Fünftes Kapitel. Jakob Maier, XXXV. Abt (1585-1596).

Jakob Maier, einer bürgerlichen Familie der Stadt Luzern entsprossen, trat am 16. Okt. 1563 in das Kloster Muri. Seine Eltern hatten ihn Gott und dem hl. Benedikt geopfert1. (I-340) Sein Leben verdient aber nicht das Lob, welches die Geschichte seinen Vorgängern und Nachfolgern in der Abtwürde zu spenden die Freude hat. Schon fünf Jahre nach Ablegung der hl. Gelübde befand er sich ausserhalb der Klostermauern und Abt Hieronymus war nicht geneigt, ihm die Klosterpforte wieder zu öffnen2. Der Rath in Luzern fühlte sich dadurch in seiner Ehre verletzt und ersuchte den Prälaten, den jungen Jakob wieder aufzunehmen und, weil er genügende Kenntnisse besitze, zum priesterlichen Amte gelangen zu lassen. In Rücksicht auf die Fürbitte der Luzerner Regierung wurde ihm endlich erlaubt, wieder nach Muri zu kommen. Der Abt zögerte lange, ihm die priesterliche Weihe ertheilen zu lassen. Die Bitte obiger Regierung lehnte er am 5. Sept. 1571 mit der Bemerkung ab, er sei genug mit Priestern versehen und wolle noch 1-l ½ Jahre beobachten, ob sich Jakob wohl zum Priester eigne3. Endlich, wahrscheinlich noch dasselbe Jahr, durfte Jakob diese hohe Würde empfangen. Doch bald machte er sich neuer Vergehen schuldig. Um der strafenden Hand zu entgehen, floh er aus dem Kloster. Der betrübte Prälat machte darüber der Luzerner Regierung Anzeige. Diese drückte ihr grosses Missfallen über Maier's unbesonnene Schritte aus und versprach, ihn zu ergreifen, zu bestrafen und dem Abte zuzuführen4. Der Fehlende unterwarf sich, that Busse und bekam bald die Pfarrei Bünzen, die er vom Kloster aus (excurrendo) versah. Die Klagen über ihn verstummten jetzt. Daher glaubte der Abt, ihm sogar das Amt eines Subpriors übertragen zu dürfen. Zum Unglücke und grössten Leide des Abtes starb 1584 der tüchtige Prior, Johannes Bachmann und das gleiche Jahr der ehemalige Dekan des Ruralkapitels Mellingen, dann Pfarrer in Sursee, Ludwig Studer5. Abt Hieronymus wollte diesen wahrscheinlich wieder zum Prior machen; allein der Tod hatte ihn noch auf der Pfarrei ereilt. Der viel geprüfte Prälat musste für ihn den schwachen Beat Jakob Rümpi, der den Keim des Todes bereits in sich fühlte und im Jahre 1586 auch starb, zum Prior ernennen, in der Hoffnung, wohl selbst das Innere leiten zu können. Allein am 4. August 1585 ereilte plötzlich der Tod den Abt Hieronymus selbst. Der Subprior, Jakob Maier, war jetzt unter den sieben Kapitularen in den Geschäften nach Aussen unbestritten der gewandteste. Die (I-341) Mehrheit des kleinen Konventes war jung und unerfahren und kannte das Leben der ältern Mitbrüder wenig. – Nebst andern Übeln hatte das XVI. Jahrhundert auch die sogenannten Wahlkapitulationen, indem die Gewählten, in der Kirche wie im Staate, gewisse Verbindlichkeiten eingingen, nach denen sie zu regieren versprachen. Solche Verbindlichkeiten gingen die Muri-Äbte Johann Christoph und Hieronymus ein. Sie betrafen zumeist die jährlichen Zuschüsse, welche die Konventualen vom Abte empfingen, oder auch die Vertheilung der Geschäfte und Ämter6. Durch Benützung einer solchen Wahlkapitulation und durch den Vorschlag eines ungewöhnlichen, aber kanonischen Wahlmodus, Compromiss, hoffte der klassisch gebildete Subprior die ältern Kapitularen für sich zu gewinnen und die jüngern zu täuschen und so die Inful auf sein Haupt zu bringen. Das Manöver gelang ihm leider zu gut. Die Kapitularen nahmen den vorgeschlagenen Wahlmodus an; trafen hiefür die nöthigen Vorkehrungen und versammelten sich am 13. August zu dem feierlichen Wahlakt. Die Stimmenden waren: Beat Jakob Rümpi von Zug, Prior; Jakob Maier von Luzern, Subprior; Ulrich Lüthard von Muri, Kaspar Wurmann von Muri, Ambros Füchsli von Uri, Blasius Stöckli von Zug und Johann Jodok Singeisen von Mellingen. Der Wahlverhandlung stand als Ehrenpräses vor Christoph Ludwig, Abt von Wettingen; doch wirklicher Präses und Stimmenzähler war Ulrich Wittwiler, Dekan, Administrator und späterer Abt von Einsiedeln, Cluniacenser Ordens7. Als Zeugen erschienen: Gerold Zurlauben, Leutpriester und Konventual in Rheinau, Cluniacenser Ordens; Meister Johannes Müller, Leutpriester in Luzern; Nikolaus von Heidegg, Kapitelsdekan in Sursee. Dann waren die VII regierenden Orte durch ihre Abgeordneten und den Landvogt vertreten8. Dekan Wittwiler, dem das Kapitel ohne Zweifel den in Aussicht genommenen Wahlmodus bereits mitgetheilt hatte, bemerkte in seiner Ansprache an die Wähler: sie können laut Statuten auf dreifache Weise einen Prälaten wählen: 1. Durch Quasi-Inspiration (per inspirationem), wenn alle Wähler ohne Ausnahme bei der blossen Nennung (I-342) eines Namens auf diesen sich vereinigen; 2. durch Stimmabgabe (per scrutinium) und 3. durch Compromiss (per compromissum). Bei der letztgenannten Wahlart wird vorausgesetzt, dass alle Wähler mit dieser Form einverstanden seien und die Bezeichnung einer Person für das bestimmte Amt einer ungeraden Zahl von Wenigen aus ihrer Mitte überlassen werde; die übrigen verpflichten sich schon zum Voraus, den Ausspruch derselben oder eines Einzigen zu achten und anzuerkennen9. Die versammelten Muri-Kapitularen erklärten jetzt dem Dekan Ulrich Wittwiler; sie hätten sich verständigt, durch Compromiss einen Abt zu wählen, und bitten daher, man wolle ihnen das gestatten. Der Präses gewährte die Bitte. Die mit der Wahl eines Prälaten betrauten Konventualen traten nun vor und bezeichneten Frater Jakob Maier als Abt von Muri. Den Wahlakt unterzeichnete Rennwart Cysat, Stadtschreiber von Luzern10. Wenige Tage nach der Wahl erklärten sich drei Kapitularen: Beat Jakob Rümpi, Ambros Füchsli und Johann Jodok Singeisen mit dem Gewählten nicht einverstanden. Diese schrieben sodann an die Regierung von Luzern als den Vorort der katholischen Stände und bezeugten, der neugewählte Abt sei kein guter Haushalter; sie wollten daher den Informationsprozess nicht besiegeln lassen. Allein die Luzerner Regierung unterstützte den am 13. August erkorenen Abt11. Der Bischof von Constanz, Kardinal Markus Sittikus, zögerte lange mit der Bestätigung der getroffenen Wahl; endlich gedrängt vom Stande Luzern, und weil dieselbe formell und kanonisch richtig war, genehmigte er sie am 9. Februar 159612.

In den ersten Jahren seiner Regierung entfaltete Abt Jakob eine ziemliche Thätigkeit. Die Satzungen, die sein Vorgänger für den Konvent und für das Hausgesinde gegeben hatte, schrieb er eigenhändig ab. Indessen glaubten die sorgsamen Landesherren dennoch eine Rechnungsablage für Muri und Hermetschwil (1588) anbefehlen zu müssen. Sie begründeten diese damit, dass von ihnen eine ähnliche bereits für die Klöster im Thurgau angeordnet worden sei. Allein Abt Jakob widersetzte sich dem Begehren der Landesherren mit Kraft, indem er zeigte, dass diese Zumuthung nicht bloss wider die alten Privilegien der beiden ihm unterworfenen Gotteshäuser streite, sondern auch gegen die Gewohnheit sei13. Die VII Orte erliessen (I-343) ihm (17. November 1588) die Ablegung der Rechnungen.

Der Hauptgrund, warum die VII Stände von diesem Begehren abstanden, möchte wohl der Hinblick auf die treffliche Haus-und Gesindeordnung gewesen sein. Abt Jakob hatte sie nämlich 1587 und 1588 erweitert, geordnet und ohne Zweifel dem Landvogte zur Genehmigung vorgewiesen. Die Satzungen mussten dem ganzen Klostergesinde jährlich vorgelesen werden. Sie zerfielen in zwei Theile: In allgemeine Bestimmungen, und Verordnungen für die einzelnen Dienstboten. Die erste Abtheilung sagt: 1. die Dienstleute des Gotteshauses seien nicht schuldig, einem Landvogte zu schwören; sie haben aber bei dem Eide, den sie dem Abte schwören, die Pflicht, den Landesherren Alles, was deren Rechten nachtheilig ist, getreulich anzuzeigen und alle Uneinigkeiten ausserhalb des Klosters, gleich andern ehrlichen Leuten, beilegen zu helfen; 2. sollen sie des Gotteshauses Nutzen und Ehre fördern und Schaden und Nachtbeil abwenden; 3. an Sonn- und Feiertagen fleissig dem vor- und nachmittägigen Gottesdienste beiwohnen und „sonderlich soll auch ein Jeder nach unserm wahren, christlichen Glauben sich halten und keineswegs andern Glaubens gedenken“; (4. ist unbedeutend); 5. Morgens, Abends und Mittags, oder wenn es über Wetter läutet, falle jeder, er sei wer immer, auf die Kniee und bete, wie es einem frommen Christen zusteht; auch beim Essen sollen Alle beten; 6. wer sündhafte, leichtfertige Worte ausspricht, hat eine strenge Strafe zu gewärtigen; 7. Zank und Hader seien von den Dienstboten ferne; 8. Jeder erfülle treulich seine Pflichten; 9. der sündhafte Umgang mit Personen andern Geschlechtes ist strengstens untersagt; 10. Jeder bleibe bei dem Tische14, der ihm angewiesen wurde, und sei mit den Speisen zufrieden; 11. Alle sollen Acht zum Feuer und Licht haben, und Keiner mische sich ohne Grund in die Geschäfte des Andern. Endlich sollen Alle wissen, „wie das Gotteshaus Muri von römischen Kaisern und Königen und andern Fürsten und Herren um mehreren Friedens, Wohlstandes und Glückes willen mit guter Freiheit für die Dienstboten und andere Personen, die darin wandeln, begabt worden und für die übertretenden, die nicht der Freiheit gemäss sich hielten, grosse Strafen ausgesetzt seien“.

Der zweite Theil der Hausordnung beginnt mit den Pflichten des Klosterschreibers. Ihm ist das eigenmächtige Handeln streng untersagt; dagegen hat er die Verschwiegenheit, die Ablegung genauer Rechnung und das Abschreiben der Missiven (I-344) (Verordnungen der Landesherren) zu beachten. Dann folgen die Pflichten des Grosskellers, der damals, wie der Schreiber, ein Laie war15. Der Unterkeller soll mit dem Grosskeller die Aufsicht über die Arbeiter führen, für die Gäste und die Herbeischaffung der Lebensmittel sorgen; der Kämmerling wache fleissig über die vom Abte ihm anvertrauten Kleinodien und bediene diesen fleissig: der Margstaller habe gute Aufsicht über die Pferde. Hierauf folgen die „Bestallungen“ (Verordnungen) für den Koch, Gärtner, Ammann, Schaffner, Oberpfister, Müller, Senn, Sigrist (Messner), Konventkellner, Wächter, Holzhauer, Unterpförtner, Friessen oder Wässerer, Kiefer und andere Dienstboten innerhalb der Klostermauern bis hinunter zum Beschliesser oder „Hühnergaumer“ im Knechtenhause. Für die übrigen Dienstboten ausserhalb der Klostermauern, den „Karrer“, Rinderknecht, Schwein- und Schafhirt u. s. w. lauten die Vorschriften insgemein also: „Jeder komme seinem auferlegten Dienste ordentlich und fleissig nach und solle in allen Sachen den Nutzen des Gotteshauses fördern und den Schaden nach Vermögen abwenden“. Verheirathete Dienstboten durften nicht innerhalb der Klostermauern wohnen und das Gotteshaus keineswegs belästigen. – Während aber diese Dienstboten jetzt unter dem Abte standen, mussten sie später dem Grosskeller, welcher ein Konventual war, gehorchen.

Veränderungen im klösterlichen Besitz – Käufe oder Verkäufe – sind unter der Regierung des Abtes Jakob keine geschehen. Bei der Niederlegung seiner Abtwürde konnten die Landesherren jedoch keine wichtigen Schulden finden, wohl aber fanden sie einen bedeutenden Vorrath an Lebensmitteln und auch an baarem Gelde16. Indessen liess dieser Abt die mittlere Krypte, die man später beseitigte, zu einer Kapelle einweihen und befahl, dass die Klostermauer beinahe um das ganze Kloster um 7 Fuss erhöht und über den Zellen der Konventualen ein neuer Dachstuhl errichtet wurde17. – Die Sorge für die Collaturen beschränkte sich auf die Renovation des Pfarrwiddums in Lunkhofen18.

Grossen Nutzen brachte er dem Kloster, indem er die jungen Männer, die er für das Kloster gewann, nach dem Beispiele seines Vorgängers, zu den Jesuiten nach Dillingen für (I-345) weitere Ausbildung und zur Aneignung klösterlicher Ordnung schickte19. Wie diese Konventualen Kunstsinn nach Hause brachten und einige sogar im Zeichnen und Malen mit gutem Erfolge sich versuchten, so zeigte auch Abt Jakob hiefür eine besondere Vorliebe. Er liebte schöne Glasgemälde, Handschriften mit gut colorirten Initialen und liess sogar noch Breviere abschreiben, die er neben den gedruckten gebrauchte20. Das Bild der Gottesmutter liess er meistens in den Gemälden und Bildern in den Vordergrund treten, und diese Liebe und Verehrung zur seligsten Jungfrau bezeigte er auch schriftlich. So schrieb er in sein Brevier 1587: „Gott gibt Gnade und Maria Fürbitt hilft auch dazu“21; im September 1596 schliesst er sein Schreiben aus Constanz an den Abt Johann Jodok: Jakobus durch göttliche Gnade alter Prälat des Gotteshauses Muri, jetzt in dem Prediger-Orden zu Constanz; Gott gebe Glück und Gnad und Maria Fürbitt helf auch darzu22. Daher bezeichnen ihn alle Muri-Chronisten als einen Freund Mariens (Mariephilus)23. Wir hoffen demnach mit Grund, er werde durch die mächtige Fürbitte der Makellosen eine glückliche Sterbstunde erlangt haben, zumal da er die letzten drei Jahre im Muttergotteswallfahrtsorte zu St. Georg in Tirol zugebracht, und überdies desshalb, weil er während seiner Regierung neben den wilden Ausbrüchen seines Herzens oft die schönsten und edelsten Gefühle der Nächstenliebe hatte an den Tag treten lassen. So unterstützte er durch seine Fürbitte bei der Regierung in Luzern (6. März 1587 und 28. Dezember 1588) zwei arme Wittwen, am 3. und 24. Dezember 1590 that er dasselbe für Jakob Kalchor, den die Luzerner Regierung wegen Todschlag aus der Stadt verwiesen hatte24. – Doch immer heftiger erwachten in dem Abte Jakob die alten Leidenschaften. Wohl hatte er noch 1588 in Gegenwart des päpstlichen Nuntius die besten Vorsätze gemacht; allein bald trat er wieder Zucht und Ordnung mit Füssen, ärgerte die Edelgesinnten und entehrte die Priester- und Prälatenwürde. Gute Männer, geistliche wie weltliche, liessen ihm Ermahnungen zukommen und belegten ihn auch mit empfindlichen Strafen. Selbst die Abgeordneten der VII regierenden Orte hielten ihm 1589 fünf Klagepunkte vor, zogen ihn 1592 wegen einer Ehrenbeleidigung zur Rechenschaft (I-346) und handelten ernsthaft mit ihm in den Jahren 1594 und 159525. Zu seiner Beschäftigung sandten ihm Rennwart Cysat von Luzern und andere Gelehrte „allerlei Zeitungen geistlicher und weltlicher Sachen“ in Form von Briefen zu26. Da Alles nichts fruchtete, und die Klagen sich mehrten, so brachte der Landvogt der Freiämter, Ulrich Püntener von Uri (1595-1597), diese nicht bloss zur Kenntniss der VII regierenden Orte, sondern theilte sie auch dem päpstlichen Nuntius mit. Letzterer erlaubte sodann im Auftrage des hl. Stuhles der weltlichen Behörde, die Sache zu untersuchen27. Zuerst liess man die nöthigen Voruntersuchungen walten. Dann beschied die Regierung von Uri die Abgeordneten der übrigen VI Orte auf den 1. August 1596 nach Muri. Diese hatten von ihren Obern den Auftrag erhalten, nach Befund die Bestrafung des Abtes dem päpstlichen Legaten zu übertragen und ihn bis auf weitern Bescheid indessen in Verhaft zu halten. Der Legat, Bischof Turriani, hatte am 1. August gleichfalls seinen Abgesandten in Muri. Nach Abschluss des amtlichen Verhörs der Konventualen und vieler anderer Personen schlugen die Abgeordneten vor, den Abt wegen seines ärgerlichen Lebens und wegen der üblen Verwaltung des Klosters zu entsetzen. Der Prälat von Wettingen und andere Geistliche riethen dem Abte Jakob Maier, er solle freiwillig resigniren. Er that es, und die Resignation wurde angenommen. Hierauf führte man ihn gefänglich in das Barfüsserkloster nach Luzern ab28. Die Mönche letztgenannten Klosters beschwerten sich aber bald beim päpstlichen Nuntius wegen der Störungen in Folge des gefangenen Abtes. Bischof Turriani, der damals in Stans wohnte, meldete der Regierung von Luzern (9. August): er pflichte ihrer Ansicht bei, dass der alte Prälat laut schon ergangenen Beschlusses dem Bischofe von Constanz übergeben werde. Sofort (11. August) liess ihn die Regierung in Begleitung des Leutpriesters Müller von Luzern nach Constanz bringen und ersuchte den Bischof, den Abt zu bestrafen. In Constanz fand der Abt Unterkunft bei (I-347) den Dominikanern, wo er mehrere Tage geistliche Übungen (Exercitien) machte. Aus Gründen kam er bald in das Karthäuserkloster Ittingen (Kt. Thurgau). Die Speisen des strengen Ordens daselbst sagten dem alternden Abte nicht zu; er lebte aber erbaulich29. Der Bischof sandte ihn jedoch nach dem Wunsche der Eidgenossen in das Benediktinerstift St. Georg in Nordtirol30. Das Kloster Muri bezahlte alle Reisekosten und sorgte für Jakobs Unterhalt. Allein der alte Prälat begehrte gleich anfangs, dass die Competenz verbessert und ein Theil der Kleinodien nebst den Kleidern ihm verabreicht werde. Die VI katholischen Orte bestimmten 200 Gulden für dessen jährliche Competenz und stellten dem neuen Prälaten von Muri, Johann Jodok Singeisen, einen Schein aus, dass er zu Mehrerem nicht verpflichtet sei; die Kleinodien sprachen sie aber alle dem Kloster zu und wünschten deren Verwerthung31.

In Tirol führte Abt Jakob nach Aussage unserer Chronisten ein frommes Leben, versah daselbst das Amt eines Schaffners (Ökonomen)32, und starb an diesem hl. Orte, wo die seligste Jungfrau Maria von Tausenden vertrauensvoll angerufen wird, am 12. November 1599, ausgesöhnt, wie zu hoffen, mit dem ewigen Richter33.


  1. P. Ans. Weissenbach, Eccles., p. 202.

  2. Der Gesandte von Luzern (Jost Pfyffer) erhielt am 12. Dezember 1668 nebst Anderen folgende Instruktion: er solle mit dem Abte zu Muri und auch mit den Zeugen wegen Jakob Maier reden: der Abt wolle ihn wieder in das Gotteshaus nehmen (Staatsarchiv Luzern).

  3. Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri.

  4. Samstag vor Reminiscere 1574 (Staatsarch. Luzern).

  5. P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 554, 555. - Der ausgezeichnete Rudolf Gwicht war bereits am 19. März 1576 als Abt von Engelberg gestorben.

  6. P. Aug. Stöcklin, p. 138; P. Ans. Weissenbach, Annales, 538; Archiv Muri in Aarau Q, 4, A, 15, 16.

  7. Weil im 16. Jahrhundert die Bursfelder Congregation in der Schweiz ihre Wirksamkeit verloren hatte, so griff man hier zu den Statuten der alten Cluniacenser Congregation, welche für die schwarzen Mönche damals noch als Hauptnorm galt (Philipps, Lehrbuch des Kirchenrechtes, S. 1191 ff.).

  8. „Ad quos gubernatio comitatus Rorensis,, in quo Monasterium Murense situm est, spectat“ (Wahlakt, Arch. Muri in Aarau).

  9. G. Philipps, Lehrbuch des Kirchenrechtes, S. 235, 388.

  10. Staatsarchiv Luzern, Formelbuch, Nr. 7, S. 200-203.

  11. Staatsarchiv Luzern, Akten: Kloster Muri.

  12. P. Ans. Weissenbach, Eccles., p. 202 u. a. O.

  13. Seit 1500 wurde vom Abt von Muri keine Rechnung abgelegt (P. Ans. Weissenbach, Eccles., p. 202, 203).

  14. Es gab in Muri für die Dienstboten verschiedene Tische: Knechtentisch, Handwerkertisch etc.

  15. Sonst hatte dieses Amt ein Konventuale inne und hiess früher „Propst“ und später „Statthalter“.

  16. Staatsarchiv Muri in Aarau.

  17. P. Ans. Weissenbach, Annales, p. 559.

  18. Annales, p. 560.

  19. Staatsarchiv Luzern, Muri-Akten.

  20. Gemälde- und Bildersammlung in Gries; Cursus Marianus etc.

  21. Ehemals in Hermetschwil.

  22. Archiv Muri in Aarau.

  23. Murus et Antem. IV., 80, 82.

  24. Staatsarchiv Luzern, Muri-Akten.

  25. Staatsarchiv Luzern, Muri-Akten. Zumeist tadelten sie sein ärgerliches Leben mit der Concubina, die er, obwohl sie hätte aus dem Lande gehen sollen, dennoch auf den Pfarreien ernährte und zu sich kommen liess.

  26. Vgl. Muri-Handschriften, Staatsbibliothek in Aarau. Ein dickleibiger Band.

  27. Staatsarchiv Luzern und Aarau, Muri-Akten. Die Behauptung mehrerer Schriftsteller (Vögelin, Schweiz. Gesch. II., 501 u. A.), die weltliche Behörde habe 1596 durch die Absetzung des Abtes von Muri das Recht der Gerichtsbarkeit über den Klerus gewahrt, fällt zufolge vorhandener Akten von selbst dahin.

  28. Dr. P. Modestus, Mitglied dieses Ordens, hatte schon am 29. und 30. Juli d. J. seine Dienste in dieser Angelegenheit den V kath. Orten angeboten (Eidgen. Absch. V., 1, 415).

  29. Am 20. Dez. 1596 bezeugt Herr Vikar Johann Jakob Nirgodt aus Constanz, dass sich der alte Prälat in Ittingen wohl und andächtig halte, also, „dass man ein besonderes Gefallen an ihm habe“ (Arch. Muri in Aarau).

  30. Die Tagherren der VI katholischen Stände sagen, am 12. August 1597 zu Luzern versammelt: der Bischof von Constanz habe zum Gefallen der Eidgenossen den gewesenen Prälaten zu Muri in Tirol versorgt, damit er keine Gelegenheit mehr habe, durch seine Briefe dem neuen Prälaten und seinem Konvente lästig zu werden (Eidg. Abschd. V., 1, 451). Diese Briefe liegen in Aarau.

  31. Eidgenössische Abschiede V., 1, 1488-1490. Staatsarchiv Luzern und Aarau; P. Anselm Weissenbach, Annales, p.564, 565. – Das Kloster St. Georgenberg (Fiecht) besitzt von Abt Jakobs Aufenthalt daselbst keine Andeutung. – Die Absetzungskosten in Muri beliefen sich auf 1309 Gulden, die Verpflegungskosten und Reise nach Constanz 236 Gld., das 6 wöchentliche Verbleiben in Constanz kam auf 41 Gl. zu stehen.

  32. So übersetzen wir „præpositus“.

  33. P. Ans. Weissenb., p. 205; Annales, p. 565 („sanctoque fine obiisse traditur“).