am 10. April 1483 von Hans von Hallwil und seinen Brüdern um 1500 Gulden als eine freie Gottesgabe und dazu noch folgende Rechte und Besitzungen in Boswil: a. den vierten Theil des Twinges und Bannes daselbst; b. den grossen Zehnten, und c. den halben Imerzehnten261. Die andere Hälfte der Rechte in Boswil gehörte den Edlen von Seengen, welche aber Herr Johannes von Seengen am 22. April 1483 um 500 Gl. an unser Gotteshaus gab262. Der Stand Luzern sagte dem Abte Johannes I., als dem „Liebhaber der göttlichen Gerechtigkeit“, am 5. Mai 1492 den besondern Schutz und Schirm für diese Käufe in Boswil zu263. Weil aber der Kellenhof, der grosse Zehent und Kirchensatz daselbst kein österreichisches Mannlehen gewesen war, so erliessen die Eidgenossen im Jahre 1493 in dieser Sache folgende Bestimmung: der Kellenhof und Kirchensatz in Boswil und Alles, was das Kloster Muri von den Herren von Rüssegg, Grünenberg, Baldegg, Heidegg und Hallwil erkauft hatte, soll nicht von den Landvögten als Lehen empfangen werden, wohl aber andere Besitzungen264. Jedoch auch diese wurden bald, wie bereits gesagt wurde, auf Ansuchen des Abtes lehenfrei.

Für das Gericht in Boswil, das auch Waldhäusern, Hündenbül, Werdenzwil (Weissenbach), Kalchern (Kallern) und Bülisacher umfasste, verliehen die Eidgenossen dem Abte Johannes I. 1491 das Siegelrecht, wodurch Muri in dessen vollen Besitz kam, „Frevel und Dieb“ ausgenommen265. In diesem (I-236) Kellenhof wurden dann, wie in Muri, jährlich drei Gedinge (im Mai, Herbst und am St. Hilarientag) gehalten. Wer ohne Ursache hiebei nicht erschien, musste dem Keller zu Handen der Grundherrlichkeit drei Schilling Strafgeld entrichten266.

Allein neben dem Kloster Muri besassen den vierten Theil dieses Kellenhofs in Boswil die dortigen Bewohner. Sie hatten ihn im Jahre 1425 erworben267. Als Muri mit dem Siegelrecht für sein Gericht daselbst beschenkt worden, glaubten sich die Boswiler in ihren Rechten verletzt und klagten bei den Eidgenossen. Auch Muri erhob 1492 gegen sie bei denselben Klage. Die Tagherren antworteten unter dem 2. April d. J. dem Abte: „Er möge gegen die Boswiler, die ihn von Ort zu Ort verklagen, sich auch von Ort zu Ort verantworten und dann den Spruch zu Baden erwarten“268. Die Antwort von da lautete: a. Muri bleibt bei dem Siegelrechte, wie die Eidgenossen zu Baden es dem Gotteshause zugesagt hatten; b. das Volk zu Boswil schwört dem Herrn (Abte) zu Muri: das Gericht im Kellenhof im Namen und anstatt des Herrn in Muri und des Gotteshauses auszurichten; c. die Appellationen vom Kellenhof werden vor den Abt in Muri gezogen, welcher den Landvogt zu sich nimmt, um die Zwistigkeiten nach ihrem Ermessen zu entscheiden, wobei es sein Verbleiben hat. Den Parteien ist es jedoch freigestellt, sich mit dem Urtheile des Abtes allein zu begnügen. Der vierte Artikel spricht von den Dörfern und Höfen, die zum Kellenhof in Boswil gehörten. Der Richter musste ferner dem Keller (später Ammann genannt269) schwören, an den Gerichten gehorsam zu erscheinen, die Gerechtigkeit zu schirmen und des Gotteshauses Nutzen zu fördern. Schliesslich wird Muri anbefohlen, für Ausfertigung der Käufe und Verkäufe eine geringere Taxe, als sonst üblich ist, zu beziehen.

Indessen war Abt Johannes I. bei den vielen Kämpfen für die Rechte seines Gotteshauses nicht immer so glücklich. Bei dem Streite wegen des Opferstockgeldes in Nottwil und der Abhängigkeit der Pfarrei Neuenkirch von der Mutterkirche in Sursee wurde er von Luzern abgewiesen270. Auch Zürich (I-237) achtete nicht auf die Vorstellungen unseres Abtes, die er im Jahre 1491 für seine Unterthanen in Lieli wegen Tragung der Kriegskosten eingelegt hatte271.

Zum Beweise unserer Behauptung, Abt Johannes I. sei einer der besten Ökonomen unseres Gotteshauses gewesen, erwähnen wir noch vier Käufe. Im fruchtbaren Jahre 1484272 kaufte er in Mailen am Zürichersee mehrere Juchart Reben mit Haus und Baumgarten, Wiesen und Äckern für 350 Gl.273 Der Hof hatte eine besondere Offnung, die 1558 bestätigt wurde. Nach 11 Jahren brachte er ein Rebgut in Thalwil an unser Gotteshaus und liess zugleich die Erbrechte für die Murihöfe daselbst erneuern274. Ebenso erstand er von Johannes von Seengen und von einem Züricher Zinsen und Zehnten in Boswil275. Kurz vor seinem Tode (10. Febr. 1500) erwarb er um 1415 Gulden den sogenannten „Glättlizehent“ in Lunkhofen, der bis auf die letzte Zeit bei Muri blieb.

Mit den Bischöfen von Constanz stand Abt Johannes I. in regem Verkehr. Bischof Otto IV. bestätigte ihn 16. Aug. 1480, erliess ihm vermöge der Fürbitte der VI Schirmherren von der üblichen Taxe der Annaten 200 Gulden276 und verlieh 1483 einen Schirmbrief277. In Rücksicht des Gesagten und wegen des Nachlasses bei der Annatenzahlung neu besetzter Muripfründen278 nennt P. Anselm Weissenbach diesen Bischof den „grossen Schirmer und Gönner unseres Klosters“279, Er war es auch, welcher die zwei Pfarrpfründen Boswil und Wohlen (17. Mai 1485) dem Kloster Muri einverleibte, indem er dies mit der Baufälligkeit des Klosters, mit dessen unbedeutendem Einkommen, der grossen Gastfreundschaft und mit den vielen Almosen begründete und dem Abte und Konvente das Recht (I-238) verlieh, diese Collaturen entweder mit Religiosen oder Weltgeistlichen zu besetzen280.

Ungünstiger war das Verhältniss des Abtes Johannes I. zu Otto's IV. Nachfolger, Thomas Berlower. Dieser Bischof wollte, gestützt auf apostolische „Gewaltsbriefe“, von allen Klöstern, Stiften und Kirchen der Diöcese Constanz eine ausserordentliche Steuer erheben, weil das Bisthum mit grossen Schulden belastet war281. Von einer freien (exempten) Kirche verlangte er ein Zehntel und von einer nicht-freien zwei Zehntel aller ihrer Einkünfte. Die ganze Klerisei des Bisthums hielt desshalb am 29. August 1492 eine Versammlung in Form einer Synode und liess den Bischof wissen, sie sei geneigt, ihm zu geben, was Gewohnheit ist, besonders die Caritätsunterstützung nach alter Taxe282 (wornach Einsiedeln und Muri mit je 43 Gulden geschätzt waren); jedoch gehe ihre Bitte dahin, sie mit neuen beschwerlichen Auflagen zu verschonen, damit sie nicht gezwungen werde, den Rechtsweg zu gebrauchen. Jakob von Cham, Propst in Zürich, war für diesen letztem Fall als Rechtsanwalt von der Synode bezeichnet worden. Fast alle Benediktiner-Klöster des Bisthums, darunter auch Muri, nebst den übrigen Orden stimmten diesem Beschlusse bei. Abt Johannes I. trat sogar mit dem Propste zu Luzern, Heinrich Vogt, als Bevollmächtigter des schweizerischen Klerus auf283. In diesen Handel mischten sich auch die Eidgenossen und bestärkten anfänglich die Geistlichkeit in der Weigerung, die auferlegte Kirchensteuer zu zahlen; jedoch das folgende Jahr traten sie als Vermittler auf und bezeichneten als Schiedsrichter hiefür Gerold Meyer von Knonau in Zürich, Johannes Ruos von Luzern und Johannes von Flüe von Unterwalden284. Diese konnten aber die Parteien zu keinem Ausgleich bringen. Selbe wählten daher aus ihrer Mitte ihre Schiedsleute, und diese luden dann ihre Vertreter der streitenden Parteien auf den 27. Juli 1493 nach Constanz. Im Namen des Bischofs erschienen vor ihnen Johannes Sanaget, Archidiakon; Hugo von Hohenlandenberg, Domkanoniker; Balthasar von Randeck, Vikar; Johannes Truckenpuol, Kanzler der Kirche in Constanz; – im Namen der Klerisei und der Klöster kamen Johannes, Abt von Muri; (I-239) Heinrich Vogt, Propst in Luzern; Johannes Bischof, Konventherr von St. Gallen und Doktor; Jakob von Cham, Propst in Zürich; Johannes Wesner, Cantor in Zofingen; Johannes Schlosser, Kammerer und Pleban in Luzern285. Die obwaltenden Zwistigkeiten wurden jetzt glücklich beigelegt. Bischof Thomas trat zurück und versprach urkundlich, die Freiheiten, Gewohnheiten und Rechte der Klöster und Kirchen ungetrübt zu lassen und das gemeine Volk oder sonst Jemanden nicht unnöthig zu beschweren.

Durch dieses Auftreten im Namen der Klöster und Klerisei hatte Abt Johannes I. keineswegs die Gunst des bischöflichen Hofes eingebüsst; denn Bischof Thomas verlieh ihm und seinem Gotteshause das folgende Jahr einen Schirmbrief, den letzten in der alten Form286.

Werfen wir noch einen Blick auf die religiöse und wissenschaftliche Pflege, die Abt Johannes I. seinen Religiosen und Untergebenen angedeihen liess. Vor Allem war er bestrebt, die Zahl der Konventualen zu vermehren. Dieselbe war im Jahre 1491 bereits auf 10 gestiegen287. Diese versahen wie unter seinem Vorgänger Pfarreien, zierten Kirchen mit Altären288, verbreiteten die in Folge einer verheerenden Pest 1492 im Kloster Kappel gegründete Sebastianibruderschaft mit Eifer289, stifteten mit Erlaubniss des Abtes Jahrtage290, nannten sich in ihrem amtlichen Schreiben in aller Bescheidenheit nur „Brüder“ und Pfarrvikare291, und beschäftigten sich vielfach mit Abschreiben wissenschaftlicher Werke, die sie dann in der Klosterbibliothek aufstellten292. Eine entehrende That des Konventes kam uns aus dieser Zeit nicht zur Kenntniss. Abt Johannes I. selbst stand mit den damals gelehrtesten Männern in der Eidgenossenschaft, wie mit dem berümten Dekan in Einsiedeln, Albert von Bonstetten, und mit dem Propst Johann Manz in Zürich in Verbindung. Letzterm vermittelte er vom Dekan Albert in Einsiedeln einen Wappenbrief293. Dieser Dekan erlangte auch vom Kaiser Maximilian I. die Vollmacht, unserm Abte Johannes I. und allen Hagnauern von Zürich, die ehelicher (I-240) Geburt sind, einen Wappenbrief zu verleihen und zwar aus dem Grunde, weil sowohl der verstorbene Kaiser (Friedrich IV.) als auch Max I. dem Abte Johannes Hagnauer und seinem Gotteshause Muri, das gestiftet und angefangen wurde „von ihren Vorfahren“, mit besondern Gnaden geneigt sind294. Ebenso stand Abt Johannes I. mit dem Doktor beider Rechte, dem Propste Jakob von Cham in Zürich, auf vertrautem Fusse. Zugleich muss dieser Abt den Ruf eines verständigen und rechtskundigen Mannes in höhern Kreisen genossen haben; denn wir hören, dass er mit den Äbten von Einsiedeln und Rüti als Schiedsrichter in einem Streite berufen wurde und mit letzterem rechtsgiltig sprach295.

Schliesslich melden wir noch, um nichts zu übergehen, dass er über dem Hochaltare der Klosterkirche den kleinen Thurm (1491) bauen und den Knopf vergolden liess. Der Werkmeister und Vergolder waren Bürger aus Zürich. In den Thurmknopf legte er einen Katalog des damaligen Konventes, der bei der Renovation 1609 aufgefunden wurde296. Endlich vernehmen wir, dass Abt Johannes I. der Kirche zu Richenburg (Kt. Schwyz) ein Glasfenster verehrte297.

Sein Tod erfolgte wahrscheinlich am 11. Februar 1500. Die sterbliche Hülle wurde in der Klosterkirche vor dem Altare der Kreuzablösung beigesetzt298.

Sechstes Kapitel. Johannes II. Fyrabend (Feierabend), XXXI. Abt (1500-1508).

Abt Johannes II. Fyrabend war gebürtig von Bremgarten und von angesehenen und begüterten Eltern entsprossen299. Als Konventual von Muri war er Leutpriester in Sursee (I-241) und hatte öfters für sein Kloster wichtige Geschäfte zu besorgen300, wodurch er jene Kenntniss erlangte, die er als Abt sehr gut verwenden konnte. Die Wahlakten sind verloren gegangen; daher kennen wir weder den Tag seiner Erwählung, noch genau die stimmenden Mitbrüder. Diese möchten aber, ausser dem Erkorenen, folgende gewesen sein: Leonhard von Rot, Prior; Hugo Acklin, Pleban in Bünzen und Dekan des Ruralkapitels Lenzburg-Mellingen; Ludwig Summerer, Pleban in Muri und Kammerer (Vicepräses) des Ruralkapitels; Georg Flecklin, gebürtig von Schwyz; Bernard Gir; Lazarus Landolt und Jakob Heberling301. Der Wahltag selbst muss wohl einige Wochen vor dem 30. April 1500 gewesen sein, weil Abt Johannes II. damals dem Bischofe von Constanz als neugewählter und bereits bestätigter Prälat von Muri die Annaten, 600 Gulden, bezahlte302. Von einem Nachlasse bei deren Zahlung ist, weil Muri in der Ökonomie erstarkt war, keine Rede.

Abt Johannes II. arbeitete in den wenigen Jahren seiner Regierung mit Eifer für Handhabung der klösterlichen Rechte, für Hebung des feierlichen Gottesdienstes und Ausschmückung der Kirchen. Er liess eine silberne Monstranz im gothischen Stile anfertigen, besorgte eine silberne Platte für den Credenztisch, liess die Wände des Chores in der Klosterkirche erneuern, baute dem Pfarrer Sikust in Muri ein Pfarrhaus (1506), verehrte Glasgemälde in die Pfarrkirche von Merenschwand303 und war bestrebt, dass die Muri-Collaturen an ihrem Einkommen durch die Curtisanen keinen Schaden litten304. Die Ehre Gottes war der Hauptgrund, warum er von Papst Julius II. die Pontifikalien (Inful, Ring und Kreuz), welche seine Vorgänger bisher nicht hatten, zu erlangen trachtete. Der Eingang der hiefür am 12. Juli 1507 ausgestellten Bulle sagt daher: „Deine (des Abtes) ungeheuchelte Liebe zu Gott und die Erhabenheit der Religion verdienen, dass Wir sowohl dich, dem Wir in reiner Liebe zugethan sind, als auch das Kloster Muri nach Verdienst beehren“. Dann verleiht der Papst ihm und seinen Nachfolgern folgende Gnaden: 1. den (I-242) Mitbrüdern die niederen Weihen (Minores) zu ertheilen; 2. Paramente, Glocken, Tabernakel, Reliquienschreine etc. für alle seine Gotteshäuser, die ihm mittelbar oder unmittelbar unterworfen sind, und mit bischöflicher Erlaubniss, für andere Kirchen zu segnen und zu weihen; 3. Friedhöfe und Kirchen durch das vom Bischof geweihte Wasser zu reconciliiren305. – Das neue damals geschriebene Pontifikale stellte den Abt Johannes II. in tiefster Andacht betend dar306. Dieser Abt ist's auch, welcher zum Grabe des seligen Nikolaus von der Flüe nach Sachseln pilgerte und dessen Stock als kostbare Reliquie nach Muri brachte307. Er liess ihn geschmackvoll in Silber fassen. Die Berner nahmen ihn aber bei der Plünderung Muri's 1531 mit in ihre Hauptstadt. Von da kam er später zu den Kapuzinern nach Freiburg. Als Abt Bonaventura I. hievon Kenntniss erhielt, sandte er sofort eine Bittschrift (13. Aug. 1654) an das eben in Freiburg versammelte Kapitel der „ehrwürdigen Väter Kapuciner“. Diese meldeten dem Prälaten: den Stock durch den neugewählten Provinzial dem Kloster Muri zusenden zu wollen. Allein dies unterblieb, und so wird derselbe heute noch in Freiburg i. U. vorgezeigt308.

Entsprechend dem frommen Sinne des Abtes Johannes II. bildete sich damals eine erbauliche Sage von unserm Kloster: Ein Lamm soll 1507 unter den Mönchen zu Muri in traulicher Gesellschaft, gleich jenem des heil. Franciscus, geweilt haben. Auf das Zeichen der Glocke eilte es auf den Chor und blieb dort ruhig, bis der letzte Ton der Betenden verklungen war. Ertönte die Glocke in stiller Mitternacht, so kam das Lamm vor die Zelle eines jeden Mönches und weckte ihn, damit er Gott lobe. Vermisste es einen Betenden im Chore, so eilte es zu der Zelle des Betreffenden zurück und blöckte so lange, bis der Schläfrige erwachte309.

Wenden wir uns jetzt zu den Beziehungen des Abtes Johannes II. zum Staate und zu seinen Bestrebungen in der Ökonomie. – Von Käufen und Verkäufen wissen unsere Hauschronisten unter diesem Prälaten wenig zu melden310. Mit den (I-243) Schutzherren, den Eidgenossen, verkehrte er nur dann, wenn wichtige Anlässe oder die Rechte des Gotteshauses es verlangten. Unlieb war ihm der Streit mit den Bauern von Lieli wegen des „Falles“. Abt Johannes II. glaubte, die Bauern von Lieli sollen auch wegen desselben vor den Gedingen in Muri erscheinen; er wurde aber von den Eidgenossen mit seinem Begehren abgewiesen311. Doch half ihm die Regierung von Luzern in der Abschaffung des Unfuges, den die Zehentpflichtigen von Sursee und Umgebung bei dem Zehentverleihungsmahle oder dem sogenannten „guten Tage“ ausübten. Der hohe Rath verordnete nämlich: wer dem Abte keinen Zehenten gibt, der empfängt von ihm auch kein Mahl; wer aber Teller und Schüssel beim Mahle zerschlägt, den soll der Rath von Sursee strafen; der Zehent werde jährlich ausgerufen, und der Meistbietende soll ihn erhalten, sei er ein Einheimischer oder Fremder312. Neue Misshelligkeiten mit den Zehentpflichtigen in Neuenkirch, Rot, Ruswil u. s. w. schlichteten Jakob Bramberger, Schultheiss, und Ludwig Feer, Stadtschreiber in Luzern. Muri soll nach deren Vorschrift die Zehenten gehörig auskünden lassen, die zehentpflichtigen Behausungen fleissig aufzeichnen und den ab- und auftretenden Zehentpflichtigen für das Mahl 2 Schill. zahlen; dagegen sollen die dem Kloster zehentschuldigen Zelgen nicht eingeschlagen oder zu Weiden gemacht werden313. Allein im Jahre 1507 musste Abt Johannes II. schon wieder in ähnlicher Angelegenheit wegen der Neuenkircher und Kottwiler vor der Luzerner Regierung erscheinen. Diese bestimmt: 1. Muri gibt am Zehentleihtage 14 Pfund Haller, und ist dann aller Pflicht wegen des Mahles entledigt; 2. die Bürger sollen der Mahnung des Abtes gehorsam sein; 3. Muri hat das Recht, dem Meistbietenden den Zehenten zu geben, und die Andern sollen Steg und Weg hiefür nicht versagen; 4. die Abgaben sind nach Pflicht und Rodel zu geben314. Das folgende Jahr stand Georg Flecklin, Prior von Muri, neuerdings vor dem hohen Rathe in Luzern und beschwerte sich, dass mehrere Surseer ihre Abgabe nicht entrichten wollen315. Diesmal handelte die Regierung gegen die Fehlenden mit Strenge.

Diese Streitigkeiten wegen Nichtabgabe des Zehenten sind ein neuer Beweis, wie mit der Genussucht auch der Geist der (I-244) Unzufriedenheit und der Auflehnung in den unteren Schichten immer mehr zu Tage tritt. Jene Volkssage, welche über den frommen und bescheidenen Abt Johannes II. nach seinem Tode im Luzernergebiete sich ausbildete und von Diepold Schilling in seiner Chronik aufgenommen wurde316, wird daher im Hinblick auf das Gesagte ihre gebührende Werthschätzung finden317.

Wie den Zehentleuten in Sursee und der Umgebung konnte es Abt Johannes II. auch dem im öffentlichen Concubinate lebenden Pfarrvikare in Muri, Johannes Sikust 318, nicht recht machen. Das neugebaute Haus gefiel ihm nicht. Er liess es umbauen und klagte bei den Eidgenossen, dass er wegen Baukosten in Schaden gekommen sei, dass ihm der Abt das schuldige Holz nicht liefere, und die Klosterbewohner seinen Pfarrrechten entzogen werden. Die Schirmherren erkannten das Unbillige dieser Forderungen, und befahlen ihm: die Leutpriesterei sammt den zwei Filialen (Aristau und Waleswil) soll er treulich besorgen; einem Herrn Abte zu Muri gehörig dienen und, wenn er Holz nothwendig habe, selben darum bitten; die Leute, welche im Gotteshause wohnen, sollen dem Custos daselbst und nicht dem Leutpriester gehören; für seine Baukosten am Wohnhause werde ihm der Erbfall (Spolium) nachgelassen; übrigens könne er in der Stiftspfisterei backen319.

Diese Missachtung der göttlichen und menschlichen Gesetze mag auf die zartfühlende Seele des Abtes Johannes II. einen schmerzlichen Eindruck gemacht, ihn mit trüben Ahnungen für die Zukunft erfüllt und seine Lebenstage verkürzt haben. Der Tod ereilte ihn am 16. September 1508320. Nach einem vorhandenen Porträt war er ein kräftiger Mann mit einem Vollbarte. (I-245) Sein Familienwappen zeigt auf goldenem Felde einen schwarzen Triangel, dessen Spitze ein Kreuz ziert321.

Siebentes Kapitel. Muri's Stellung zum niederen Adel. Collaturen.

Der im Jahre 1450 zu Ungunsten der Habsburger beendigte Züricher Krieg brachte den Gliedern des niederen Adels in der Umgebung von Muri grosse Nachtheile. Von den neuen Landesherren wurden sie entweder der Lehen, die sie von Habsburg-Österreich hatten, beraubt oder mussten auswandern, wie die Gessler, oder waren genöthigt, in den Städten und Ländern ihrer ehemaligen Gegner das Burgrecht zu kaufen. Besonders traf dieses Unglück die treuesten Anhänger Habsburgs. Zu diesen gehörten zunächst die Herren von Baldegg. Sie hatten ihre Burg am lieblichen Baldeggersee, 3-4 Stunden von Muri entfernt. Sie wurden schon nach der Sempacher Schlacht (1386) von den Eidgenossen sehr geschädigt, indem sie viele Rechte und Güter verloren. Ritter Marquard von Baldegg, ein Mann von Kraft und Ansehen, vermochte das sinkende Geschlecht nur kurze Zeit (1440-1481) zu heben322. Von den Gliedern dieses Geschlechtes kaufte Muri die sog. „Baldegger-Gült“323. Von den Gesslern, die wir öfters erwähnten, erwarb Muri nur wenige Rechte und Güter; stand ihnen aber nahe, weil sie treue Anhänger der österreichischen Herzoge waren324. Von gleicher Treue waren die Herren von Hallwil, welche am Ende des fischreichen Hallwiler-Sees ihre Burg hatten. Thüring von Hallwil glaubte, die Eidgenossen sollten ihm, weil er in Bern und Solothurn das Burgrecht genommen, die entrissenen Lehen der Herzoge von Österreich zurückerstatten. Sein Gesuch wurde 1432 abgewiesen, allein in Rücksicht auf die Fürbitte des Abtes von Muri und seiner Freunde, und weil er weder „Rath noch Diener“ der Herzoge von Österreich sei, gewährte man ihm die Gnade, die Dörfer, Gerichte und Twinge zu Boswil, Hägglingen und Anglikon, wie (I-246) auch die Gilten (Kapitalien) u. s. w. ruhig zu geniessen325. Die österreichischen Lehen der Hallwiler kamen jedoch entweder an Muri326 oder an Private327 und daher schwand auch immer mehr ihr Vermögen. Schon Rudolf von Hallwil, der Ältere, Bruder des Burkard von Hallwil und Oheim des berühmten Helden vor Murten, Hans von Hallwil, war trotz seiner Thätigkeit gezwungen, einen Hof zu Boswil um 300 Gulden im Jahre 1448 zu verkaufen328, während er acht Jahre früher seinen Antheil der Zehenten daselbst an Heinrich von Seengen, wohnhaft in Bremgarten, veräussert hatte329. Zwar erwarben sie wieder einige dieser Besitzungen330. Allein durch die Verkaufsurkunde vom 10. und 22. April 1483 veräusserten Hans, Walther und Dietrich von Hallwil, wie auch Herr Johannes von Seengen, alle diese Besitzungen um 2000 Gulden an das Kloster Muri331. In diesem Kaufe war, wie bereits oben gemeldet wurde, die Pfarrkirche von Boswil mit ihrem Kirchensatze einbegriffen. Bischof Otto IV. von Constanz verleibte sie am 17. Mai 1485 als Regularpfründe unserm Gotteshause ein332.

Als neue Collatoren mussten unsere Mitbrüder den Chor der dortigen Kirche umbauen, den Friedhof erweitern und eine Glocke „Osana“, die noch vorhanden ist, giessen lassen. Weihbischof Daniel von Constanz nahm 1498 die erforderlichen Weihen vor333.

Pfarrektor von Boswil war damals der verdiente und eifrige Konrad Suter, gebürtig von Kollikon, der zugleich Dekan des Ruralkapitels Lenzburg-Mellingen war. Dieser baute auf seine Kosten den Seitenaltar334, bewirkte, dass die Kirchmaier das Einkommen der Pfarrkirche vermehrten335, und sorgte, dass seiner Pfründe der gebührende Zehent (I-247) – der „bruonende“ (Wachs-)Zehent kraft richterlichen Spruches bleibe336.

Nach dem diese Pfarrpfründe nach Muri gekommen, mussten die zwei Kirchmaier daselbst jährlich dem Abte in Muri oder dessen Stellvertreter Rechnung ablegen. Eine solche ist uns vom Jahre 1487 erhalten. Die Ausgaben lauten: 2 Schilling für Weinkauf beim Verdingen des Beinhauses, 8 Schill. dem Pfarrektor337, 3 Denare (Haller) für die Sakramente und Bannalien (bischöfliche Abgaben), 3 Schilling und 4 Denare zu Sarmenstorf für das Mehl, 13 Schillinge und 4 Denare für den Kreuzgang nach Zürich338.

Nach dem Tode des Pfarrektors Suter setzte Muri als Pleban einen Konventualen nach Boswil und zwar den kräftigen Georg Flecklin von Schwyz, der zugleich Prior im Kloster war339.

Ausser den Herren von Hallwil und Seengen hatten noch im kornreichen Boswil die Herren von Heidegg und Lütishofen Besitzungen.

Hemmann von Heidegg (1398-1457), Sohn des Ritters Petermann, erhielt von den Eidgenossen als Lehen den Thurm in Waltenschwil sammt den Fischrechten im Thale zu Boswil, dann die Vogtei zu Werd und Winterschwil und endlich Kerngeld zu Besenbüren mit Gilten, Leut und Gut. Muri kaufte diese Rechte 1471340, verkaufte sie wieder an die Herren von Heidegg und erlangte sie zum zweiten Male um das Jahr 1617.

Die Herren von Lütishofen verkauften ihren Antheil am Kellenhof zu Boswil im Jahre 1463 an Muri, wie bereits gesagt wurde341.

Mehrere Höfe der heutigen politischen Gemeinde Boswil waren damals zu der nahe gelegenen Pfarrei Bünzen zehentpflichtig und pfarrgenössig.

Diese Pfarrei liess Muri entweder durch seine Konventualen (I-248) oder durch den Weltklerus besorgen342. Daselbst übte der Konvent bei den verstorbenen Plebanen das Erbrecht (jus spolii) aus. Die Eidgenossen schützen hierin das Kloster beim Tode des 1476 verstorbenen Johann Füxlin343.

Im nahe gelegenen Wohlen besass unser Gotteshaus die Annakapelle mit ihren Einkünften seit den ältesten Zeiten. Die dortige Pfarrkirche zum hl. Stephan und hl. Leonhard ist eine Stiftung der Edlen von Wohlen. Die Zeit ihrer Gründung ist uns nicht bekannt; sie bestand aber schon 1185, wo ein Heinrich Pleban gewesen344. Allein im 15. Jahrhundert gehörten von der Gemeinde kaum 2/5 der Einwohner zu dieser Pfarrkirche; die übrigen mussten den Pfarreien von Niederwil und Göslikon bis 1518 gehorchen und ihre Zehenten dahin entrichten345. Im Jahre 1480 wollten die nach Göslikon pfarrgenössigen Wohlener für jene Pfarrkirche den Messnerlohn nicht bezahlen. Der Streit wurde vermittelt346.

Die Edlen von Wohlen waren anfangs des 15. Jahrhunderts ausgestorben und hatten die Edlen von Greifensee als Erben. Diese nannten sich nach einem Thurme zu Flums. Ulrich, der 1388 unter der österreichischen Fahne zu Näfels fiel, kann als Gründer des Geschlechtes der Greifenseer angesehen werden347. Petermann verpflanzte es durch Erbe und Kauf in den schönen Aargau. Mit ihm kam Muri 1454 wegen des Hofes in Lippliswald das erste Mal in amtliche Unterhandlungen. Seine Neffen Hans, Hans Ulrich und Hans Rudolf hatten mit Muri 1462 einen Streit und mussten wegen misslicher Vermögensverhältnisse mehrere Verkäufe abschliessen348. Endlich traten Hans und Hans Rudolf am 2. September 1484 den Kirchensatz und die Kirche des hl. Stephan und Leonhard in Wohlen mit allen Rechten für ewige Zeiten als eine freie Gottesgabe wie auch den Rütihof, auf dem der Kirchensatz haftete, für 250 Gulden an das Kloster Muri mit der Bestimmung ab, dass Abt und Konvent 10 Gulden für sich selbst behalten und (I-249) dafür den Jahrtag der Herren von Wohlen, Stifter der Kirche, wie auch den der Herren von Greifensee in der Frohnfasten im Herbste mit gesungener Vigil und gesungener Seelenmesse abhalten sollten349.

Jakob von Cham, Propst in Zürich, der die Pfarrei inne hatte und durch einen Vikar versehen liess, gab sie nach abgeschlossenem Handel sogleich in die Hände des Abtes von Muri350. Der Vikar des Propstes, Johannes Seckler, wurde Leutpriester, und starb als solcher 1508.

Die alte Pfarrkirche in Wohlen, dem Kloster Muri am 17. Mai 1485 einverleibt351, stand in den ältesten Zeiten nahe beim Flüsschen Bünz352. Sie war jetzt baufällig geworden. Abt Johannes I. liess daher an der Stelle, wo sie heute steht, eine neue bauen.

Nicht ferne von Wohlen ist die Pfarrei Villmergen mit ihren drei Filialen. Nach dem Tode des Pleban Werner Hürzel (1506) erschien in Muri ein Werner Göldlin mit einem auf die Pfarrei Villmergen ausgestellten Wartbriefe des Papstes vom Jahre 1506. Abt und Konvent verliehen ihm ohne Anstand die Pfründe. Aber jetzt kam ein Zweiter mit ähnlichem Wartbriefe (ausgestellt am 23. Jänner 1507)353 für diese Pfarrei, nämlich Rudolf Schillink. In diesem Wartbriefe heisst es: Göldlin habe, bevor sein Brief in Kraft getreten war, auf die Pfründe in Villmergen verzichtet. Johannes Manz, Propst in Zürich, war Vollstrecker des Schillink-Briefes und ging zum Bischof von Constanz. Dieser befahl nun dem Dekan des Kapitels Lenzburg-Mellingen, dass er Rudolf Schillink in die Villmerger Kirche einführe und ihn als Mitbruder des Kapitels aufnehme. Muri wusste als Collator vom Rücktritte Göldlin's nichts und war über das Vorgehen des Bischofs betroffen; wollte aber in Rom keine Klage einreichen, weil der Abt Johannes II. gerade die Bitte um Gewährung der Pontifikalien dahin hatte abgehen lassen. Göldlin anerkannte seinen Fehler und versprach am 29. Mai 1507 schriftlich: er wolle seine allfälligen Rechte und Anforderungen auf die Kirche in Villmergen, ohne dem Gotteshause Muri lästig zu fallen, allein zu behaupten suchen. Er wurde jedoch abgewiesen, und so kam 1508 Schillink in den ruhigen Besitz der Pfarrkirche.

Die Kaplaneipfründe U. L. Frau in Villmergen, ebenfalls (I-250) eine Collatur unseres Klosters, verlieben im Jahre 1460 Abt und Konvent dem Herrn Heinrich Bullen. Dieser unterzeichnete eine Schrift, worin er unter Anderm gelobt: „Ich soll auch in der Woche vier Messen haben, am Sonntag, Montag, Mittwoch und Freitag. Und wenn ein Leutpriester Mess hat, so will ich dann diesen Tag auch Mess haben. Ich soll mich befleissen, mit ihm (selbe) zu haben; es wäre denn, dass er das Gotteswort thun wollte, dann soll ich warten, bis das Gotteswort ein Ende hat“354.

Zu besserer Dotirung der Pfarrpfründe in Eggenwil hatte Muri jährlich 40 Stück angewiesen, womit sich Martin Böschin bei der Uebernahme der Pfarrei zufrieden stellte. Allein bald darnach (1445) verlangte er, dass Muri die Pfründe aufbessere. Zufolge eines Spruches der Eidgenossen (1457) musste das Kloster den 40 Stück noch 4 Mütt Kernen beigeben. Der Leutpriester, Johannes Murer, hinterliess 1470 folgende Beschreibung vom Einkommen dieser Pfründe: Muri (der Collator) gibt 27 Stück Kernen, 10 Malter Hafer, 4 Stück „Fassmuss“ (Hülsenfrüchte) und 3 Saum Wein, ferner den Zehenten von Niederhart und, wenn der Leutpriester zu Eggenwil haushälterisch ist355, 100 Garben Stroh. Das sog. „Laurenzengut“ (Widdumsgut) warf 4 Mütt Kernenzins ab356.

Von Eggenwil kommt man über Zuffikon nach Lunkhofen. Diese Pfarrei fasste damals zugleich die zwei Pfarreien Berikon und Jonen in sich. Muri kam in den vollen Besitz dieser Pfarrkirche im Jahre 1414. Dem abdankenden Pfarrrektor, Johannes Sure, musste Abt Georg nach Bremgarten jährlich 40 Malter Hafer, 40 Mütt Kernen und 40 Hühner leibgedingungsweise entrichten357. Jedoch konnte Muri hievon einige Artikel abziehen. Das Übereinkommen enthielt auch einen Vorbehalt hinsichtlich des Hauptbriefes wegen obigen Leibgedinges, worin aber nur die Herrschaft von Österreich und der Bischof von Constanz Abänderungen machen konnten358.

Dem Johannes Sure folgte als erster Pleban und vom (I-251) Kapitel in Muri gewählt, Burkard, gebürtig von Lunkhofen. Das Kloster übergab demselben mit Erlaubniss des Bischofs von Constanz die Pfarrei359. Hänsli Bürgi stiftete 1461, um die ausgedehnte Pfarrei besser pastoriren zu können, daselbst eine Kaplanei zur Ehre der hl. Katharina und gab hiefür fünf Mütt Kernen jährlichen Zinses. Die Gaben mehrten sich rasch. Muri und Johannes Christen, Vogt des Kelleramtes, gestatteten den Pfarrgenossen, die Gründung der Kaplanei abzuschliessen, wenn sie dem bereits vorhandenen Einkommen 10 Stück hinzufügen und die weitere Sorge für diese neue Pfründe, wofür ihnen dann die freie Wahl des Kaplans überlassen werde, übernehmen. Diese versprachen und leisteten das Verlangte, und so erfolgte schon am 30. Mai d. J. die kirchliche Bestätigung in Constanz360. Doch später riss Bremgarten, als Zwingherr der Pfarrei, die Wahl des Kaplans an sich, und so musste Muri als Collator im Jahre 1706 für die Erneuerung des Stiftsbriefes sorgen361.

Dem Leutpriester Burkard scheint in Lunkhofen als solcher Werner Sager gefolgt zu sein. Er war ehemals erster Kaplan dar neuen Spitalpfründe in Bremgarten und versah die Pfarrei von 1429-1409 mit vielem Lobe. Als Nachfolger hatte er Johannes Locher und Johannes Scherer362. Letzterer beklagte sich über das zu geringe Einkommen der Pfründe. Ein Schiedsgericht, bestehend aus Stephan Maier, Dekan des Kapitels Bremgarten, und Felix, Bürger in Muri, sprach 1471: Abt Hermann in Muri soll dem genannten Pleban nebst dem gewöhnlichen Einkommen noch 4 Malter Hafer, 2 Saum Wein und 2 Ferkel verabreichen; ihm gehören auch die Fastnachthühner „ab dem Holze“ oder dafür ein Pfund Haller. Fehlt der Wein, so gibt Muri für jeden Saum 6 Viertel Kernen; Scherer besorge dann die Pfarrei persönlich, wage es nicht, die Pfarreinkünfte zu veräussern und soll wissen, dass ihm und seinen Nachfolgern die Besorgung des Gottesdienstes der mit der Pfarrkirche von Lunkhofen vereinten Kapelle des hl. Mauriz in Berikon obliege363. Nach 10 Jahren (1481) verzichteten Abt und Konvent auf das ihnen zustehende Erbrecht vom Nachlasse dieses von ihnen belehnten Kirchherrn und Leutpriesters364. (I-252) Nach Verlauf von wieder 10 Jahren beanspruchte dieser Leutpriester das Zehentrecht aller Neubrüche in der ganzen Pfarrei; was ihm Bürgermeister und Rath in Zürich auch zusagten365. Endlich erhob dieser Herr noch Ansprüche auf eine der Muricollaturen in Sursee; wurde aber, wie bereits gemeldet, abgewiesen366.

Schwieriger noch waren die Verhältnisse in Betreff der Collaturen in Sursee und in den Filialen dieser grossen Pfarrei. Die Geistlichkeit daselbst war im Anfange des 15. Jahrhunderts eifrig für die Pflege des religiösen Lebens besorgt. Der Pleban Nikolaus Rot liess seit 1421 jeden Samstag das „Salve Regina“ singen, wofür ihm Bischof Otto III. von Constanz besondere Ablässe ertheilte367. Die grösste Glocke läutete man schon seit 1359 am Freitage zum Andenken an das bittere Leiden Jesu Christi368. – Die zwei Mannlehen, welche Muri dort besass369, und wovon eines von der Kirche in Sursee herrührte und der Luzerner Regierung gehörte, bereiteten unserm Gotteshause keine besondern Verlegenheiten370. Dagegen waren verschiedene Streitigkeiten wegen Zehenten auszutragen, so wegen des Mooszehenten zu Adelwil371, wegen Zehentbezug in Oberkirch mit dem Kloster St. Urban und wegen „Verquartung“ des Laienzehentens in Sursee372. Die Besitzer des Hofes Wartensee mussten laut Spruch der Regierung von Luzern (1508) dem Abte von Muri jährlich ein Fastnachthuhn entrichten, weil ihr Hof zum Kirchspiele Sursee gehörte. Pfrundherr Rudolf Asper klagte wegen zu geringen Einkommens373. Der Bischof von Constanz befahl in Folge dessen dem Kloster Muri vermöge eines Schiedsspruches, dass es zum gewöhnlichen Einkommen noch 8 Malter beigebe; doch soll der Spruch nur für diese Person Geltung haben374. Diesem Asper, der zugleich Dekan des dortigen Landkapitels war, brannte innerhalb fünf Jahre zweimal das Pfrundhaus U. L. Frau ab. Muri gab ihm als (I-253) eine freiwillige Gabe zwei Malter375. – Doch schon im Jahre 1472 stand er, in Verbindung mit Johann Schertweg, Kaplan des St. Niklausen Altars in Sursee, wegen Zehenten im Streit mit unserm Gotteshause376. – Im Jahre 1460 wollte der Muri-Konvent den von der Kirchengemeinde in Sursee ernannten Leutpriester, Johannes Wagmann, dem Bischofe nicht präsentiren, indem er die Wahl des Leutpriesters daselbst ansprach. Schiedsleute, aus der Luzerner Regierung genommen, erklärten aber: der Kirchgemeinde von Sursee gehöre die freie Wahl und das Gotteshaus in Muri habe das Präsentationsrecht377. Nach diesen ausgesprochenen Sätzen handelten künftig die Surseer und der Muri-Konvent378.

Zur Pfarrei Sursee gehörte auch Nottwil mit einer Kapelle Unserer Lieben Frau. Diese erscheint schon 1275 (Capella in Otwile). Der Geistliche in Sursee, der sie besorgte, bezog von ihr 3 Pfund und 8 Schilling und musste damals nach Vorschrift den 10. Theil an die Kreuzzüge versteuern379. Cysat schreibt 1590 von dieser Kapelle: „Die Erbauungszeit dieser Kapelle ist ungewiss; allein sie ist sehr alt und eine gnadenreiche Gottesstatt der vielen Wunder wegen, die durch die Fürbitte der Mutter Gottes an diesem Orte geschehen“. – Im Jahre 1322 kam sie nebst der Collatur und Vogtei an das Stift Schönenwerd. Der Kaplan der dortigen Johannespfründe musste die Pflicht auf sich nehmen, den Gottesdienst in Nottwil, wie er bis dahin war, zu besorgen.

Ein Bürger von Nottwil machte 1441 eine grössere Vergabung, und seine Nachbaren hegten nun mit ihm den sehnlichsten Wunsch, das Kirchlein von dem Stifte Schönenwerd frei zu machen, zumal sich dasselbe in Bau und Licht jetzt selbst erhalten konnte. Seine Herren veräusserten es 1461 an die U. L. Frauenpfründe in Ruswil, mit der Bedingung, dass der Kaplan wöchentlich eine hl. Messe in Nottwil halte. Die Gaben mehrten sich wegen der zunehmenden Wallfahrt, und so erstanden endlich am 16. November 1494 die Nottwiler um 130 Gulden die Kapelle. Den Kauf genehmigte der Rath in Luzern mit dem Zusatze: „dass, wenn je in Nottwil ein Beneficium errichtet wird, das Wahlrecht der Regierung zustehe“380. Die baufällige Kapelle wurde 1497 mit Hilfe (I-254) der Regierung neu erstellt, und die Abhaltung des Gottesdienstes, die Rechte auf den Opferstock, wie auch das Verhältniss der Kapelle zur Mutterkirche in Sursee erhielten durch besondere Artikel eine Regelung. Allein diese Artikel fanden bald Widerspruch in Sursee und Muri. Die Luzerner Regierung schlug den Streit aber durch einen Machtspruch nieder, indem sie verordnete: weder der Abt in Muri, noch der Leutpriester in Sursee381, noch die drei Kapläne daselbst sollen dem Opferstocke und der Nutzung der Kapelle einen Eintrag thun; zur Wahl eines Priesters für diese Pfründe kommen die Bewohner von Nottwil, Ei und anderen Orten, welche Wohlthaten spendeten, zusammen und präsentiren den Gewählten dem Rathe in Luzern; ist aber der Gewählte der Obrigkeit nicht genehm, so haben die Nottwiler von dieser einen andern anzunehmen382. Auch betreffs der Kapellrechnungen machte die Regierung (1502) Bestimmungen. Ihr Vermögen war bis 1600 auf 2384 Gulden angewachsen. Den Gottesdienst, wie auch die Kirchweih, das Fest U. L. Frau und das Lesen der gestifteten Jahrzeitmessen hatten die „Vierherren“ (die 3 Kapläne mit dem Leutpriester) in Sursee zu besorgen, was aber später, wie erzählt werden wird, viele Streitigkeiten verursachte383.

Mit der Kirche in Sursee war auch die Zehentherrlichkeit von Neuenkirch, jedoch ohne dortigen Kirchensatz, verbunden. Zufolge einer Bitte der Luzerner Regierung versprach Abt Georg von Muri (3. Juni 1420) sechs schuldige Malter bis auf seinen Wiederruf den Neuenkirchern zu belassen384, was aber bis 1496 blieb. In diesem Jahre trennten sich die Neuenkircher von ihrer Mutterkirche in Sursee für immer; sie gelobten jedoch, die Zehentrechte des Muri-Klosters ungeschmälert zu belassen. Dann bestimmte die Luzerner Regierung: „Weil die Seelsorgslast den Vierherren jetzt erleichtert worden sei, sollen dem Pfarrer von Neuenkirch aus dem Murizehent daselbst künftig 12 Malter zugewiesen sein, und das dortige Cistercienser Frauenkloster erhalte das Collaturrecht der neuen Pfarrei. Dieses ging aber im 16. Jahrhundert auf das Kloster Rathhausen über, weil die Frauen von Neuenkirch sich mit diesem Gotteshause vereinigten385. (I-255)

Kaum hatten die Neuenkircher die Lostrennung von Sursee erlangt, so begannen sie den Bau ihrer Pfarrkirche. Hiezu begehrten sie aber vom Kloster einen angemessenen Beitrag. Der Konvent beschwerte sich durch Johannes Fyrabend und Georg Flecklin beim Rathe in Luzern über diese Forderung der Neuenkircher, zumal Muri das Collaturrecht nicht hatte. Der Rath sprach sich dahin aus: Der Abt von Muri zahle dem Leutpriester von Neuenkirch jährlich an die Pfründe 12 Malter. ohne weitere Verbindlichkeit an die Kirchgenossen, und Muri bleibe im Übrigen bei seiner Gerechtigkeit geschirmt; die Frauen von Neuenkirch aber sollen den Chor in Ehren halten, während die Pfarrgenossen den äussern Theil der Kirche besorgen386.

Endlich kommen wir zur St. Goarskirche in Muri. Diese entrichtete im 15. Jahrhundert dem Kloster 10 Schill. und 2 Viertel Kernen387. Sie erhielt damals mehrere Stiftungen, die ein Pfleger verwaltete, die jedoch nicht ausreichten, um die Kirchenzierde und das Öl für das ewige Licht zu beschaffen. Daher musste Abt Ulrich vermöge eines schiedsrichterlichen Spruches dieser Kirche jährlich zwei Malter Kernen für den Unterhalt des Lichtes zukommen lassen, ohne dann eine weitere Verbindlichkeit für deren Ausschmückung zu haben388. Drei Jahre früher hatte ein anderes Schiedsgericht einen Streit zwischen dem Kloster und Hug Rüsperger, Dekan und Leutpriester zu Muri, wegen Pfründeinkommens (Weinzehent) und Erbrechtes des Klosters geschlichtet389. Die oben erwähnten 2 Malter Kernen für das ewige Licht löste Abt Hermann im Jahre 1470 mit 40 Gulden ab390. Die sogen. „Widme“ der Pfarrkirche und der Kapellen in Aristau und Waleswil bezog das Kloster; allein der kleine Zehent und der Zehent der Acker zwischen dem Kloster und dem Leutpriesterhause, ebenfalls „Widme“ genannt, gehörten zum Einkommen des Pfarrvikars391. Die besondere Wohnung des Muri-Leutpriesters ist schon 1292 angedeutet; sie hiess 1415 „Hofstatt“. Der Neubau des Abtes Johannes II. (I-256) wollte aber dem damaligen Pfarrer, wie gesagt wurde, nicht entsprechen.

Von den vier unserm Gotteshause inkorporirten Kapellen Hermetschwil, St. Martin (in Boswil), St. Anna (in Wohlen) und Attiswil (Pfarrei Sins), wurde die in Hermetschwil wieder zur Pfarrkirche erhoben, wie sie es in den ältesten Zeiten gewesen. Im Jahre 1412 ist sogar von einem zweiten Altare, der St. Niklausenpfründe, daselbst die Rede. Den Leutpriester wählten Abt und Konvent in Muri, den Kaplan hingegen die Meisterin und die Frauen in Hermetschwil. Den so gewählten Kaplan, Rudolf Koch, präsentirte Abt Georg (1412) dem Bischof von Constanz. Dieser fügte der Bestätigung die Bedingung bei, dass der Pfarrei kein Eintrag geschehe392. Der Züricher Krieg muss jedoch beiden Pfründen grossen Schaden zugefügt haben, indem trotz der vielen Gaben393, die flossen, und trotz des Eingehens der Kaplaneipfründe das Einkommen für den Leutpriester nach 50 Jahren zu gering war. Abt Ulrich forderte daher die Frauen 1457 auf, die Aufbesserung der Pfarrpfründe zu übernehmen. Diese weigerten sich dessen und erzürnten den Prälaten so, dass er nicht mehr ihr Oberer sein wollte. Am 15. September d. J. sprach dann in dieser Sache ein Schiedsgericht in Zürich: 1. Der Abt von Muri bleibe Oberer der Klosterfrauen wie bisher und gebe ihnen und ihren Unterthanen, welche in die Leutkirche nach Hermetschwil gehören, einen Priester; 2. zu den früheren 20 Stück vom Kloster Muri gibt Hermetschwil noch 6 Mütt nebst dem Opfer und der üblichen Verabreichung von Speis und Trank; 3. kommen beide Klöster in grosse Armuth, so möge der Bischof hierüber entscheiden394. Dieser Rechtsspruch wurde das folgende Jahr, am 26. Oktober, dahin erweitert, dass der Leutpriester für Hermetschwil zunächst aus der Mitte des Konventes von Muri genommen werde, und erst, wenn kein Tauglicher sich dort finde, möge ein geeigneter Weltpriester die Pfarrei versehen, aber nur so lange, bis wieder genügend Priester in Muri sind395. (I-257)

Ob nun sofort Muri-Konventualen als Leutpriester in Hermetschwil thätig waren, ist uns nicht bekannt; es sei denn, dass die Herren Heinrich und Johann in diese Zeit fallen396.

Wie von den drei andern, oben genannten Kapellen hören wir auch nur Weniges aus diesem Jahrhunderte von der Kapelle in Ätiswil. Die Zehenten des Hofes in Farni wollten nämlich Paulin Frankenhofer, Leutpriester in Sins, und Heinrich Füchslin, Kirchherr in Oberrüti, dem Abte Ulrich in Muri wegnehmen: ein Schiedsgericht sprach sie jedoch alle dem Kirchlein, also Muri, zu397.


  1. Hist. nigræ silvæ II., 173 ff.

  2. Auch Dr. Glatz beklagt den Verfall der Zucht in Alpirsbach im 14. Jahrhundert, S. 75 ff. Vgl. das Leben der Mönche in Curwalden (Argovia VIII, 175 ff.).

  3. Der Afterpapst Clemens VII. hatte in der Diöcese Constanz nach 1386 noch viele Anhänger (Glatz, Alpirsbach, S. 72 u. s. w.).

  4. Im alten Hermetschwiler Nekrologium konnten wir aus der Confraternität kaum drei Namen des 14. Jahrhunderts finden.

  5. Cherubini, Bullarium, T. I., 241; Gerbert, Hist. nigræ silvæ II., 173 ff.; Benediktiner-Studien IV., 2, 278 ff.

  6. Annales Hirsaugienses ad annos 1336 et 1340. Anders scheint es jedoch in Österreich und Bayern damals gewesen zu sein (vgl. Bened. Studien IV., 2, 279 ff.).

  7. Tractatus de Congreg. O. S. B., Msc. in Gries, S. 58 ff.

  8. In der Umwandlungsurkunde des Klosters in Luzern (22. Mai 1455) in ein Collegiatstift heisst es unter Anderm: „tempore professionis huiusmodi aut etiam ante vel post nulla eis (monachis) regula legitur vel exponitur“ (Geschichtsfrd, XXIII., 16).

  9. Bern. Petz, Bibliotheca ascetica, Præfatio.

  10. Vgl. Beigabe, Katalog.

  11. Die vorzüglich in Muri vertretenen Adelsgeschlechter sind: Schönenwerd, in Zürich und Bremgarten verburgrechtet; von Mülinen in Brugg; Seengen, Wile, Ballwil, Eschenz, Remingen, Gessler etc.

  12. Placidus Weissenbach, Schulbericht, Jahrgang 1856-57, vgl. auch Urkunde vom Jahre 1311 (s. oben, Seite 156, 157).

  13. Archiv Muri in Aarau.

  14. Vgl. oben, S. 129, 145.

  15. Daselbst S. 223-239. Öhler konnte vier Pergamentstreifen ablösen; sie sind 8-9 cm. breit und 40 cm lang. Sie waren ursprünglich länger. An der Schrift lassen sich vier Hände erkennen, die aber so schrieben, dass die Streifen als Rolle beim Spiele verwendbar waren, von unten nach oben umgeschlagen werden konnten. Die Schriftzüge sind schön und deutlich. Diese wie auch die Sprache und Reinheit des Reimes deuten auf den Anfang des 14. Jahrhunderts.

  16. Argovia VIII., 174, 242. – Im Jahre 1341 übernahm Johannes als junger Priester die Leitung der Abtei Curwalden in Rhätien (daselbst, s. 146).

  17. Dieses Trauergedicht: „Versus R. de Liebegge, Scolastici Beronens., de morte Alberti regis Romanorum“ ist abgedruckt und in deutschen Hexametern übersetzt in „Heinrich III. von Brandis, Abt zu Einsiedeln und Bischof zu Constanz“ (S. 11 und 12), von P. Ans. Schubiger.

  18. Argovia VIII., 242.

  19. Quellen zur Schweizergeschichte III., Kloster Muri, S. 167-184; vgl. Vorwort, A.

  20. S. oben, S. 156.

  21. S. oben, S. 160.

  22. Bibliothek in Gries.

  23. Ecclesiast., p. 610.

  24. Kurz und Weissenbach, Beitr. I., 48, 51.

  25. S. oben, S. 158.

  26. P. Gr . Meng, Landkapitel Mellingen, S. 68, 84.

  27. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 127, 129.

  28. Kapitel 1, 2, 65.

  29. Dasselbe geschah auch in einem Streite zwischen Abt u. Konvent in Ottenbeuern i. Jahre 1408 (P. Maur. Feyerabend, Ottenbeuern II., 552).

  30. Unter diesen, welche „kappen antragent“, sind die Novizen und Kleriker verstanden, die nach abgelegter Profession auf die Priesterweihe warteten.

  31. „Zu der alten Pfrund“, sagt die Urkunde.

  32. Geschichtsfreund X., 245 ff.

  33. Ecclesiast., S. 161. Die Urkunde, worauf P. Anselm sich beruft, konnten wir nicht auffinden.

  34. P. Ans. Weissenb., Eccles., p. 162.

  35. Eidgenössischen Abschied I., 209.

  36. Geschichtsfrd. X., 246-248, und Tafel mit Bauplan.

  37. Die Urkunde vom 17. Jän. 1402 spricht von Häusern u. Stuben. Diese Ansicht bestätigt auch der spätere Verlauf dieser Geschichte.

  38. Archiv des Frauenklosters Hermetschwil.

  39. Archiv der Frauen und ältestes Nekrologium derselben.

  40. An der Urkunde vom Jahre 1349, obwohl Hedwig von Luwar darum gebeten wurde, hängt das Siegel der Meisterin nicht; die Meisterin Elisabeth bittet 1357 den Abt von Muri um das Siegel, weil sie keines hat (Archiv der Frauen in Hermetswil).

  41. Helvetia sacra II., 77.

  42. Wie z. B. Verena Businger (27. Juni), Katharina von Mure (8. August), Agnes Sarnerin (4. Nov.), Agnesa von Geltwil (20. Juni); selbst Hädwig von Brugg (22. April) wird einfache Bürgerstochter gewesen sein, und wenn die Meisterin Elisabeth I. von jenem Stegen in Rottenschwil am linken Reussufer entsprossen, so war sie die Tochter freier Leute (Arch. Hermetschwil).

  43. Dr. Herm. v. Liebenau, Agnes, S. 132.

  44. Ältestes Nekrologium.

  45. P. Aug. Stöcklin, Miscell., 277; Hermetschw. Nekrologium, S. 27.

  46. Archiv der Frauen in Hermetschwil.

  47. Archiv des Klosters Hermetschwil. Die Räthe sind: Rudolf von Hewen, Propst zu Münster; Graf Ott von Thierstein, Landrichter im Thurgau; Peter von Thorberg, Rudolf von Aarburg, Freie; Henmann von Rinach; Rudolf von Hallwil, Ritter; Rudolf von Bonstetten u. s. w.

  48. P. Anselm Weissenbach, Eccles., p. 164. Statt „Fridolin“ muss daselbst Friedrich gelesen werden. (Stöcklin, Miscell., p. 189; ferner Urkk. von 1419 und 1427, und auch das Jahrzeitbuch von Ruswil aus dem Jahre 1410 hat „Her Friederich zum Tor, Propst zu Mure“). Herr Kember, der 1409 exulirte Kapitular, war nicht zur Wahl erschienen, obwohl er später urkundlich wieder vorkommt.

  49. Es liegen keine sichern Anhaltspunkte vor, dass die Russinger, wie Stumpf und P. Anselm Weissenbach sagen, Edle, nämlich Truchsessen der Grafen von Rapperswil gewesen seien. Indessen waren männliche und weibliche Glieder dieses Geschlechtes in verschiedene Orden getreten und hatten in denselben höhere Stellen bekleidet (v. Mülinen, Helvet. sscra). Der seinem Siegel beigegebene Löwe, den er nach erhaltenem Schirmbrief der Eidgenossen (1431) beseitigte, sinnbildete, dass Muri ein Habsburger Stift sei.

  50. Annales, p. 373; Murus et Antem. IV., 63, 64.

  51. Archiv Muri in Aarau, C, 1. H; P. Augustin Stöcklin, Miscell., p. 431. „Datum Bononiæ VI. Id. Martii, Pontificatus nostri anno primo“, Papst Johannes XXIII. wurde am 17. Mai 1410 gewählt und am 25. d. M. gekrönt.

  52. Argovia X., 12 ff.; Otto Henne-Am-Rhyn, Geschichte des Schweizer Volkes I., 357; Tschudi, Chronik II., 13; Eidgenössische Abschiede I., 143 ff.

  53. Schmid, Geschichte von Uri, S. 38, 40.

  54. Bern begnügte sich mit den selbständig eroberten Städten und Ländern; Uri trat 1532 nach Besiegung der Reformirten als VII. Ort in die Vogtei der Freiämter ein. Die Ämter Richensee, Sarmenstorf und Villmergen, welche Luzern allein erobert hatte, kamen nach längerm Streite zu den Amtern Maienberg, Muri u. s. w.

  55. Nach der Urkunde vom 18. Dezember 1415 liess Zürich wirklich die übrigen Stände Luzern (Uri wegen Baden), Schwyz, Unterwalden, Zug und Glarus in die Pfandschaft eintreten (Eidgen. Abschiede II., 156).

  56. Stadtarchiv Bremgarten (Argovia VIII., S. 9).

  57. Die Urkunde sagt nämlich: „Das für Uns kommen ist der ehrsame geistliche Jörg, Abt des Klosters ze Mure“.

  58. Murus et Antem. II., 20; Gallia christ. V., 528; Kurz und Weissenbach, Beitr. I., 449. Wenn P. Ans. Weissenbach (Eccles., p. 81 ff.) glaubt, König Sigmund habe zufolge dieser Urkunde Muri zu einem Reichskloster eines freien Reichsprälaten gemacht, so ist er in seiner Ansicht zu weit gegangen.

  59. Archiv Muri in Aarau und Gries.

  60. Annales, p. 370; s. oben, S. 179.

  61. Als erster Landvogt in die Ämter Muri, Wohlen etc. kam Jakob Menteler aus Luzern, der von 1415-1418 im Namen der VI Stände selbe regierte und die ehemals österreichischen Gefälle einzog (Eidg. Abschd.; Segesser Rechtsgesch. II., 69; Arch. Muri in Aarau).

  62. Ersatzsumme bei rückgängigen Käufen.

  63. Luzern, Rathsbuch III., 60 b; Eidgen. Abschd. (ältere Ausgabe) II., 219, 226.

  64. Eidgen. Abschd. (ältere Ausg.) II., 44., 45.

  65. Eidgen. Abschd. (zweite Aufl.) I., 197.

  66. Einsiedeln wählte nur die zwei Stände Schwyz und Zug; Engelberg empfing am 11. Nov. 1465 den Schirm der Orte Luzern, Schwyz und Unterwalden (Segesser, Rechtsgesch. II., 48, 49).

  67. Archiv Muri in Aarau; Murus et Antem. I., 50-53.

  68. Eidgen Abschd. II., 80.

  69. Eidgen Abschd. II., 4; Argovia X., 42.

  70. Eidgen Abschd; II., 231, 232; Rochholz, Aarg. Gessler, 134.

  71. Eidgen. Abschd. II., 93, 94; Kurz und Weissenbach, Beitr. I., 453-460.

  72. Segesser, Rechtsgeschichte II., 60; Staatsarch. Obwalden.

  73. Solch' einen Rathsboten begehrte Muri noch 1798 und erhielt ihn in der Person des Martin Am-Rhyn (Arch. Muri in Gries).

  74. Nämlich: 1. Maienberg, 2. Richensee-Hitzkirch, 3. Muri, 4. Bettwil, 5. Boswil, 6. Sarmenstorf, 7. Krummamt (Waltenswil, Bünzen, Besenbüren, Rotenschwil, Hermetschwil mit Staffeln, Eggenwil, Göslikon und Visibach), 8. Villmergen, 9. Hägglingen, 10. Bublikon. Diese Amter erhielten erst in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts den Namen Freiämter, wozu auch die Städte Mellingen und Bremgarten mit ihren Dörfern gehörten. Der Krieg von 1712 theilte sie in zwei Theile, in das untere und obere Freiamt, wobei Boswil in 1/3 und 2/3 getheilt wurde (Arch. Muri in Gries).

  75. Segesser, Rechtsgeschichte II., 57, 58,

  76. Die von Bremgarten befand sich in dem Walde an der öffentlichen Strasse zwischen Bremgarten und Wohlen.

  77. Eidgen. Abschd. II., 103.

  78. Arch. Muri in Aarau L, 2. E., 2. Die übrigen Richter waren: Hans von Itental, Untervogt in Boswil, Ueli Kirsener, Hans Nägeli von Villmergen, Jenni Imhof, Ueli Innwile, Ueli Ambüel, Hänsli Imhof.

  79. Egb. Fr. v. Mülinen, Helvet. s. I., 226.

  80. Arch. Muri in Aarau; P. Ans. Weissenb., Eccles., p. 292.

  81. Die Bulle hatte wahrscheinlich Johann Molitor, Kirchherr zum Emberfeld und Kaplan an der Leutkirche zu Villmergen, von Rom gebracht (Arch. zur Schweizer Gesch, II., 82).

  82. S. oben, S. 171, 172.

  83. P. Ans. Weissenbach, Eccles., p. 17.

  84. Arch. Muri in Aarau; P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 433.

  85. Die Pfarrkirche – der neue Kirchensatz – von Hermetschwil war dem Kloster Muri nicht einverleibt.

  86. Arch. Muri in Aarau; P. Aug. Stöcklin, Miscell., 396, 436; Eccles, 103.

  87. Arch. Muri in Aarau; P. A. Stöcklin, Miscell., p. 436,

  88. Datum Florenz Non. Martii 1435 (Arch. Muri in Aarau; P. Aug. Stöcklin, Miscell., 445).

  89. Erzbisch. Arch. Freiburg i. Br., Liber Copiarum AA, p. 192 u. 183-187.

  90. Erzb. Arch. in Freiburg i. Br. – Muri behauptete zwar vor dem Bischofe, diese Annaten nicht schuldig zu sein, weil jeder neugewählte Abt ihm nach dem Einkommen des Klosters schon eine Steuer entrichte; allein die Zuvorkommenheit des Bischofs bewog den Abt Georg, von seiner Ansicht abzustehen, und so wurde dieser friedliche Vergleich verbrieft (Arch. Muri in Aarau, P. Ans. Weissenb., Eccles., 497).

  91. Dieser Revers kam später in das Archiv Mörsburg und von dort als Regest nach Solothurn (Mitth. von Theod. von Liebenau).

  92. Vgl. von Schreckenstein, Die Insel Mainau, S. 70, Anm. 2.

  93. Erzbisch. Arch. in Freiburg i. Br.; Auszug im Archiv Muri in Gries.

  94. Archiv Muri in Aarau. Friedrich II. hängte seinen Schirmbrief dem des Bischofs Marquard vom Jahre 1405 „per transfixum“ an.

  95. Weisthümer IV., S. 4.

  96. Abgegangener Hofname im Kt. Zug am Zugersee. – Ehemals galt diese Offnung auch für den Hof in Böllinkon.

  97. Arch. Muri in Aarau; Argovia IV., 292-295. Die fast gleichzeitig niedergeschriebene Offnung von Hermetschwil ist dieser ähnlich (Argovia IV., 239-242).

  98. Beromünster Urk. vom 25. Mai 1223 (Geschichtsfrd. XXVIII., 316-318).

  99. Ähnlich, wie auf den Landsgemeinden zu Uri u. Unterwalden.

  100. Nahe beim Kloster Muri.

  101. Zeugen waren: Herr Niklaus, der alte Leutpriester in Cham, Dekan des Dekanats Bremgarten; Heinrich Bar, Notar und Schreibmeister zu Bremgarten; Heini Propst von Staffeln, Ammann zu Hermetschwil; Heini Brem, des Gotteshauses Ammann zu Gangolfswile; Henni Senn, Kühmatter; Jenni Schwab; Hensli Merz, der ältere, beide von Visbach; Ulrich Rey von Kryenbüel; Ruedi Spiller von Aristau; Hensli Mental; Ruedi Maier von Muri; Ulrich Kaufmann von Muri, Ammann, der auch hiefür Richter war. - Friedschatz, Fall und Ehrschatz waren als Abgaben im Vergleich zu den heutigen Staatssteuern sehr gering.

  102. Luzerner neues Rathsbuch, Fol. 68, b.

  103. Argovia IV., S. 313, Aargauer Offnungen von Welti.

  104. S. oben, S. 51 ff.

  105. Die Schreibweise dieses Namens ist verschieden: Gangolz wilare, Gangoltswile, Gangolfswilare, Gangolfswile. Zurlauben meinte, der Name, stamme vom hl. Gangolf her (Stadlin, Kt. Zug II., 138).

  106. Stadlin, Kt. Zug II., 55, 139 ff.

  107. Arch. Muri in Aarau Q, 14, E, 2.

  108. Stadlin, Kt. Zug II., 139, Anm. 17; Geschichtsfrd. XXXIII.,

  109. Pfeiffer, Habsb.-Österr. Urbar, Lit. Verein in Stuttg. XIX, 89.

  110. Stadlin, Kt. Zug II., 141, Anmerk; 21 ff.

  111. Geschichtsfrd. XXXIII., 142.

  112. Geschichtsfrd, XXXIII, 27; Stadlin, Kt. Zug II., 125.

  113. Stadlin, II. 141, Anmerk.

  114. Geschichtsfrd. XXVIII., 25.

  115. Archiv Muri in Aarau Q, 4. E, 1.

  116. P. Anselm, Eccles., p. 164.

  117. Staatsarchiv Zürich. Die Urkunde nennt 14 Zunftmeister der Stadt.

  118. P. Anselm, Eccles., p. 168.

  119. Staatsarchiv Zürich; gleichzeitige Abschrift im Archiv Muri in Gries.

  120. Kelterhaus in den Weingütern oder anderswo.

  121. Zeitschrift für das Schweizer Recht IV., 164-166; Staatsarchiv Zürich (vgl. oben, S. 182, 183).

  122. Arch. Mttri in Aarau Q, 4. P., 1.

  123. Archiv Muri in Aarau.

  124. Geschichtsfrd. X., 96.

  125. Archiv Muri in Aarau.

  126. Archiv Muri in Aarau. Die dortigen Höfe, ein Enklave von der Pfarrei Boswil und Sarmenstorf, gehören zur Pfarrei Bünzen.

  127. Archiv Muri in Aarau; Eccles., p. 167.

  128. Argovia VIII., 154.

  129. Archiv Muri in Aarau; P. Aug. Stöcklin, Mise., 219.

  130. Archiv Muri in Aaran G, 3. D, 8.

  131. P. Anselm, Eccles., p. 168.

  132. Argovia VIII., 79.

  133. Archiv Muri in Aarau. Die Fertigung geschah in Hermetschwil in Gegenwart des Ulrich von Herrenstein, der die Urkunde siegelte.

  134. Archiv Muri in Aarau L, 1. E, 1; P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 195.

  135. Archiv Muri in Aaran L, 1. H, 7.

  136. Argovia VIII., 131 (irrig 6. für 8. Dezbr. 1437).

  137. Archiv Muri in Aarau.

  138. Argovia VIII., 38.

  139. Stadtarchiv Mellingen, geschehen zu Mellingen.

  140. Eine Vorrichtung zum Fischfange.

  141. Argovia, Jahrgang 1862 und 1863, S. 215. Die Abgeordneten der Eidgenossen sprachen: „Die Vögte (Untervögte) zu Muri u. Maienberg sollen streng befehlen, dass die „Überschlag“ in der Reuss wenig stens ein Drittbeil des Flusses weggethan werden“.

  142. Archiv Muri in Aarau H, 3. L, 2.

  143. Archiv Miuri in Aarau, am 28. Juli 1435. Alle Siegel der acht Tagherren hangen.

  144. D. h. in den Freiämtern; denn dieser Sammelname war für die Ämter Maienberg, Muri etc. noch nicht geläufig.

  145. Die Urkunde ist hier offenbar nach altem Stile (Montag nach Weihnachten 1439) datirt, wornach das Jahr mit Weihnachten (25. Dez.) begann (H. Grotefend, Handbuch der historischen Chronologie, S. 29, 30).

  146. Archiv Muri in Aarau; Rocholz, Aarg. Gessler, 162, 163. Siegler: Wilhelm Gessler, Jungherr.

  147. Archiv Muri in Aarau I, 3. K, 1.

  148. Argovia VIII., 50.

  149. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 277. Schon damals, wie später, wurden die Güter nach allem Anscheine jährlich vor der Ernte geschätzt und demgemäss der Zins bestimmt.

  150. Archiv des Frauenklosters Hermetschwil.

  151. Dem Hans Itenthal siegelte er seinen Lehensbrief (Weihnachten 1424) für die Taferne in Boswil (Gemeindearchiv Boswil).

  152. Staatsarchiv Luzern, Papier, geg. am 12. Sept. 1482.

  153. Stadlin, Kt. Zug IV., 179.

  154. „Excelso, uti erat, animo“, sagt P. Anselm Weissenbach (Eccles., p. 17).

  155. Man beschuldigte ihn, die Grenzen seines Jagdrechtes bei Merenschwand überschritten zu haben (Rathsbuch von Luzern II., 45).

  156. Die Murichronisten liessen ihn bisher 1440 sterben. Die Beweise für 1439 bringen wir sogleich im folgenden Kapitel.

  157. Ecclesiast., p. 170.

  158. Murus et Antemur. IV., p. 64-68. – P. Ans. Weissenb. (Eccles., p. 176) glaubte einzig aus dem Grunde ihn „Holzach“ heissen zu lassen, weil ein Ulrich Holzach bei der Wahl Russinger's 1410 erscheint; lässt es aber unentschieden, ob er derselbe Ulrich sei.

  159. Erzbischöfliches Archiv zu Freiburg i. Br. (Bestätigung seiner Wahl zum Abte). Dieses Archiv hat diesen Ulrich im gleichen Jahre noch einmal als Abt (am 10. Oktober). Die Urkunde vom 28. Dezember 1439 statt 1438 hebt diese zwei angeführten Urkunden im Freib. Archiv nicht auf, und die Annahme, dass sie nach altem Stile datirt, ist hiemit zugleich begründet.

  160. Miscellanea, p. 275.

  161. Zufolge Urkunden möchten es folgende gewesen sein: Ulrich Maier, Ulrich Junker, Hartmann Businger, Imer von Widen, Hermann Bürzel, Johannes Flach, Johannes Recher, Hermann Wissling, Heinrich Gon und Benedikt Locher.

  162. Erzb. Archiv in Freiburg i. Br.

  163. Murus et Antem. I., 23-26.

  164. Archiv des Frauenklosters Hermetschwil. Am 9. Juni 1447 handeln die Frauen anstatt mit Einwilligung des Abtes mit „Wissen und Willen ihres geschworenen Ammanns, Heinrich Müller von Mandrach“. Diese Urkunde ist in Argovia VIII., 118 unrichtig datirt.

  165. Argovia VIII., 29; Archiv Muri in Aarau.

  166. Eidgen. Absch. II., 197 ff.

  167. Staatsarchiv Schwyz. Das Original ist gut erhalten. Beide Siegel des Abtes Ulrich und des Kapitels hangen. Die Engelberger ver kauften im gleichen Jahre den Schwyzern ein Gut in Mörlischachen (Tschudi II., 300, 301).

  168. Archiv Muri in Aarau.

  169. Archiv Muri in Aarau; P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 266; Murus et Antem. II., 26-28.

  170. So der Hof Lüppiswald bei Bremgarten laut Urkunde vom 17. März 1454 (Archiv Muri in Aarau). Am meisten litt hiebei das Kloster Königsfelden, das in Folge dieses Krieges genöthigt war, 1447 Stiftungsgüter der Königin Agnes zu verkaufen (Archiv des Frauenklosters Hermetschwil).

  171. Mittheil. von Theod. von Liebenau.

  172. Rochholz, Aargauische Gessler, S. 163 ff.

  173. Die Stadt Constanz zahlte jährlich 15 Gl. Schirmgeld an Luzern (Cysat, Geheimbuch von Luzern).

  174. Cysat, Geheimbuch. Der Schreiber hat bei Muri und Hitzkirch die jährliche Zahlung für dieses Burgrecht einzutragen vergessen.

  175. Staatsarchive Luzern, Stans, Sarnen u. s. w.

  176. Vgl. Inkorporationsgeschichte der Pfarrei Villmergen (Archiv Muri in Aarau).

  177. Archiv Muri in Aarau; P. Aug. Stöcklin 512-525; P. Ans. Weissenb. Annales, p. 421 ff.

  178. Archiv Muri in Aarau; Murus et Antem. II., 28; P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 429.

  179. Vgl. Lehensrodel aus dieser Zeit im Archiv des Frauenklosters Hermetschwil.

  180. Vgl. Erzbischöfl Arch. in Freiburg i. Br.

  181. Archiv Muri in Aarau; Archiv des Frauenklosters in Hermetschwil u. a. O.

  182. Urk. im Archiv Muri in Aarau; sie ist als Transfixum der bischöflichen Urk. vom Jahre 1405 beigegeben.

  183. Offenes Gericht vom 22. April 1465 (Archiv Muri in Aarau); Stöcklin, Miscell., p. 627-629.

  184. Staatsarchiv Luzern, Urk. vom 24. Nov. 1451.

  185. Archiv Muri in Aarau.

  186. Staatsarchiv Zürich.

  187. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 616.

  188. Archiv Muri in Aarau; Archiv des Frauenklosters Hermetschwil. Im Jahre 1458 bestätigte der Landvogt die Urbarien von Muri (Annales, p. 428).

  189. Wohl ein Verwandter unseres Abtes!

  190. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 621-622.

  191. Archiv Muri in Aarau; Annales P. Ans. Weissenbach, S. 432. Burkard von Lütishofen hatte einen Bruder, Meister Friedrich, der Chorherr in Münster war (Riedweg, Geschichte des Collegiatstiftes Beromünster, 485).

  192. Archiv Muri in Aarau H, 4. R, 1.

  193. Archiv Muri in Aarau.

  194. Argovia VIII., 51.

  195. P. Ans. Weissenb., Annales p. 432.

  196. Archiv Muri in Aarau K, 2. F, 1.

  197. Johann von Seengen, Pleban in Boswil, Nikolaus und Hemmann von Seengen (Arch. Muri in Aarau; P. Anselm Weissenbach, Annales, p. 424). Der verstorbene Heinrich von Seengen, Ritter, hatte eine Anna, geborne von Heidegg, zur Ehe. Zeugen: Meister Hans Studer, Dekan und Kirchherr zu Bremgarten; Jungherr Walther von Seengen; Heinrich zum Thor, Leutpriester zu Villmergen; Rudolf Schodoler, Altschultheiss von Bremgarten etc. (Archiv des Klosters Hermetschwil).

  198. Murus et Antem. IV . 66; P. Ans. Weissenb., Annales, p. 43!.

  199. Leu, Lexikon X., 178; Murus et Antemurale IV., 68.

  200. Ein Hermann Hirzel, vielleicht sein Verwandter, war 1461 Muri-Amtmann in Bremgarten (P. Aug. Stöcklin, Miscell., 142).

  201. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 275.

  202. Daselbst, S. 275, 276; Argovia VIII., 29, 30.

  203. Vgl. Urk. vom 24 Nov. 1418 (Archiv Muri in Aarau).

  204. Archiv Muri in Aarau.

  205. P. Aug. Stöcklin, Miscell., 275.

  206. Vgl. Katalog der Muri-Konventualen, Anhang.

  207. Dieselbe Ansicht hegte auch unser Annalist P. Ans. Weissenbach (Annales, p. 434).

  208. Erzbischöfl. Archiv Freiburg i. B. Diese Taxe blieb künftig nach eingelegter Bitte ständig.

  209. Schwyz, Zug und Glarus scheinen auf dem Tage zu Baden dem Antrage der obigen Stände nicht beigestimmt zu haben (Erzbischöfl. Archiv Freiburg i. Br.).

  210. P. Aug. Stöcklin, Miscell., 175.

  211. P. Aug. Stöcklin, Miscell. p. 274. Vgl. unten VOll. Kapitel: Leben und Wirksamkeit der Konventualen. Wo die Muri Patres früher ihre philosophischen und theologischen Studien machten, ist nicht bekannt Meistens wohl im Mutter-Kloster.

  212. Archiv Muri in Aarau; Annales, p. 436. Unter diesen 230 Pfarrgenossen beiderlei Geschlechtes der drei genannten Pfarreien, die heute nebst Waltenschwil bei 7000 Seelen haben, können wohl nur die Häupter der Familien verstanden sein.

  213. Vgl. Staatsarchive in Sarnen, Stans etc.

  214. Archiv Muri in Aarau; Annales, p. 444.

  215. Archiv Muri in Aarau.

  216. Archiv Muri in Aarau; Annales, p. 441.

  217. Archiv Muri in Aarau; Kopialbuch des P. Leodegar Maier C, S. 199.

  218. Eidgen. Abschd. II, 630. – Der verstorbene Pfarrer scheint aus dem Gebiete der Berner gewesen zu sein.

  219. Schloss bei Gösken, Kt. Solothurn.

  220. Archiv Muri in Aarau (H, 3. N, 1). – Hans Unterderflue von Obwalden leiht es als Landvogt dem Kloster Muri am 31. Mai 1471 (H, 3. N, 2).

  221. Archiv Muri in Aarau H, 2. X, 6. Fridolin Maier, Ammann zu Muri, fertigte den Kauf, und der Landvogt siegelte.

  222. Archiv Muri in Aarau E, 3. H, 6.

  223. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 232.

  224. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 453.

  225. Archiv Muri in Aarau; Extrakt vom Bürgerbuch in Bremgarten (Argovia VIII., 31). Die Urkunde ist am 23. April 1475 ausgestellt.

  226. Eidgen. Abschd. II, 630. – Der verstorbene Pfarrer scheint aus dem Gebiete der Berner gewesen zu sein.

  227. Geschichtsfrd. XXVIII., 27, 28 und XXXIII., 172.

  228. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 439.

  229. Eidgen. Abschd. III., 1, 58 (Zürich, am 27. Febr. 1480). „Stück“ ist ein Getreidemass.

  230. Archiv Muri in Aarau E, 3. H, 6.

  231. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 172; Murus et Antem. IV.

  232. Theodor Scherer, Helden und Heldinnen.

  233. P. Ans. Weissenb., p. 444.

  234. Murus et Antem. IV. 68.

  235. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 272.

  236. Daselbst, S. 142; P. Ans. Weissenb., Eccles. p. 172, 173. Ein Johannes Hagnauer ist Rathsherr in Zürich am 20. September 1398, am 11. November 1414 und 4. Juli 1438 (Argovia VIII., 57, 59).

  237. Am 7. März 1447 verkaufte Elsbeth von Mure, Ehefrau Pentelis Hagnauer's, Bürgers von Zürich, eine Gilt vom Keilenhof in Lunkhofen (Argovia Vlll., 69).

  238. Eidgen. Absend. III., 1, 81, 84.

  239. Die politischen Angelegenheiten hemmten wohl sehr den Einfluss der Congregation auf die schweizerischen Benediktiner-Klöster.

  240. Eidgen. Abschd. III., 1, 619.

  241. Daselbst, S. 658.

  242. Eidgen. Abschd. III., 2, 4.

  243. Daselbst III., 1., 368; Anzeiger für Schweizer Geschichte, Jahrgang 1881, S. 440, 441.

  244. Daselbst.

  245. Darunter sind die Curtisanen verstanden, welche mit päpstlichen oder kaiserlichen Gewaltsbriefen versehen, die vakanten Pfründen anfielen.

  246. Eidgen. Abschd, III., 1, 444.

  247. Diese Worte werden andeuten, dass mehrere Mitglieder des Konventes aus den VI Orten stammen, z, B. von Zürich, Schwyz u. s. w.

  248. Eidgen. Abschd. III., 1, 446.

  249. Eidgen. Abschd. III., 1, 297.

  250. Daselbst, S. 380.

  251. Daselbst, S. 400, 403.

  252. Daselbst, S. 436. – Muri war für die Eidgenossen eine Kornkammer; selbst Luzern hatte 1482 das vorräthige Korn des Klosters in Sursee gekauft (Mitth. von Theod. von Liebenau).

  253. Zellweger, Urk. II., 172.

  254. Eidgen. Abschd. III., 1, 444.

  255. Eidgen. Abschd. III., 1, 569, 471.

  256. Daselbst, S. 500.

  257. Tegerfeld, Formelbuch, Bl. 262, im Staatsarchiv Sursee, Copie. Der Landvogt Stocker von Zug siegelte die Urkunde.

  258. Stadlin, Kanton Zug II, 143-145.

  259. Diese 13 Pfründen waren nun: a) neun Pfarreien: Muri, Sursee, Villmergen, Eggenwil, Lunkhofen, Hermetschwil, Bünzen, Boswil, und Wohlen; b) 4 Kaplaneien: 1 in Villmergen (ad B. V. M.) und 3 in Sursee (ad S. Nicol., ad S. Joh., ad B. V. M.).

  260. Diesen Kirchensatz möchten die Greifenseer nicht lange vorher auf diesen Hof geschlagen haben; denn als 1437 Elisabeth Grüblerin von Bremgarten ihn mit einem Hofe der Frauen von Rathhausen vertauschte, ist davon keine Rede. Von diesem Kloster kaufte ihn Petermann von Greifensee (Schulbericht von Plac. Weissenbach).

  261. Archiv Muri in Aarau H, 1. C, 1; P. Ans. Weissenbach, Annales p. 446.

  262. Archiv Muri in Aarau; P. Ans. Weissenbach, p. 445.

  263. Daselbst.

  264. Argovia VI, 263; Kurz und Weissenbach, Beitr. I., 460.

  265. Archiv Muri in Aarau H, 1. K, 1.

  266. Argovia IV., 320.

  267. _ Archiv, Muri in Aarau H, 1. J, 6. und H, 1. J, 7. Im Jahre 1362 verkaufte diesen vierten Theil Walther von Hallwil dem Konrad Schultheiss vou Lenzburg.

  268. Eidgen. Abschd. III., I, 400, 403.

  269. Albrecht Bönger ist 1509 Ammann und Keller in Boswil (Pl. Weissenb., Schulbericht 1856-57).

  270. Staatsarchiv Luzern.

  271. Argovia VIII., 70. Dies möchte mit der Verweigerung des Siegelrechtes für das Gericht in Boswil zusammenhangen.

  272. Der Wein war so reichlich vorhanden, dass man ihn massenhaft verschenkte und „Bruderwein“ nannte (Annales, p. 448).

  273. P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 445; Arch. Muri in Aarau B, I, 1.

  274. P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 458.

  275. Daselbst, Annales, p. 453. Diese Käufe mögen Abt und Konvent genöthigt haben, bei Hemmann Ballinger in Baden 240 Gl., zu erheben; denn 1491 errichteten sie diesem für genannte Summe eine Gilt (Tegerfeld Formelbuch, Stadtarchiv Sursee).

  276. Erzbisch. Archiv in Freiburg i. Br.

  277. Archiv Muri in Aarau.

  278. Erzbisch. Arch. in Freiburg i. B.

  279. Annales, p. 454.

  280. Archiv Muri in Aarau.

  281. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 456.

  282. „Subsidium charitativum secundum antiquam taxam“ (Staatsarchiv Luzern).

  283. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 456, 457 u. a. O.

  284. Sohn des sel. Nikolaus von der Flüe († 21. März 1487).

  285. Arch. Muri in Aarau; P. Ans. Weissenb., Annales, p. 456.

  286. Archiv Muri in Aarau.

  287. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 272, 273.

  288. Archiv Muri in Gries.

  289. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 455.

  290. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 265 und Arch. zur Schweiz. Geschichte II., 151.

  291. P. Aug. Stöcklin, Miscell., 580 u. a. O.

  292. Mittheil. von P. Gal. Morel.

  293. David von Moos, Sammlung alter u. neuer Grabschriften, S. 44.

  294. Urk. vom 16. Oktober 1494. Die Formularien erhielt der Dekan, Albrecht von Bonstetten, schon am 22. Juli 1492 (Tegerfeld, Formelbuch, Bl. 211).

  295. Mittheil. der antiquar. Gesellschaft in Zürich, Bd. III., 4.

  296. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 272, 273.

  297. P. Ans. Weissenb. entdeckte es, als er mit dem Abte Fridolin Summerer 1673 in's Bad Pfäfers reiste (Eccles., 177).

  298. P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 461, 462; Murus et Antem. IV., 69; Muri Nekrologium. Der Tag seines Todes ist nicht sicher. Doch fällt er zwischen den 10. Februar, wo er noch handelt, und den 30. April 1500, wo sein Nachfolger vom Bischof von Constanz schon beßtätigt ist. Wahrscheinlich starb er plötzlich am 11. Februar.

  299. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 462.

  300. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 63, 265 ff. Am 10. Februar 1500 handelte er beim Ankaufe des Glättlizehenten als Konventuale (P. Ans. Weissenb., Eccles., p. 175).

  301. P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 462.

  302. Erzbisch. Archiv in Freiburg i. Br.

  303. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 465, 469; P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 175, 219.

  304. Annales, p. 466-468.

  305. P. Ans. Weissenb., Annales, p. 468,469; Murus et Antem.II., S. 29-33.

  306. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 219.

  307. Möglich, dass Abt Johannes II. im März 1508 in Sachsein pontificirte.

  308. Acta Capituli von Muri in Gries. J. Ming, der selige Bruder Nikolaus von Flüe II., 176, 511, 512.

  309. A. Kobler's Übersersetzung aus dem Englischen: Studien über die Klöster des Mittelalters von K. Dighy, S. 530, geschöpft aus Wadding, Annales Minorum XV.

  310. In Boswil kaufte er von einem Johannes Hilfiker (1504) zwei Wiesen nm 70 Gl. (P. Ans. Weissenb., Annales, p. 176).

  311. Eidgen. Abschiede III., 2, 155, 155, 159, 162, 163.

  312. Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri.

  313. Archiv Gries A. I. II., 3.

  314. Archiv Muri in Gries A. I. II., 4.

  315. Daselbst, A. I. II. und B. III. VII.

  316. Diepold Schilling, Luzern, 1862.

  317. Darnach wäre Abt Johannes II. der prachtliebendste Herr gewesen, der bei Erwerbung der Pontifikalien nur seine und nicht Gottes Ehre gesucht hätte und auch desshalb von Gott bestraft worden sei; denn vier Wochen vor St. Martini (es waren wenigstens sieben), wo er das erste (?) Mal feierlich mit der Inful habe Messe halten wollen, sei er hinweggenommen worden. Ferner meldet die Sage: Abt Johannes habe lange (nur 8 Jahre) wohl regiert; seine Klosterkirche sei aber „fast“ baulos (wird sehr bezweifelt) gewesen, während das Gotteshaus jedoch reich und eine gefürstete (unrichtig) Abtei war. – Man muss wirklich staunen, dass Diepold Schilling, der gleichzeitig lebte und nur 7 Stunden von Muri entfernt war, in wenigen Sätzen so viele Unrichtigkeiten niederschreiben konnte!

  318. Staatsarchiv in Zürich.

  319. Urk. vom 17. März 1506 (Arch. Muri in Aarau); P. Augustin Stöcklin, Miscell., p. 672, 677; P. Ans. Weissenb., Eccles., p. 406.

  320. P. Ans. Weissenb. Annales, p. 469,470; Murus et Antem. IV., 70, 71.

  321. Porträtsammlung der Muri-Äbte in Gries.

  322. Theodor von Liebenau, Geschichte der Ritter von Baldegg, s. 63, 67, 75-87.

  323. Archiv Muri in Aarau und Gries.

  324. Rochholz, Aarg. Gessler.

  325. Eidgen. Ahschd. II., 93, 94; Staatsarchiv in Luzern; Arch. Muri in Aarau.

  326. Staatsarchiv Luzern: Kloster Muri.

  327. Argovia VIII., 172.

  328. Archiv Muri in Aarau.

  329. Archiv Muri in Aarau, E, 3. F, 2; Annales, p. 453, 454.

  330. Archiv Muri in Aarau, Urk. vom Jahre 1482; Argovia VI., 247.

  331. Archiv Muri in Aarau H, 1. C, 1; Annales, p. 445, 446.

  332. Archiv Muri in Aarau L, 1. A, 4.

  333. P. Ans. Weissenb., Annales 460.

  334. P. Aug. Stöcklin, Miscell. 313.

  335. Gemeindearchiv Boswil. – Konrad erflehte einem zum Tode Verurtheilten das Leben. Der Unglückliche hatte im Zorne folgende ärgerliche Worte ausgesprochen: „Komm', Tüfel, nimm hin min Lib und Seel!“ (Argovia IV., 401).

  336. Gemeindearchiv Boswil, Urk. vom 28. Mai 1497.

  337. Er heisst in der Rechnung einfach „Here“. Suter mag ungefähr 50 Jahre die Pfarrei Boswil geleitet haben.

  338. Im Jahre 1503 sind diese Auslagen für diesen Kreuzgang specificirt: a. für die Trinkgelder („Letze“) 6 Schill. und 4 Haller; b. für die Sänger und den Sigrist 4 Schill.: c. für Kreuz-, Fahnen- und Sehellenträger 4 Schill.

  339. Pfarrlade in Boswil u. a. O. Wahrscheinlich wohnte er im Kloster, weil die Pfarrkirche nur 3/4 Std. von diesem entfernt ist.

  340. Archiv Muri in Aarau H, 3. N, 1 und H, 3. N, 2; Annales, p. 438. Zeugen sind: Herr Konrad Suter, Kirchherr zu Boswil; Herr Heinrich zum Thor, Leutpriester zu Muri, Ludwig Marti, Bürger zu Zofingen. Siegler ist: Herr Laurenz von Heidegg.

  341. Archiv Muri in Gries A. I. II., 4.

  342. Aus dieser Zeit finden wir dort als Pfarrer Johann Schertweg, Gregor Wolf von Waldsee, Johann Füxlin, Konventual Hugo Aklin (Pfarrlade Bünzen u. a. O.).

  343. Eidgen. Absch, II., 630.

  344. Neugart, Episcop. Const. II., 149.

  345. Pfarrlade in Wohlen; Archiv Muri in Gries.

  346. Archiv zur Schweizergeschichte II., 141.

  347. Leu, Lexikon, Bd. IX., 206, 207.

  348. So am 24. November 1463 Güter und Häuser in Wohlen (Archiv Muri in Aarau); die Herrschaft Wildegg (Leu, Lexikon, IX., 207).

  349. Archiv Muri in Aarau; Kurz und Weissenbach, Beitr. I., 447.

  350. Archiv Muri in Aarau; P. Ans. Weissenbach, Eccles., p. 538, 539.

  351. P. Ans. Weissenb., Eccles., p. 539.

  352. Im Jahre 1693 sollen hievon noch Uberreste vorhanden gewesen sein (Eccles. p. 540).

  353. Urk., Rom, 1507 decimo Kal. Februarii.

  354. Die Urk. besiegelte Hug, Leutpriester zu Muri und Dekan des Kapitels Lenzburg-Mellingen (Arch. Muri in Gries A. III. IX., 2).

  355. Kurz und Weissenbach, Beitr. I., 497. – Der Leutpriester von Eggenwil durfte somit ausserhalb der Pfarrei wohnen.

  356. Kurz und Weissenbach, Beitr. I., 497.

  357. Joh. Sure lebte 1447 wahrscheinlich noch; denn am 6. Februar d. J. beschliessen die Tagherren: die Regierungen sollen weiters berathen, ob man den Abt von Muri gegen Hans von Sur schirmen oder diesen seinen Brief gebrauchen lassen wolle (Eidgen. Absch. II., 213).

  358. Admissionsurkunde vom 25. Dez. 1414 (Archiv Muri in Aarau Q, 4. O, 1, 3).

  359. Kurz und Weissenbach, Beitr, I., 447-449.

  360. P. Ans. Weissenbach, Annales, 431; Eccles., p. 501, 502.

  361. Acta Capituli Muri-Gries.

  362. Erzbisch. Archiv in Freiburg i. Br,

  363. P. Ans. Weissenbach, Eccles., p. 498, 499; Annales, p. 438; vgl. auch Schulbericht von Bremgarten von Plac. Weissenbach.

  364. Tegerfeld, Formelbuch, Bl. 286.

  365. Urk. vom 2. Aug. 1491 (Eccles., p. 499).

  366. S. oben, S. 232.

  367. P. Ans. Weissenb., Eccles., p. 444.

  368. Daselbst, p. 444.

  369. Archiv Muri in Aarau.

  370. Archiv Muri in Gries A. I. II.

  371. Staatsarchiv Luzern: Kloster Muri.

  372. Daselbst: Kloster St. Urban und Kloster Muri.

  373. Urk. vom Samstag vor dem Palmsonntag 1457 (Archiv Muri in Gries A. I. II.). Darin erscheinen zwei Muri-Amtmänner in Sursee: Heinrich Schnyder und Ulrich Roter.

  374. Staatsarchiv Luzern und Aarau, Urk. vom 11. Aug. 1457.

  375. Copie im Archiv Muri in Gries.

  376. Tegerfeld, Formelbuch, Bl. 151.

  377. Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri.

  378. Geschichtsfreund III., 95, 96 u. a. O.

  379. Geschichtsfreund XX., 2, 4.

  380. Geschichtsfreund XX., 8 ff.

  381. Herr Johannes Fyrabend, Leutpriester in Sursee und Konventherr Georg Flecklin handelten im Namen des Abtes und Konventes in Muri (P. Aug. Stöcklin, Miscell. p. 277).

  382. Geschichtsfrd. XX., 8-10; Annales, p. 458, 459.

  383. Staatsarchiv in Luzern, Akten: Kloster Muri.

  384. Eidgen. Abschd. I., 230.

  385. P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 458.

  386. Rathsbuch in Luzern; Annales, p. 458, 459.

  387. Archiv Muri in Gries A. III. I.

  388. Urk. vom St. Clemeustag 1453 (P. A. Stöcklin, Miscellanea p. 609-612; Eccl. p. 405). Schiedsleute waren: Bruder Wernher, Abt, und Bruder Ulrich Morgen, Grosskellner in Kappel; Heinrich zum Thor, Leutpriester in Villmergen; Heini Lüthard von Merischwand u. s. w.

  389. Urk. vom St. Matthiastag 1450 (Tegerfeld, Formelbuch, Bl. 260).

  390. Urk. vom 17. Dezember (P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 613-614).

  391. Urbar vom Jahr 1415, Auszüge im Archiv Muri in Gries A. III. I.

  392. P. Gregor Meng, Landkapitel Mellingen, S. 66, 67.

  393. Jahrzeitbuch und Nekrologium von Hermetschwil (Abschrift im Archiv Muri in Gries).

  394. Archiv des Klosters Hermetschwil. Schiedsleute waren: Nikolaus Gundelfinger, Vikar des Hofes zu Constanz; Matthäus Nithart, Propst in Zürich, und Rudolf von Cham, Bürgermeister der Stadt Zürich. Siegler: die drei Schiedsleute; Abt Ulrich; der Konvent in Muri; die Meisterin Agnes von Hermetschwil (hat kein eigenes Siegel); der Konvent in Hermetschwil.

  395. Archiv des Klosters Hermetschwil. Diesen Affix besiegelte im Namen der übrigen Schiedsleute Matthäus Nithart, Propst in Zürich.

  396. P. Gr. Meng, Landkapitel Mellingen, S. 68. Zufolge schwacher Andeutungen im Klosterarchiv Hermetschwil versahen Murikapitularen die Pfarrei bis ca. 1550.

  397. Archiv Muri in Aarau M. 3. A. 1.