Neuntes Kapitel. Leben und Wirken der Murikonventualen (1596- 1684).

(II-091) Die Thätigkeit der 25 bis 30 Priester des Muriklosters ist in diesem Zeitabschnitt grösser als man sonst anzuschlagen pflegt. Vor Allem strebte jeder Konventuale der Selbstheiligung nach Kräften nachzukommen und das „Ora“ (bete!) in Ausübung zu bringen, unter dessen Segen gestaltete sich dann seine Thätigkeit nach Aussen – das „Labora“ (arbeite!).

I. Selbstheiligung.

In den Jahren 1596 bis 1684 fanden bei 110 Mitbrüder ihre Aufnahme und hievon nennen uns die Hauschronisten 25, welche sich in der Gottes- und Nächstenliebe besonders auszeichneten und in einzelnen Tugenden einen hohen Grad erstiegen.1 Wir nennen hiervon nur Einige.

Die Laienbrüder Philipp Rüttimann und Christoph Iten glänzten durch ihre Demuth und den Gehorsam; ersterer starb (1665) im Rufe der Heiligkeit.2 Die Reinheit der abgeschiedenen Seele des P. Johannes Zumstein von Mellingen († am 6. Okt. 1610) wurde erst nach dessen Tode bekannt. Besessene, welche in die Nähe seines Grabes kamen, konnten es nicht aushalten. Man liess daher die Gebeine des P. Johannes im Jahre 1660 in einen Sarg von Eichenholz legen und senkte sie wieder in die Erde.3 P. Anton Zengerlin, geboren bei Innsbruck in Tirol, war ein Muster engelreiner Unschuld, der Sanftmuth, des Gehorsams und der Abtödtung. Vor seinem Tode (5. Juni 1650) wurde er des Anblickes des ihm entgegen eilenden Jesus gewürdigt. P. Anselm schreibt als Augenzeuge: „Als die Stunde der Auflösung nahte, erfüllte ihn eine himmlische Freude, die er durch Bewegungen des Körpers kund gab. Im Bette sich erbebend und die Hände ausstreckend sagte er (II-092) zu seinen Mitbrüdern: „Helfet mir, helfet mir, dass ich eile!“ Auf die Frage, wohin er gehen wolle, sagte er: „Zu Jesus, meinem Gott. Sehet ihr ihn nicht! Jesus, den glänzenden Knaben, mir allerliebst winkend und mich rufend. Ich komme, ich komme.“ Sprach’s, neigte sein Haupt und starb.4 P. Athanas Brandenberg verschied am 18. April 1647. Er ist gerühmt als ein Mann des Gebetes, der eine glühende Andacht zum heiligsten Altarsakramente hatte, in der Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesu Christi, besonders in der Charwoche, himmlische Freuden genoss und die Ordenssatzungen genau beobachtete. Sein Tod hat ebenfalls etwas Ausserordentliches. Er war Pfarrer in Bünzen und zugleich, weil er im Kloster wohnte, Custos. In der Frühe hatte er mit Andacht die hl. Beicht abgelegt, ging dann nach Bünzen und hielt den Gottesdienst. Von dort zurückgekehrt, besorgte er die Sakristei im Kloster, beichtete, während das Allerheiligste in die Gruft getragen wurde, zum zweiten Male, empfing die hl. Oelung und starb nach wenigen Stunden. Die Zeit seines Hinganges in die Ewigkeit war ihm durch eine göttliche Offenbarung genau bekannt.5P. Basil Zurmühle, gestorben 1660, wird als Muster der klösterlichen Armuth und der Abtödtung gepriesen; mit seinen Augen schien er einen Bund geschlossen zu haben; er sah nur das Nothwendigste an. Gäste, die in dem gleichen Saale mit ihm speisten, bemerkte er nicht einmal.6P. Luitfrid Zey von Art machte sich durch seinen Eifer im Gebete, in der Betrachtung und in der Abtödtung bemerkbar. Seiner glühenden Andacht zu Gott gab er in schriftlich hinterlassenen Gebetbüchern Ausdruck. Er besass eine besondere Gabe, Seelen zu gewinnen und die Gespräche auf hl. Gegenstände zu lenken, seine Auflösung erfolgte am 7. Dezember 1672.7 Auf P. Sebastian Rüti werden wir später zu sprechen kommen.

So herrlich auch die Ascese in dieser Periode in Muri blühte, so müssen wir doch mit Schmerzen melden, dass neben den vielen frommen und heiligmässigen Männern zwei ungerathene Söhne des hl. Benedikt waren, welche die Gelübde brachen und den Orden verliessen.8

II. Die Gastfreundschaft.

(II-093) Die Gastfreundschaft, ein Ausfluss der Gottesliebe, wurde in Muri von 1596 bis 1684 wohl im höchsten Grade ausgeübt. Aeusseren Anlass dazu gaben der 30jährige und die französischen Kriege. Nach der Schlacht am Breitenfeld bei Leipzig (17. Sept. 1631) kam der schwedische König Gustav Adolf mit seinen siegreichen Schauren gegen Mainz, Heidelberg und in das heutige Königreich Würtemberg. Mit Vorliebe verwüsteten die Schweden Klöster und vertrieben deren Insassen. Daher kamen schon 1632 flüchtige Mönche und Nonnen in die Schweiz. Ihre Anzahl mehrte sich, als Bernard von Weimar, General Horn und endlich nach 1640 auch die Franzosen die Schweizergrenze umschwärmten und Süddeutschland bis 1648 grauenhaft verheerten.9 Alle Männer- und Frauenklöster in der Schweiz waren bald mit Unglücklichen jeden Standes angefüllt; denn nicht bloss Religiosen, sondern auch Laien fanden in denselben eine Zufluchtsstätte. Muri und Hermetschwil blieben jahrelang Asyle solcher Unglücklichen. Die Chronisten erzählen: In Muri waren von 1632 bis 1638 für die bleibenden Flüchtlinge in einem besonderen Saale innerhalb der Klausur zwei lange Tische, an denen 30 bis 40 täglich speisten. Die vorübergehenden Gäste und Flüchtlinge, deren Zahl oft sehr gross war, erhielten im Saale der gewöhnlichen Gäste Speise und Trank. P. Anselm Weissenbach hat einige Namen der 1632 bis 1633 in Muri verpflegten Mitbrüder aufgezeichnet10: Von Kempten: P. Roman Giel von Gielsberg; von Decklingen: P. Gerold Rotenhäusler und Fr. Johann Meyer; von St. Ulrich in Augsburg: P. Adelhelm Hotzhai und Fr. Lukas Meyer; von Ochsenhausen: P. Gebhard Lang, P. Columban Haller, P. Augustin Oberer, P. Anselm Wagenmann, Fr. Hieronymus, Fr. Gottfried und Fr. Ambros; von Marchthal O. Praem.: Herr Michael Sattler, Prior, gestorben am 10. November 1633, Herr Jakob Plank, Herr Sebastian Leuprandt, Herr Dominik Molitor, Herr Eberhard Schenz, Herr Tiberius Bitterlin und Laienbruder Felix Stein; von Fulda: P. Gall Nöstler; von Weingarten: P. Othmar Pap, P. Franz Tritt, P. Markus Schmidt, P. Bonifaz Hammer, P. Christoph Sauer, P. Eusebius Mons, P. Leodegar (? Martini); von Alpirsbach: Kaspar Kraus, Abt; von (II-094) Bellelay O. Praem.11: Herr Franz Choullat oder Kräutlin und Herr Gregor Guisinger; von St. Blasien: P. Paul Schliniger, P. Dominik Wasmer, P. Fridolin Burkard, P. Bonifaz und P. Alban Fischer; von St. Peter im Schwarzwalde: P. Konrad und P. Gregor; von Ebersmünster: P. Andreas; von Reichenau: Fr. Maurus Spät; von Gengenbach: P. Leonard Feinlin und P. Nicolaus Alexander; von Schuttern: P. Georg Keck, P. Zacharias Kuenzelmann und Fr. Kaspar Meister; von Ethon (Ettenmünster): P. Placidus Vogler, Prior, im Exil zum Abte erwählt, ferner P. Cölestin, P. Arbogast Arnold, P. Meinrad Werner, Fr. Aigulf und Laienbruder Landolin Wottendinger; von Fultenbach: P. Roman Maier; von Wiblingen: P. Benedikt Rauch, später zum Abte erwählt,12 dann P. Othmar Leger und P. Hieronymus Pfänder; von St. Trudpert im Schwarzwalde: P. Benedikt Hager und P. Bernard Wittendorfer; von Elchingen: P. Placidus Mier; von Ottobeurn: P. Subprior N.; von Zwiefalten: P. Bernard Sanft, P. Stephan Bochenthaler, P. Oswald Schreiber, P. Thomas Metzler und P. Dominik Wech; von Weissenau: Fr. Dominik Baumgartner und Fr. Norbert Schaller; von St. Emmeran: Fr. Emmeran; von Münster: Fr. Placidus Schenk; von Altach: Fr. Wolfgang.13

Diese lange Reihe von Namen gibt uns annähernd einen Begriff in welchem Masstabe Muri auch nach 1633 die Gastfreundschaft ausübte. Wohl hatte der westphälische Friede 1648 zur Heimkehr Sicherheit geboten; allein vorerst mussten die zerstörten Klöster aus Schutt und Asche erstehen, und dazu brauchte es Geldmittel. Auch da bot Muri öfters hilfreiche Hand.

Dasselbe Unglück wiederholte sich im südwestlichen Deutschland in den französischen Kriegen 1664, 1673 bis 1678 und 1689 bis 1696. Die Zahl der flüchtigen Religiosen erreichte fast dieselbe Höhe, wie im dreissigjährigen Kriege. Ihre Namen blieben jedoch grösstentheils verschwiegen. – Viele dieser Exilirten erinnerten sich lange mit Dankbarkeit der liebevollen Aufnahme, die sie in Muri gefunden hatten und bezeugten ihre Anerkennung durch herzliche Schreiben. Abt Exuperius von Ebersmünster dankte mit rührenden Ausdrücken (1664) für die brüderliche Liebe, womit 1643 Muri ihn nebst zwei Mitbrüdern während eines Jahres pflegte. Weil aber sein Kloster jetzt gänzlich in Asche gelegt worden, (II-095) so bittet er neuerdings um Aufnahme eines oder zweier Fratres in Muri. Die gleiche Bitte richtet der Abt von Altdorf in Schwaben an Muri. Unser Abt Aegid entsprach den Bittstellern nach Möglichkeit.14 Am 22. Juli 1648 dankte der Abt Johann von Elchingen für die gütige Aufnahme seiner Fratres in Muri, Der Abt Johann Christoph von Meinau freute sich (1648) innig, dass seine Bitte, einen oder mehrere Mitbrüder nach Muri schicken zu dürfen, erhöhrt wurde. Er schilderte seine Noth, rühmte die Freigebigkeit des verstorbenen Abtes Singeisen, der, wie Kaiser Heinrich II., gerade wegen geübter Nächstenliebe reichlichen Segen genoss. Voll Dankgefühl ist sein Schreiben vom 9. April 1651, da er seinen Konventualen P. Dominik zurückrief. „Was soll ich vergelten für Alles, schreibt er, was uns erwiesen wurde. Danken kann ich, aber wieder vergelten kann ich es nicht; doch will ich es thun, wenn die Umstände dies erlauben. Indessen bleibt ewig das Andenken bei unseren Nachkommen“. Ueber 40 Jahre bleibt (1635 bis 1680) das innige Verhältniss zwischen Muri und Schuttern. Drei auf einander folgende Aebte dieses Klosters sprechen sich anerkennend über Muri aus.15 – Abt Benedikt von Wiblingen dankt und bittet, dass seinen Konventualen noch länger in Muri der Aufenthalt gestattet werde.16 – Die Religiosen von Weingarten schätzten sich glücklich, dass sie beim ausgebrochenen Religionskriege in der Schweiz (1656) zur Abzahlung ihrer alten Schuld einen Konventualen von Muri (P. Gregor) aufnehmen konnten. Die von Ochsenhausen schmerzte es, diese Freude nicht zu geniessen. Indessen schrieben Abt Wunibald und der in Muri einstens weilende P. Roman Hag öfters Briefe an den Ort, wo sie freudige Tage des Exils verlebt hatten. Abt Georg von St. Trudpert ist 1645 genöthigt, wie vor 13 Jahren, mehrere seiner Konventualen zu entlassen und die Gastfreundschaft Muri’s anzusprechen. Er gedenkt mit dankbaren Worten der Wohlthaten, die sein Kloster in Muri genossen. Auch der Abt von Zwiefalten ist 1647 gezwungen, Muri zum zweiten Male um die Gastfreundschaft für einige Konventualen anzugehen. Er ist sehr gerührt, wie Abt Dominik ihm schrieb, zwei seiner Mitbrüder aufzunehmen, obschon Muri mit Flüchtlingen ganz überfüllt sei. Der Prälat Ulrich von Zwiefalten wollte die theologischen Thesen seines Professors P. Christoph Rassler aus Dankbarkeit dem Abte Dominik von (II-096) Muri gewidmet wissen. Abt Columban von Gengenbach machte (22. Sept. 1638) von dem Zustande seines Klosters und von seinen Gefahren haarsträubende Schilderungen. „Ich bin allein im Kloster, schreibt er; aber kaum vermag ich den Unterhalt zu finden; öfters muss ich vor der Wuth der Soldaten fliehen und, um das Leben nicht zu verlieren, im Dickicht der Wälder und im Dunkel der Thäler mich verbergen.“17 Die Kapitelsakten sagen, dass Muri im Jahre 1675 mit Exulirten aus dem Elsass und anderen Orten wieder überfüllt war; es genossen die Gastfreundschaft hier Konventualen von St. Trudpert, St. Blasien, Ochsenhausen u. s. w. Ebenso pflegte Muri 1677 solche von Schuttern und Gegenbach. Daher war unser Abt Hieronymus II. genöthiget, 1676 ein Verbot zu geben, mit den Exulanten sich in vertrauliche Gespräche zur Zeit des Stillschweigens einzulassen.18

Die Leiden der flüchtigen Mönche Süddeutschlands nebst ihrer kernhaften, religiösen Gesinnung sind uns in einem besondern Bilde in dem interessanten „Itinerarium oder Reisebüchlein“ des P. Konrad Burger, Konventualen des Cistercienserklosters Thennenbach und Beichtiger im Frauenkloster Wonnenthal (1641 bis 1678), anschaulich vor Augen geführt.19 P. Konrad musste 1632 sein Kloster verlassen, kam in die Schweiz, nach Frankreich, nach Thennenbach zurück, dann wieder in die Schweiz, nach Wien, Steiermark, Tirol, in die Schweiz und nach Thennenbach, wurde Beichtvater der Frauen von Wonnenthal, deren Kloster er restaurirte. Auf diesen Wanderungen besuchte er 1638 das erste Mal Hermetschwil mit einem protestantischen Jungen, der sich auf seiner Reise von Wettingen her ihm angeschlossen hatte. Von den Frauen dieses Klosters „geschah (dem P. Konrad und dem Jüngling) dermassen viel Ehr und Gutes, dass sich der Junge fast verwunderte und sagte: wenn es viel also mit ihm hergehen werde, wolle er gern bei ihm sein.“ In Einsiedeln trat er zur katholischen Religion über und trennte sich bald von P. Konrad. Dieser besuchte zum zweiten Male, von Oesterreich kommend, Hermetschwil 1641 und ging auch nach Muri, um da eine kleine Unterstützung zur Herstellung Thennenbachs zu erhalten. Er wurde mit einer bedeutenden Summe erfreut.

(II-097) Ausser der Pflege der Gastfreundschaft spendete Muri seine täglichen Almosen an der Klosterpforte, welche die Hauschronisten in die „kleinen“ und „grossen“ Almosen eintheilten. Die „kleinen“ waren die täglichen Almosen, welche vorübergehenden Bettlern (Studenten etc.) verabreicht wurden.20 Vom „grossen“ Almosen, welches vom Ritter Heinrich von Wangen 1279 gestiftet, früher in den Frohnfasten und letzte Zeit (vom 17. Jahrhundert an) am Charfreitage ausgetheilt wurde, empfing jeder Arme einen Angster21, ein halbes Brödlein, eine Portion Suppe oder Erbsenmus; die Kinder und alten Leute erhielten überdies noch eine gute Zugabe von Mehl.22 Doch genug von der Pflege der Nächstenliebe innerhalb der Klostermauern, wir wollen sehen, wie die Muri-Konventualen selbe nach aussen bethätigten.

III. Die Seelsorge.

Die Wallfahrt zu den Reliquien des hl. Leontius erhielt bald nach 1647 bedeutenden Aufschwung. Waren die Beichtstühle in der Klosterkirche schon früher von den Gläubigen der Umgebung stark besucht, so mehrte sich jetzt die Zahl der Reuigen, weil solche von weiter Ferne kamen, um in Muri Hilfe und Trost zu finden. Noch grösseren Umfang gewann die seelsorgliche Thätigkeit auf den Pfarreien. Im Jahre 1596 waren nur zwei inkorporirte Pfründen von Konventualen besetzt, die Pfarrei Bünzen, die vom Kloster aus versehen wurde, und eine Pfründe in Sursee. Seit dem Jahre 1616 besorgte der Konvent die Pfarrei Muri und seit 1651 die Pfarrei Homburg, im Kanton Thurgau; die Pfarrei Beinwil bei Muri versahen die Kapitalaren nur kurze Zeit;23 die Pfarrei Boswil, welche im 16. Jahrhunderte öfters Muri-Konventualen besorgten, wurde von 1602 bis 1690 dem Weltklerus überlassen.24 Alle Mitbrüder, welche auf genannten Pfarreien als Seelsorger wirkten, erfassten die Wichtigkeit ihrer Aufgabe; aber Mehrere verdienen besonders hervorgehoben zu werden. Grosses Lob spenden die Hauschronisten dem P. Roman Streber. Er war Pfarrer in Bünzen, Beinwil (1616 bis 1622) und in Muri (1631 bis 1648). Mit Erfolg bekämpfte er (II-098) die herrschenden Laster, hob die Feier des Gottesdienstes und sorgte für den Kirchenschmuck.25 Noch grösseren Ruhm erwarben sich P. Columban Pfyffer und P. Aegid Weber. Beide waren von Luzern gebürtig, beide Pfarrer in Muri, der eine von 1620 bis 1628 und der andere von 1628 bis 1629; beide starben als Opfer der Liebe an der Pest, welche in den Jahren 1628 und 1629 verheerend in den Schweizerlanden wüthete. P. Columban trat ihr mit hl. Eifer und mit Todesverachtung entgegen. Er tröstete die Kranken, stärkte sie mit der himmlischen Wegzehrung, half den Sterbenden zu einem glücklichen Tode, bis die Epidemie ihn selbst ergriff und am 6. Oktober 1628 hinwegraffte.26 Diesem folgte in der gefährlichen Pastoration freudig P. Aegid. Er sehnte sich, wie sein Mitbruder, das Leben für das Wohl der Nebenmenschen zu opfern. Die Pest wüthete noch immer fort; Tag und Nacht war P. Aegid beflissen, den Kranken und Sterbenden beizuspringen. Auch ihn befiel die Epidemie, und er fiel am 21. Juni 1629 als Opfer der Liebe, tief betrauert vom Volke. Beim Antritte der Pfarrei hatte er folgende Vorsätze schriftlich niedergeschrieben: „Erstens will ich als Fallstricke des Teufels diese Gedanken bekämpfen: Diese und jene verschwören sich gegen dich; sie verspotten dich und möchten dich gerne als Pfarrer beseitigen; du bist in der Pfarrei nicht geachtet. Zweitens will ich bei aller Widerwärtigkeit im Namen Jesu fröhlich arbeiten, mich unparteiisch und gleichmässig gegen Alle betragen; jede Vertraulichkeit wie den Teufel fliehen; den Vorwitz meiden; oft an die Kürze des Lebens denken; jeden Ueberfluss entfernen; mich im Essen und Trinken abtödten; auf das Wort, wie im Noviziate, gehorsam sein; den Müssiggang fliehen; fleissig beten und die Sakramente empfangen und mich als einen Auswurf der Menschen betrachten.“ – Bezüglich der Pfarrei wollte er noch besonders verhütet wissen: 1. die allzu grosse Ehrsucht; 2. das übereilte Beschnarchen der Irrenden; 3. das lange Nachtragen des Zornes gegen Bestrafte; 4. das unnütze und zornmüthige Reden gegen Fehlende; 5. die Eifersucht und Herrschbegierde.27

Mit gleichem Muthe, wie P. Aegid, trat nun auf den Kampfplatz der gelehrte P. Augustin Stöcklin. Die Pest forderte noch stets einzelne Opfer. Am 24. November (II-099) 1629 verliess P. Augustin nach dem Wunsche des Abtes das Kloster28 und übersiedelte in das alte Pfarrhaus, um dem Konvente wegen des Umganges mit den Pestkranken keine Gefahr zu bereiten. Der Abt erliess gleichzeitig in 15 Punkten eine sehr praktische „Pestordnung.“29

Doch das eigentliche Arbeitsfeld war für die Murikonventualen nicht die Seelsorge; daher gehen wir jetzt in ihre Zellen und Werkstätten und betrachten sie:

IV. In der Pflege der Wissenschaft und Kunst.

Die Einführung der Reform durch den Abt Johann Jodok brachte den Wahlspruch der Benediktiner: „Ora et labora“ (bete und arbeite!), zur vollen Wahrheit. Der Eifer für das Gebet und die Wissenschaften mehrte sich bei den Religiosen und trieb die schönsten Blüthen. Ihre höhern Studien machten sie in den Jahren 1596 bis 1630 selten im Mutterhause. Einige gingen sogar in die Gymnasialschulen von Luzern, wohl aus dem Grunde, um von den Jesuiten die Unterrichtsmethoden zugleich zu erlernen.30 Die Philosophie und Theologie studirten sie meistens in Dillingen, Ingolstadt oder Rorschach.31 Im Jahre 1617 hatten unter 55 Theologen die zwei Muri-Fratres, Dominik Tschudi und Franz Letter, den 5. und 25. Platz errungen.32 P. Hieronymus (II-100) Wahler machte seine theologischen Studien vor seinem Eintritte in Muri im borromäischen Collegium zu Mailand,33 und P. Bonifaz Weber lag vom 26. März 1658 bis 20. Februar 1659 der Rechtswissenschaft in Freiburg i. Br. ob.34

Gehen wir nun auf das Leben und Wirken der einzelnen Konventualen über. Mit Uebergehung der Aebte dieses Zeitraumes, deren Thaten bereits geschildert wurden, führen wir sogleich P. Augustin Stöcklin, den wir schon öfters nannten, vor Augen.35 Er stammte von der Pfarrei Muri aus einer achtbaren Familie und erhielt in der hl. Taufe den Namen Johan Jakob. Den Unterricht für die niedern Lateinklassen genoss er bei den Jesuiten in Luzern, die oberen Klassen studirte er in Muri, wo er 1614 die hl. Profession ablegte. Das folgende Jahr erhielt er die Priesterweihe und bestieg sofort die Lehrkanzel im Kloster. Die Philosophie hatte er vor dem Eintritte in Muri zu Dillingen bei den Jesuiten studirt; denn 1613 errang er dort die Doktorwürde aus der Philosophie und den freien Künsten.36 Abt Johann Jodok wünschte, dass er auch die Theologie bei den Jesuiten gründlich studire und so kam er zum zweiten Male nach Dillingen. Nach dreijährigem Studium errang er die Würde eines Licentiaten des kanonischen Rechtes am 1. Juli 1619.37 In’s Kloster zurückgekehrt bestieg er wieder die Lehrkanzel. In den Jahren 1623-1628 leitete er als Dekan und Administrator das Kloster Pfäfers. Von dort heimgekommen wurde er Pfarrer in Muri und sammelte während der 2 Jahre (1629-1631) seines mühevollen Amtes jenes werthvolle Quellenwerk für die Muri-Geschichte – Miscellanea, das wir so oft citirten.38 Jetzt schickte ihn die Congregation als Dekan und Administrator nach Disentis, wo er im Jahre 1634 die Würde eines Fürstabtes erhielt. Er leitete dieses Kloster bis zu seinem Tode (30. Sept. 1641) mit Kraft und Geschick. – P. Augustin war, wie P. Mauriz van der Meer schreibt, ein ausserordentlicher (II-101) Mann, mögen wir seine Frömmigkeit, seinen Seeleneifer, seine Kenntnisse oder seinen unermüdlichen Fleiss in’s Auge fassen.39 In Pfäfers schrieb er: „Antiquitates Monasterii Fabariensis,“40 die Mabillon sehr rühmt41, ferner „Vita s. Fintani,“42 und endlich das bekannte „Nymphaeum B. V. M. Fabariensis,“ das 1631 im Drucke erschien.43 In Disentis verfasste er bei 16 Schriften verschiedenen Inhaltes.44 Hiervon erwähnen wir: „Catalogus abbatum monasterii Disertinensis“45; das Leben des seligen Hermann von Schönstein, Abtes von Marienberg,46 und „Leben und Tod des greisen Priesters Nikolaus Ruska.“47

P. Hieronymus Wahler kam in den wissenschaftlichen Arbeiten dem Fürstabte Augustin Stöcklin zwar nicht gleich: allein in der Reformirung und Leitung der Frauenklöster hat er sich grosse Verdienste erworben. Er war gebürtig von Zug, hatte in Mailand die niederen und höheren Studien gemacht; wurde als Weltpriester durch die Vermittlung des Nuntius Beichtvater der Nonnen in Frauenthal und trat sodann in Muri ein, wo er 1602 die hl. Profession ablegte. P. Hieronymus eiferte für die klösterliche Zucht. Kleinere Schriften, die er verfasste („Avitae Religionis observationes“; Ceremonien bei der Benediktion eines Abtes; „Consuetudines ecclesiasticae Muris“) geben Zeugniss von seiner Frömmigkeit, Liebe zu den kirchlichen Ceremonien und der Kunst, Seelen für Gott zu gewinnen.48 – Viele Frauenklöster in der Eidgenossenschaft verdanken ihm die Einführung einer bessern Ordnung. Er verschied am 3. Dezember 1639.49

In der Theologie zeichnete sich ferner aus P. Leodegar Holdermaier, gestorben am 24. Jänner 1691.50

In der Geschichte arbeitete nebst den erwähnten Aebten, Dominik Tschudi und Augustin Stöcklin, zunächst P. Fintan Rüssi, (II-102) Bürger von Rapperswil. Als solcher half er 1656 seine Vaterstadt gegen die Züricher vertheidigen; später als Kapitular von Muri copirte er die Geschichte dieses Krieges, dessen Verfasser nicht bekannt ist, indem er zugleich den damaligen „Vilmerger Krieg“, der aus der Feder eines Kapuziners floss, abschrieb. Ausserdem hinterliess er nützliche, historische Notizen.51 P. Fintan starb als Oekonom in Muri am 17. Mai 1691. – P. Gregor Feer, geboren zu Zell auf der Insel Reichenau, half in verschiedenen Klöstern der Schweizer-Congregation aus. Als Subprior und Leiter (Präceptor) der Knabenschule in Disentis schrieb er eine Geschichte dieses Klosters.52P. Luitfrid Zey bemühte sich im Jahre 1645 eine Lebensbeschreibung des sel. Luitfrid, zweiten Abtes von Muri, zu schreiben.53P. Bernard Zumbrunnen aus Uri schrieb im Jahre 1652 einen Auszug von den historischen Werken des Abtes Johann von Tritheim, wahrscheinlich für seine Schüler.54P. Augustin Aburi machte über die Sekundiz des Abtes von Rheinau (1676) und über dessen Leben Mittheilungen und verfasste eine kurze Geschichte des Stiftes Rheinau.55P. Jodok Stirnemann war beflissen, die Tagesereignisse niederzuschreiben.56 – Die Vorliebe für die Geschichte und ihre Thätigkeit geben die Murikonventualen in den eilf Foliobänden zu erkennen, in denen sie handschriftlich die Werke des berühmten Aegid Tschudi von Glarus sammelten, die heute in der Kantonsbibliothek in Aarau sich befinden, und vielfach benützt werden.57

Das Studium der Geschichte gewährte den Mönchen einen sicheren Blick in die öffentlichen Angelegenheiten und erleichterte ihnen die Beurtheilung der Tagesereignisse. Daher wurden nebst den Aebten in der Leitung wichtiger Geschäfte (II-103) auch einfache Murikapitularen oft als Rathgeber beigezogen. P. Placidus Pöschung († 1662) war bei Geistlichen und Weltlichen angesehen und wurde vielfach um Rath gefragt. Dem P. Hieronymus Wahler folgte er in der Leitung und Reformirung der Frauenklöster, die ihn wie ihren Vater ehrten; die Nuntien Karl Caraffa und Friedrich Borromäus benützten ihn während ihrer Anwesenheit in der Schweiz als ihren besondern Rathgeber und selbst, als sie später Kardinäle wurden und in Italien sich befanden, standen sie mit ihm in Correspondenz.58 – Eines grossen Scharfblickes in verwickelten Geschäften erfreute sich P. Franz Letter († 1647). Er war ein Mann von ernstem Charakter. Die Hauschronisten schreiben von ihm: dass er das Kindische der Jugend nicht gekannt habe, und sich besonders als Professor der Philosophie und Theologie auszeichnete. Die Congregation wählte ihn zu ihrem Sekretär. Seinem Jugendfreunde und Schulgenossen, dem Abte Dominik Tschudi, war er in den Rechtshändeln die Hauptstütze. Daher gab dieser seinem Schmerze über dessen Tod in einem Briefe an den Fürstabt von St. Gallen mit rührenden Worten Ausdruck und legte zugleich ein schriftliches Zeugniss über seinen erbaulichen Tod ab.59 – Auch P. Dominik Suri, gebürtig von Solothurn, gestorben 1693, war Professor der Philosophie und Theologie und Sekretär der Congregation. Wenn nicht an Schärfe des Verstandes, mag P. Dominik den eben genannten P. Franz doch in der Leichtigkeit der Darstellung, wie man aus den vielen vorhandenen Briefconcepten schliessen kann, übertroffen haben. Wie dieser war auch er ein vielgesuchter Rathgeber. In den letzten Jahren seines Lebens leitete er die schwierige Oekonomie in Klingenberg. Wie in Muri musste er jetzt im Thurgau oft Hochgestellten seinen Rath ertheilen. Die Vorgesetzten seines Klosters wollten in wichtigen Angelegenheiten zumeist die Ansicht des P. Dominik vernehmen und schickten ihm desshalb die nöthigen Aktenstücke in Abschriften zu.60 Ausserdem sammelte P. Dominik die Recesse der in Muri abgehaltenen Visitationen wie auch die Beschlüsse der Congregation, welche von 1602 bis 1670 für die Reform der Klöster gefasst wurden. Abt Placidus Zurlauben beschrieb sein Leben und nannte ihn den erfahrensten Oekonom und besten Religiosen.61

(II-104) Wie die Geschichte und Diplomatie fand auch die Poesie begeisterte Freunde in den Zellen Muri’s. Der eben genannte Abt Placidus sammelte seine eigenen wie auch mehrere Gedichte seiner Mitbrüder, in lateinischer Sprache geschrieben, in besondere Bände.62 Er selbst, wie auch seine Konventualen verrathen eine grosse Gewandtheit in der Sprache Latiums, eine oft nicht gewöhnliche Begabung und eine gründliche Kenntniss der römischen Dichter.

Die erste Palme unter den Muridichtern im 17. Jahrhunderte errang unbestritten P. Martin Brunner, gebürtig aus Solothurn, Profess 1625. Seine Gedichte füllen einen stattlichen Band. Abt Placidus zerlegte sie in drei Theile: in Gedichte religiösen, profanen und gemischten Inhaltes. Die Anagramme sind voll Geist. Daher heisst er bei P. Anselm „laudatissimus et laurea dignus poeta“ (Alles Lobes und des Lorbeerkranzes würdiger Dichter)63 und bei Abt Zurlauben: „Poëta laureatus, Parnasi bifrontis splendor et gloria“ (bekränzter Dichter, dem Ruhm und Ehre entstrahlt). Im Drucke erschienen, so viel bekannt ist, nur zwei Anagramme und ein Gedicht bestehend aus zehn Distichen auf Sebastian Heinrich Cribelli, Hauptmann des Schweizerregimentes in Spanien.64 Ihm kann auch das kleine Epos auf den hl. Ordensstifter Benedikt, bestehend aus 155 Hexametern und verfasst 1643, zugeschrieben werden.65 Der berühmte P. Bernard Petz kannte im vorigen Jahrhunderte seinen Namen.66

Einer besonderen Pflege erfreute sich auch in diesen Zeiten die Musik. Von jeher brauchte man in den Klöstern den Choralgesang für den Gottesdienst. Erst im XVI. Jahrhunderte, sagt P. Ziegelbauer, fand der Figuralgesang in denselben Eingang, und wurde von Italien nach Deutschland verpflanzt.67 Die Congregation strebte in den Jahren 1618 und 1621 nach Einheit des Chorals und suchte das Orgelspiel zu heben. Sie erreichte in den 30ger Jahren durch Wandermusiker glücklich ihre Zwecke. Der Instrumentalmusik war sie indessen nicht hold und erliess sogar 1645 gegen die Figuralmusik ein besonderes Verbot. Die Prälaten verstanden aber darunter nur das Leichtfertige der Renaissancemusik ohne zugleich die ernste Figuralmusik (II-105) zu verwerfen.68 Daher war beim Heiliggeistamte, welches der Nuntius bei der Wahl des Abtes Bonaventura I. in Muri hielt, der Gesang figurirt und man fügte demselben auch drei Motetten bei.69

Die vorzüglicheren Musiker, die in Muri damals glänzten, lassen wir folgen. Zunächst verdient erwähnt zu werden P. Johann Kaspar Winterlin, ein Mann, der allen sieben freien Künsten hold war. Von ihm sagen die Hauschronisten: er habe als der Erste von Muri die in unserem Kloster beliebten „Falsi bordoni“70 componirt. – P. Basilius Zurmühle († 1660) mag den P. Johann Kaspar in der Musikkentniss übertroffen haben; in unsern Annalen wird er zu den besten Musikern aus jener Zeit gerechnet.71 Auch dieser componirte mehrere Falsi bordoni und schrieb verschiedene Musikstücke für den Chor ab. Grosses Lob verdient in der Musik gleichfalls P. Ursus Steinger von Sursee, der aber schon im 26. Altersjahre starb. Er war ein ausserordentliches Talent. Im Alter von 21 Jahren hatte er die theologischen Studien bereits mit Auszeichnung vollendet und wurde sogleich Professor. Im Orgelspiele kam er den besten Meistern gleich. Seine Compositionen in der Musik athmeten Anmuth.72 – Umfangreicher waren die Kenntnisse des P. Bernard Huser in der Musik. Hiemit verband er auch die Kunst, verschiedene Musikinstrumente zu machen und Orgeln zu bauen.73 Er componirte fleissig. In die Öffentlickeit gab er eine kleine Sammlung von 13 Liedern; die zwölf ersten sind mit beziffertem Orgelbass und das letzte mit Violinquartettbegleitung geschrieben. Sie wurden bei einem religiösen Schauspiele in Zug (Juli 1678) das erste Mal aufgeführt. Den Text für das genannte Schauspiel machte J. Kaspar Weissenbach, fürstlich einsiedlerischer Rath.74 – Noch besser (II-106) als P. Bernard verstand den Orgelbau P. Johann Jodok Schnyder von Sursee. Dieser übertraf alle Orgelbauer seiner Zeit in der Eidgenossenschaft; daher war sein Name weit über die Grenzen der Schweiz gedrungen. Die Orgeln in den Klöstern Fahr, Münsterlingen, Rheinau und Einsiedeln unterwarf er einer gründlichen Reparatur.75 Das Domkapitel von Constanz bat (1650) den Abt in Muri, dem P. Johann Jodok die Umänderung der grössern Orgel ihrer Domkirche anzubefehlen. Dieser vollendete die Aufgabe zur grössten Zufriedenheit. Auf den St. Lucientag 1650 erbat sich Luzern vom Abte in Muri diesen Konventualen, damit er ihre neue Orgel in der Hofkirche prüfe und collaudire. Das Werk war gelungen. Bald wurde es aber durch ein Erdbeben beschädigt, und die Stadt wusste keinen besseren Orgelbauer (1662) für die Reparatur dieses ausgezeichneten Werkes, als P. Johann Jodok.76 Dieser versprach der Bitte nur dann nachzukommen, wenn die Stadt die Orgel ganz in seine Hände übergebe. Die Bedingung wurde angenommen, und P. Johann Jodok arbeitete vom Frühling 1663 bis zum Monate Dezember 1664 an beiden Orgeln im Hofe. Am 29. Dezember desselben Jahres dankte ihm der Stadtrath in den schmeichelhaftesten Ausdrücken für die gelungene Reparatur der zwei Orgeln.77 Aehnliche Gefälligkeiten erwies P. Johann Jodok der Pfarrei Altdorf in Uri. Die Landesregierung sprach ihm ebenfalls (2. Okt. 1666) den wärmsten Dank aus für die mit „sonderbarer Perfektion“ ausgeführte Reparatur der Orgel in dortiger Pfarrkirche.78 In den Klöstern St. Gallen und Muri erstellte er je eine neue Orgel – in Muri die auf der Epistelseite. Zugleich baute er in Muri eine kleine, sehr kunstvolle Orgel, welche in der Kapelle des Abtes stand und von allen Kennern gelobt wurde.79 Der Lehrer im Orgelbaue möchte für Johann Jodok Meister Thomas Schott von Bremgarten gewesen sein, der in den Jahren 1619 bis 1638 die grosse Orgel der Klosterkirche mit 28 Registern für 5388 Gl. glücklich vollendet hatte. Diese Orgel übertraf an Kunst und Vortrefflichkeit damals alle andern in der Schweiz.80

(II-107) Wie in alten Zeiten die Benediktiner Unteritaliens die Heilkunde mit Vorliebe pflegten, so hatte auch Muri im 17. Jahrhunderte einen Kapitalaren, P. Maurus Locher, gestorben 1648, der in der Arznei nicht geringe Kenntnisse besass. Die Hauschronik rühmt sein grosses Wissen in der Pharmacie und Heilkunde und seine Kenntnisse der Arzneipflanzen. Die Rezepte, welche er schriftlich hinterliess, waren lange Zeit in Muri und Umgebung mustergiltig.81

Gehen wir jetzt über zur Maler- und Schreibekunst. Selbstverständlich führen unsere Mitbrüder den Pinsel und die Feder, um zunächst religiöse Gegenstände darzustellen. Als Maler tritt uns in diesem Zeitraume zuerst P. Georg Scheublin entgegen, der im Jahre 1593 den hl. Georg als Drachentödter in Farbe darstellte und darunter zwei Disticha beifügte.82 Von ihm möchte auch ein Holzgemälde vom Jahre 1597 (Benedikt, Katharina, Maria mit dem Jesuskinde, Barbara und Elisabeth) herstammen.83 P. Georg stellte zugleich eine Chronik vom Anfange der Welt bis auf seine Zeit zusammen.84 Sein Gehilfe in der Malerkunst war P. Andreas Schnyder von Mellingen, der nebstdem sehr zierlich schrieb. Beide dürften in der Kalligraphie und Malerkunst Lehrer des talentvollen P. Johann Kaspar Winterlin, den wir schon als Musiker kennen gelernt, gewesen sein. Seine Studien in der Schönschreibekunst, wie auch im Zeichnen und Malen machte Winterlin in den Jahren 1603 bis 1605.85 Schreiben und Malen war sein Leben. Das Antiphonar in Beromünster, Kanton Luzern, reichlich mit zierlichen Initialen, versehen, schrieb er in den Jahren 1608 bis 1614. Es wird von Allen, die es sehen, bewundert.86 Münster beschenkte Muri zum Danke für dieses Werk mit einem (II-108) silbernen Kruzifixe.87 Für das Mutterkloster schrieb er mehrere Kirchenbücher, von denen noch einige vorhanden sind.88 Dann schrieb er für seinen Privatgebrauch Gebetbücher, die er mit schönen colorirten Bildern versah.89 Für Mellingen schrieb er auf Verlangen seines aus dieser Stadt entsprossenen Abtes ein zierliches Anniversarium.90 Wollte der Prälat Schreiben an hohe Personen abgehen lassen, so benützte er dazu häufig die Hand des P. Johann Kaspar’s.91 Als Federzeichnung besitzen wir von ihm „Arma gentilitia“ aus dem Wappenbuche Aegid Tschudi’s, wie auch ein Oktavbändchen Ornamentzeichnungen vom Jahre 1605.92; dann malte er die Wappen des bei Sempach (1386) gefallenen Adels.93 Mehrere Heilige malte er auf Kupferplatten.94 Dem Heinrich Stocker, einem Schweizer, der in München, das „Theatrum Benedictinum“ oder das Leben des hl. Benedikt in 24 Kupferstichen herausgab, hat P. Johann Kaspar wohl gute Hilfe geleistet.95

Nebst der Kalligraphie und Malerkunst liebte P. Johann Kaspar auch die Kupferstecherkunst. Die noch vorhandenen Stücke, die von ihm gestochen wurden, lassen erkennen, dass er für diese Kunst grosse Anlagen besass. Solche sind: der selige Burkard;96 die hl. Anna im Anniversarienbuch zu Bünzen. Im Thurmknopfe zu Wohlen fand man 1829 eine Kupferplatte, worauf P. Johann Kaspar die Geschichte des Thurmbaues u. s. w. kurz eingravirt hatte.97 Ein Stich, Maria mit dem Jesukinde auf dem Arme, trägt das Monogramm: F. J. C. W. fecit 1609.98 Die antiquarische Gesellschaft der (II-109) Schweiz besitzt in ihrer Sammlung einen Grundriss von der ehemaligen Kirche des Benediktinerstiftes Rheinau auf einem vom Jahre 1619 datirten Kupferstiche von P. Johann Kaspar Winterlin.99

Endlich verlegte sich dieser unermüdliche und kunstsinnige Mann auf Astronomie und Mathematik, worin er sich bedeutende Kenntnisse erwarb. Der von ihm verfertigte und später häufig bewunderte Astrolab ging leider nebst vielen andern physikalischen Instrumenten und Kunstwerken in der französischen Revolution, wie auch bei der Klosteraufhebung (1841) zu Grunde. Denn es schreibt P. Anselm von P. Johann Kaspar: „Zeugniss von seiner kunsterfahrenen Hand legen heute noch (1693) die von ihm geschriebenen und colorirten Antiphonarien, der Astrolab und andere dergleichen Instrumente ab.“100 In dieses Lob über die Kunst unseres frommen und bescheidenen Mitbruders stimmt auch J. Anton Balthasar ein, indem er schreibt: „Winterlin war in mannigfaltigen Künsten unvergleichlich, besonders stand er in der Mathematik, wie auch in der Schreibe- und Malerkunst seiner Zeit Keinem nach.“101 P. Johann Kaspar gelangte zur Urquelle aller Schönheit am 27. Februar 1634.102 Die Stadt Luzern liess ihm als ihrem Mitbürger und wohl auch wegen geleisteter Dienste beim Kirchenbaue im Hofe einen Seelengottesdienst abhalten.103

Als Schüler P. Winterlin’s im Zeichnen und Malen können P. Augustin Stöcklin und P. Anselm Weissenbach angesehen werden. Beide zeichneten korrekt und mit grosser Leichtigkeit und wussten auch den Pinsel mit Geschick zu führen.104 Abt Hieronymus schickte sogar einen Candidaten, der Freude und Anlagen zum Zeichnen und Malen hatte, auf Kosten des Klosters zum Maler Kolin nach Zug.105

(II-110) Die Vorliebe zu den Glasgemälden wahrte Muri, wie im sechzehnten Jahrhunderte, auch im siebenzehnten. Beweise liefern die im Muri-Archiv zu Aarau wie auch die in Gries vorfindlichen Stücke.106

Mit den Priestern wetteiferten im 17. Jahrhunderte auch die Laienbrüder in der Pflege der Künste. Unter diesen glänzt besonders Br. Balthasar Schröter, Convertit aus Rudolfstatt in Thüringen,107 als Buchbinder und Buchdrucker. Die von seiner Hand gebundenen Bücher waren eine Zierde der Muri-Bibliothek. Mehrere dieser Bücher, mit eingepressten Figuren und Wappen, befinden sich heute noch in der Kantonsbibliothek zu Aarau.108 Sehenswerth ist besonders das von ihm gebundene Messbuch in Boswil, das Abt Johann Jodok der dortigen Pfarrkirche schenkte.109

Br. Balthasar mag den Abt Johann Jodok auch veranlasst haben, im Kloster eine Buchdruckerei zu errichten. Daher druckte Br. Balthasar mehrere, meistens religiöse und zum Nutzen des Klosters dienliche Werke. Nach seinem Tode (1647) arbeiteten in der Druckerei auch Priester, die oft ihre Geistesprodukte zum Drucke brachten; später wurden weltliche Drucker angestellt, die ein Konventual überwachte. Werke, die vor 1684 aus der Muri-Druckerei hervorgingen, sind uns bis anhin neun (resp. zehn) bekannt.110

Die Liebe zur Kunst in den Klosterzellen bestimmten auch Laien ausserhalb der Klostermauern, den schönen Künsten sich zu widmen. Simon Bachmann, gebürtig aus der Pfarrei Muri, oblag mit Vorliebe der Bildnerei und Malerkunst. (II-111) Er wurde später dem Muri-Konvente einverleibt („frater conscriptus“). Aus Begeisterung für die Kunst und um sich selbst besser zu bilden, durchreiste er Italien, Ungarn, Böhmen und Deutschland. Als er sich mit der Malerei und Bildhauerkunst vollständig vertraut gemacht hatte, kehrte er gegen Ende des 30jährigen Krieges in die Heimath zurück und rechnete es sich zur Ehre, die Stühle unseres Betchores kunstvoll erstellen zu dürfen. Er zierte sie mit zartem Laubwerke, 26 Heiligenfiguren aus Holz und 25 Reliefs in Holz aus dem Leben und Leiden Jesu Christi. Diese Arbeiten gehören zu den schönsten der Holzschneidekunst des 17. Jahrhunderts.111 Nach deren Vollendung übersiedelte Bachmann, versehen mit einem Empfehlungsschreiben des Muri-Abtes, 1653 nach Luzern. Im Jahre 1662 brachte er dem Stifte Muri 1880 Gl. zum Geschenke. Sein Todesjahr ist unbekannt.112

Es erübrigt noch, die Thätigkeit der Konventualen in der Schule zu betrachten.

V. Die Klosterschule in Muri

erhielt nach dem Jahre 1596 einen neuen Aufschwung. Wir haben gesagt, dass Abt Johann Jodok seine jungen Leute in die Gynmasialklassen zu den Jesuiten nach Luzern geschickt habe, um nebst Erlangung einer guten Grundlage für die höhern Wissenschaften, auch die Unterrichtsmethode der in der Pädagogik ausgezeichneten Väter kennen zu lernen.113 Der kluge Prälat erreichte seine Zwecke vollkommen.

Die Aufnahme der Zöglinge in das Gymnasium unseres Stiftes hing im 16. Jahrhunderte vom Kapitel ab; später genügte die Zusage des Abtes.114 Das Kostgeld wurde von der Congregation im Jahre 1655 auf 45 Gl. gesetzt; der Abt könne jedoch mehr oder minder verlangen. Die Knaben hatten einen Aufseher, der, weil er zugleich Unterricht ertheilte, bis (II-112) 1600 „Schulmeister“ hiess und oft ein Laie war.115 Später nannte man diesen Leiter der Studirenden in einigen Klöstern „Präceptor“, wie in Muri, und in andern „Moderator.“ Diese Leiter erkor der Abt später stets aus der Mitte der Kapitularen.116 Als trefflicher Präceptor wird in diesen Zeiten besonders P. Gregor Feer († 1659) gerühmt,117 der seine Pflicht, die Schüler in der Zucht zu erhalten, auf das Beste verstand.

Im Jahre 1610 waren 10 Schüler in Muri, die streng in Ordnung gehalten wurden. Drei derselben verliessen118 daher heimlich das Kloster; sie wurden aber aufgefangen und vor den Landvogt geführt. Dieser nahm sie in ein scharfes Examen. Die Flüchtlinge sagten nun folgendes aus: „Einige Jahre seien sie mit „Schulmeistern“ gar „liederlich“ versehen gewesen; kürzlich sei einer gekommen, „der nit ein schulmeister sey, sondern ein Tyrann, der in seinen strafen weder Mass noch Zill halte.“ Darnach habe der Abt den Knaben das Abendbrod abgeschlagen und besonders das Fleisch, „da man ihnen 10 Knaben nit mer am Mittag denn drei stückli fleisch geben und demnach am Abend nit mer denn ein stuck ettwa eines Messers lang;119 desshalb verklagten sie sich gegen den Prior.“ Hierauf habe man zu klagen verboten, mit der Androhung: wer sich des Essens halb beklage, dem werde man ein „Produkt strichen.“ Hieronymus Hoppler liess sich dann verlauten, dass er es bald nicht mehr aushalte. Sofort wurde er in die Schule geführt und man gab ihm vor dem Abte und dem ganzen Konvente 40 Streiche. Dasselbe sei mit dem Gilg Bisling geschehen; der aber 30 Streiche erhielt. Zugleich sagte der Prior öffentlich: „Welcher es nit erlyden möge, wie es dann jetzt zugath, dem stat thür und Thor offen, der mag wol usshar gan.“ Zum Dritten so sind die Konventherren auch gar tyrannisch mit dem Knaben „und gebe einer hie den Knaben ein Oehrig (Ohrfeig), dem andern dort“, es sei gleich ausser- oder innerhalb der Kirche. (II-113) Viertens sprechen die Knaben von einer Uneinigkeit im Kloster.120 Fünftens sagen sie aus: am 5. Juli habe man den Knaben erlaubt, zum Sentihof121 zu gehen. Jost Welti machte bei dieser Gelegenheit dem Schulmeister die Anzeige, drei Knaben seien entschlossen, dem Kloster zu entlaufen. Der Schulmeister drohte auf das hin, bis zum Dienstag die Sache vor den Abt und den ganzen Konvent zu bringen, damit man sie „streiche“, bis das Blut komme. Desshalb seien sie drei in der Frühe um 3 Uhr aus dem Kloster gestiegen, weil sie das Spiel nicht abwarten wollten. Indessen seien sie beflissen gewesen, vorhin den Ihrigen hievon Anzeige zu machen, und sie seien gesonnen fortzustudircn, Priester zu werden, fromm zu leben, dass sich Keiner über sie beklagen könne.122

Daraus ersehen wir, Muri habe in der Jugenderziehung vorzüglich die Ruthe gebraucht.123 Die übrigen Strafen werden denen ähnlich gewesen sein, welche in Einsiedeln zur Anwendung kamen: Strafzeichen (signum dare) zur Beschämung am Ende des Tages oder der Woche; Fasten bei Wasser und Brod, Bodensitzen u. s. w.124

Die Schüler machten die Chorübungen (Gebete, Gesänge etc.) mit und wurden im weiteren Sinne als Mitglieder des Klosters angesehen; daher ihre Aufnahme ehemals beim Kapitel stand; jedoch waren die Knaben keineswegs zum wirklichen Eintritte in’s Kloster gehalten. Ihre Kleidung war ein schwarzer Talar, mit Gürtel und schwarzer Klerikalhaube. Die Zahl der Zöglinge in den sechs Gymnasialklassen schwankte zwischen 6 und 12.125

(II-114) Bis zum Jahre 1621 waren in Muri nur die vier ersten Lateinklassen, nämlich Rudiment, Grammatik, I. und II. Syntax. Im besagten Jahre fügte Abt Johann Jodok diesen Klassen auch das Obergymnasium bei, indem er als Professoren P. Dominik Tschudi für die I. und II. Rhetorik und P. Franz Letter für die Philosophie bezeichnete. Die Theologie mag in Muri um das Jahr 1630 das erste Mal einen Lehrstuhl erhalten haben. Damals war für die Rudiment, für die Grammatik, für I. und II. Syntax, I. und II. Rhetorik, für die Philosophie und für die Theologie je ein Professor bestimmt. Waren alle Klassen besetzt, so musste der Konvent sechs Professoren stellen. Die Philosophie wurde gewöhnlich in zwei und die Theologie in drei Jahren absolvirt, die gewöhnlich nur für „fratres professi“ des eigenen oder eines fremden Klosters gelehrt wurden; hingegen die Rhetorik und die niederen Klassen konnte jeder „ehrliche“ Jüngling in Muri studiren.126 Im Jahre 1667 hörten bei P. Dominik Suri acht und 1669 fünf Fratres die Philosophie, darunter war Fr. Karl vom Kloster Disentis.127

Die Philosophen und Theologen erfreuten sich besonderer Begünstigungen. Nach den Prüfungen durften sie mit ihren Professoren eine Reise nach Sursee oder in die Klöster Wettingen, Rheinau, Beinwil (Mariastein) etc. machen. P. Jodok Stirnemann schreibt in sein Tagebuch: er sei im Jahre 1670 mit 16 Jahren nach Muri gekommen, P. Bonaventura sei Präceptor gewesen, und er habe im Jahre 1675 in der Philosophie vier Mitschüler gehabt, mit denen er nach der Prüfung eine Reise nach Sursee machte.128 Die Fratres der oben genannten Klöster durften dann wieder einen Gegenbesuch in Muri machen. Abt Hieronymus Troger von Muri stellte am 15. Oktober 1678 dem Abte in Wettingen ein Zeugniss aus,129 dass seine Fratres, die er mit ihrem Professor nach Muri gehen liess, sich sehr erbaulich betragen hatten.

Ein ausführlicher Studienplan von Muri aus dieser Zeit liegt nicht vor. Weil aber die Congregation auf Gleichförmigkeit drang, so wird er mit dem Einsiedler-Schulplan Aehnlichkeit gehabt haben.130 Nach Andeutungen verband man in Muri mit der Philosophie und Mathematik auch die Physik, Optik und Mechanik: allein diese Fächer mussten die Schüler in (II-115) lateinischer Sprache anhören.131 Die Theologie wurde in Traktande zerlegt. Ihr Studium umfasste nicht blos Dogmatik und Moral, sondern auch die Bibel- und Rechtskunde. Die Theorie verband man mit praktischen Uebungen. Um die Rechtswissenschaft in Muri zu lehren, berief Abt Hieronymus 1681 einen Konventualen vom Kloster Mariastein.132 Derselbe Abt förderte zugleich das Studium der Moral und setzte die Conferenzen für Casuslösung, die 1655 vom Abte Bonaventura I. eingeführt worden, wie auch die Disputationen fort.

Die Schüler des Untergymnasiums hatten den Katechismus und die lateinische Sprache als Hauptfächer. In der Humaniora (I. und II. Rhetorik) wurden die lateinischen Klassiker gründlich studirt und die Regeln der lateinischen Poesie und Beredsamkeit fleissig eingeübt. Die noch vorhandenen Gedichte, Reden oder lateinischen Chroniken haben meistens ein klassisches Latein und sind ein rühmliches Zeugniss für Lehrer und Schüler. Die deutsche Sprache erfuhr indessen nur eine stiefmütterliche Behandlung. Die Mathematik hielt Abt Aegid der Beachtung werth; er wünschte nämlich sehr, dass Fr. Bonifaz Weber, den er zur Anhörung des Kirchen- und bürgerlichen Rechtes nach Freiburg im Br. geschickt hatte, auch die Mathematik erlerne. Allein diese Wissenschaft wurde damals auf genannter Universität gar nicht gelehrt. Es schreibt nämlich am 31. März 1659 Fr. Bonifaz aus Freiburg an den Abt: er hätte sich längst schon nach seinem Verlangen auf andere Wissenschaften, wie auf die Mathematik und die hebräische Sprache verlegt; allein es sei wirklich Niemand da, der sie tradire; er wolle aber mit Gutheissen des Abtes die Arithmetik bei einem Schulmeister erlernen. Ferner bemerkt er, dass das „Studium canonicum“ schlecht gelehrt werde.133 Daraus und aus andern Quellen erhellt, dass man die hebräische und griechische Sprache zu Muri im XVII. Jahrhunderte zu schätzen wusste.134

Fleissige Pflege fand auch die Kalligraphie. Nebst dem von P. Johann Kaspar geschriebenen Schönschreibhefte benützte man in Muri um das Jahr 1680 das Schreibformularbuch von Peter Stoyer, Schreib- und Lehrmeister in Leipzig.135 In hohen Ehren stand die Geschichte. Ihre Gönner P. Augustin Stöcklin, P. Bernard Zumbrunnen u. A. haben wir bereits kennen gelernt.

(II-116) Dass Muri nicht bloss seine eigenen Schulen mit trefflichen Professoren versah, sondern auch in mehrere Klöster der Congregation, ja solche wahrscheinlich sogar nach Rottwil schickte, haben wir bereits gemeldet. Es erübrigt aber noch einen diesbezüglichen Brief vom Abt Exuperius von Ebersmünster (1665) anzuführen. Dieser drückte im vorhergehenden Jahre seine Freude aus, dass er mit zwei seiner Mitbrüder als Frater in Muri studiren konnte. Jetzt richtet er das Gesuch an den Abt Aegid, dass er ihm einen oder zwei Professoren der Philosophie sende.136

Damit unsere Mitbrüder das nöthige Wissen für die Seelsorge, die Schule und die Oekonomie sich leichter aneignen konnten, ordneten sie auch die Archive und die Bibliothek. In den Archiven arbeiteten mit Ausdauer und Umsicht P. Augustin Stöcklin, P. Dominik Tschudi und P. Anselm Weissenbach. Letzterer schrieb dann die zwei oft citirten Bände der Hauschronik (Annales und Ecclesiastica). Die Bibliothek bereicherten sowohl die Aebte mit neuen brauchbaren Büchern als auch die Kapitularen.137 Daher musste schon 1609 eine neue Bibliothek gebaut werden,138 und im Jahre 1677 gab der Prälat Hieronymus II. Bestimmungen für die Bibliothek-Benützung, damit die Bücher nicht verloren gingen. Darüber hatte dann der bezeichnete Bibliothekar zu wachen.139

Die vielen Zueignungen (Dedikationen) defendirter Thesen, womit die Kandidaten der Philosophie und Theologie unser Kloster im eigentlichen Sinne des Wortes überschütteten, mögen als Beweis des regen Eifers der studirenden Jugend damaliger Zeit angesehen werden.140 Aber leider scheint der Hauptgrund zur Veröffentlichung solcher unreifer Arbeiten oft nur die Aussicht auf ein schönes Ehrengeschenk, das die Klöster gaben, gewesen zu sein. Daher fühlte sich die Congregation (1655) bewogen, zu bestimmen, dass für solche dedicirte Thesen nicht mehr als 5 Dukaten als Ehrengabe gegeben werden.141 Eine ehrenvolle Erwähnung verdienen die „Assertiones theologicae de Uno et Trino“, welche die Wettinger-Theologen (II-117) mit ihrem Professor, P. Gregor Omlin, dem Abte Hieronymus Troger 1674 widmeten.142

Die Aufschrift, die wir diesem Abschnitte gaben, „Muri hebt sich und blüht“, mögen noch:

VI. Fremde, äussere Beweise bekräftigen.

Wir lassen die Lobsprüche, welche unserm Gotteshause wegen der Disciplin und Thätigkeit der Mitglieder gespendet werden, ohne weitere Einleitung folgen. Kardinal d’ Aquino rühmt den Abt Johann Jodok und seine Mitbrüder, dass sie preiswürdigst bemüht sind, die Reformen einzuführen.143 Der eifrige Benediktiner P. Gabriel Bucelin schreibt (1679): „Muri im Aargau hält mit unerschütterlicher Kraft die Zucht aufrecht, welche die Schlauheit der Welt bisher zum Wanken zu bringen nicht vermochte.“144

Thatsächliche Beweise, dass in unserm Kloster Tugend und Frömmigkeit herrschten, geben die hochgestellten Personen, die als fratres conscripti mit unsern Mitbrüdern in geistige Verbindung traten, um der Gebete, Verdienste und guten Werke derselben theilhaftig zu werden, wie der Nuntius Turriani, der Fürstbischof von Constanz, Johann von Prassberg, u. A.145

Um sich dieses geistigen Segens des Muri-Konventes theilhaftig zu machen, und von ihm geistig und leiblich verpflegt zu werden, verschrieben oft Laien niedern Standes ihr ganzes Vermögen demselben und schätzten sich glücklich, als Verpfründete neben den Mönchen zu beten und manchesmal auch zu speisen.146 In dieser Absicht gab der Bildhauer Bachmann 1880 Gl.147 Johannes Rudolf Sattler, Convertit von Basel, längere Zeit Eremit im Ranft (Kanton Obwalden), dann auf dem Berge Ehrlosen (Kanton Luzern), erkrankte 1680 und bat den Konvent in Muri, dass er als frater conscriptus oder Pfründner von ihm aufgenommen werde. Seine Bitte wurde erhört. Sattler kam nach Muri, wo er bald verschied. Seine Gabe an’s Kloster war 1000 Gl.148 Ein anderer, der sich als Verpfründeter dem Kloster anschloss, (II-118) war Hans Schmidlin, Hofschneider. Dieser versprach am 1. Jänner 1609, ehrbarlich und gehorsam sich aufzuführen, sein Schneiderhandwerk fortzusetzen, keine Schulden zu machen, keinen Liedlohn mehr zu verlangen, sein Gütlein nach dem Tode seiner Schwester dem Kloster zu überlassen; dagegen verpflichtet sich das Kloster, dem Schmidlin im Gotteshause Wohnung, Speise und Trank in gesunden und kranken Tagen zu geben, dazu wöchentlich 3mal einen Becher Wein, ihn zu kleiden und nach dem Tode ehrbar beerdigen zu lassen.149Friedrich Hans Jost Wiederkehr gibt (1662) sein ganzes Vermögen dem Kloster, wogegen dasselbe verspricht, für sein ganzes Leben in Allem zu sorgen, ihn nach dem Tode in das Nekrologium einzuzeichnen und für ihn, wie für einen verstorbenen Konventualen, hl. Messen zu lesen.150 Maria Grettler von Neuheim wurde um 535 Gl. als Pfründnerin angenommen.151

Nebst diesen Pfründnern finden wir in diesem Zeitraume noch andere Wohlthäter, die unserm aufblühenden Kloster reichliche Gaben spendeten. An deren Spitze steht Schultheiss Heinrich von Fleckenstein152 von Luzern, Hauptmann des Schweizer-Regimentes in Mailand, dessen Vorfahren schon lange mit Muri befreundet waren.153 Dieser erkrankte, von der Tagsatzung in Baden kommend, am 10. Sept. 1664 in Muri. Im Testamente vermachte er unserm Kloster sein Schloss Heidegg unter der Bedingung, dass der Abt nach seinem Tode sogleich einen Oekonom nebst andern Priestern aus dem Konvente dahin sende, damit sie die Güter für’s Kloster verwalten, täglich wenigstens eine hl. Messe in der Schlosskapelle lesen und zugleich jährlich zwei feierliche Jahrtage für ihn und seine Verwandten halten. Diese Vergabung hatte er schon früher durch den Nuntius und den Auditor Cotta abfassen und zur bessern Bekräftigung vom hl. Stuhle bestätigen lassen; auf dem Todbette in Muri erneuerte er nur dieselbe vor mehreren Zeugen.154 Einen Jahrtag in Muri hatte Heinrich von Fleckenstein bereits 1640 mit ansehnlichen Zinsen von seinen Gütern in Aesch gestiftet.155 Die Erben stritten aber die Vergabung des Schlosses Heidegg an. Abt Aegid und sein Kapitel in Muri wollten aus verschiedenen Gründen mit ihnen (II-119) nicht rechten. Beide Parteien verglichen sich dann im Frieden dahin, dass die Erben für das Schloss Heidegg dem Kloster Muri 12,000 Gl. ohne weitere Verbindlichkeit auszahlen sollten, was auch wirklich geschah.156

Am 28. August 1669 starb der von den Türken gefürchtete Rittmeister Pankraz Hildebrand von Boswil. Fünfunddreissig Jahre hatte er den Habsburgern gegen die Schweden und Türken157 gedient. Die letzte Zeit kämpfte er gegen die Türken in Ungarn, von wo aus er mit den Aebten Muri’s in Briefwechsel (1656-1664) stand.158 Die letzten Jahre seines Lebens brachte er in Bremgarten zu, wurde jedoch in der Pfarrkirche. zu Boswil vor dem Seitenaltare, den er auf seine Kosten bauen liess, in Gegenwart des Abtes von Muri begraben. Dem Kloster Muri schenkte er 315 Gl.159

Franz Ludwig Schnyder, Amtmann in Sursee, liess im Kloster Muri für 1500 Gl. den Hochaltar bauen.160

Der Protonotar Dr. Jakob Singeisen von Mellingen, Leutpriester in Sursee, scheint seine Handbibliothek nach Muri vergabt zu haben.161 In Sursee machte er eine Stiftung für arme Waisenkinder.162

Zum Schlusse lassen wir über das Aufblühen des Klosters Muri im XVII. Jahrhunderte Dr. Kydt, Pfarrer in Boswil (Weltpriester), sprechen, Dieser schreibt an den Abt Hieronymus Troger: „Hochwürdigster, Gnädigster Herr Prälat, ich darf ja kecklich Euer hochrühmliches Benediktinisches Gotteshaus Muri dem irdischen Paradies vergleichen und dem beseligsten Lustgarten Gottes gleich schätzen; denn wenn die göttliche Schrift Sodoma und alle ihre umliegenden Oerter, ehe sie in die armselige stinckende Sünde der Unlauterkeit (II-120) gefallen, einen Lustgarten namsen durfte, warum sollte ich nicht eine Versammlung so vieler frommen, gottseligen, eifrigen, gerechten, gottesfürchtigen und unschuldigen Religiosen einen Lustgarten betiteln. Ist das Paradies mit dem Baume der Wissenschaft – guten und bösen – geziert gewesen, so finde ich in diesem hochansehnlichen Gotteshause, das in ganzer Eidgenossenschaft berühmte und beständige Studium theologicum, philosophicum und Juris canonici, durch welche Studien so viele herrliche Subjecta der ganzen Welt vorgestellt werden.“163


  1. P. Leodegar Schmid, Katalog der Mitbrüder; Tractatus de Congregationibus, p. 224-361.

  2. Annales, p. 743; Katalog des P. Leodegar Schmid.

  3. Annales, p. 587.

  4. Annales, p. 683, 684; Arch. Muri in Aarau B. 3, 11. 4.

  5. Annales, p. 674, 675.

  6. Annales, p. 674, 675.

  7. Annales, p. 762, 763.

  8. Katalog von P. Leod. Schmid.

  9. Das Archiv Muri in Gries birgt mehrere Schilderungen verwüsteter Klöster im Elsass, Schwabenland etc. (A. IV. IV.).

  10. Ich kann nicht verbürgen, ob diese Namen auch immer von P. Ans. Weiss. gehörig geschrieben wurden.

  11. Bellelay, im heutigen Kanton Bern, gehörte ehemals dem Bischof von Basel; wurde von Schaaren, die aus dem Elsass kamen, verheert.

  12. Vgl. „Studien“ der Benediktiner, Jahrgang II., 1., S. 141 ff. u. 144.

  13. Annales, p. 637-639.

  14. Arch. Muri in Gries A. IV. IV.

  15. Arch. Muri in Gries, Correspondenzen aus dieser Zeit A. IV. IV, 2.

  16. Den 3. Jänner 1637 („quandoquidem hic supra modum gravamur“).

  17. Arch. Muri in Gries A. IV. IV, 10.

  18. Acta. Capit, Murens.

  19. Herausgegeben im Freiburger Diöcesan-Archiv durch Dr. J. Alzog. Die Handschrift liegt in Mehrerau.

  20. Vgl. Rechnungsbücher von 1596 bis 1610 u. s. w. (Arch. Muri m Aarau). Die „Schuoler“ von Bremgarten, welche dem Abte 1601 „ein gutes Jahr“ sangen, erhielten 2 Gl. und 1 Schill.

  21. Bei 3 Pfennige.

  22. Eccles., p. 306-308.

  23. Annales, p, 596.

  24. Pfarrlade Boswil.

  25. Annales, 728; Meng, Kapitel Mellingen u. a. O.

  26. P. Anselm Weissenbach erzählt zugleich: er habe von alten und verständigen Männern gehört, P. Columban habe die Gabe der Weissagung besessen, indem er öfters Ereignisse voraussagte, die in allen Umständen eintrafen (Annales, p. 625).

  27. Annales, p. 627-629.

  28. Bis dahin wohnten die Pfarrer aus dem Konvente im Kloster.

  29. Von den Pestkranken starben in Muri 30; viele genasen (P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 388- 393); vom Murikonvente wurde keiner, ausser den 2 Pfarrern, von der Pest ergriffen. Im Kloster Engelberg starben von 8 Konventualen 7 und in Fischingen 3, darunter 2 Pfarrer; in Einsiedeln erlagen 5 Konventualen der Pest, in St. Gallen 10 und in Pfäfers 3 (Tractatus de Congreg., p. 234-235).

  30. Im Jahre 1602 besuchten in Luzern a) die Grammatik: Fr. Johannes Zumstein und Fr. Bernard Seiler; b. die Rhetorik: Fr. Jodok Welti; im Jahre 1603 kamen in die Syntax: Fr. Benedikt Lang und Fr. Martin Huber; im Jahre 1638 trat im 17. Altersjahre in die Rudimente (I. Kl.) Fr. Kaspar Stierli. Andere, wie Stöcklin, Weber und Zengerlin machten vor ihrem Eintritte in Muri die Studien in Luzern (Hdschr. in der Einsiedler-Bibl.). Stierli scheint nicht zur Profession gekommen zu sein, denn er fehlt im Kataloge, wie Fr. Johannes Kaspar Letter, der in Dillingen studirte und am 12. April 1598 auf seiner Heimreise in Wiblingen starb und Novize (novitius noster) hiess (Annales, p. 568). Warum Bernard Seiler und Martin Huber erst 1614 zur Profession kamen, während der erste schon 1602 und der andere 1603 in der I. und II. Lateinklasse sind, ist nicht bekannt.

  31. In den Jahren 1612 bis 1617 studirten bei den Jesuiten in Dillingen aus der Schweizer-Congregation 27 Konventualen die Philosophie und Theologie: 11 von St. Gallen, 9 von Einsiedeln und 7 von Muri.

  32. Handschr. in der Einsiedler-Bibliothek.

  33. Arch. Muri in Gries.

  34. Arch. Muri in Aarau B, 3. E, 1. Abt Aegid zahlte für ihn 183 Gl., 12 Kr., 5 Hllr.

  35. Mabillon, Itiner. Germ., p. 4; Aunales Benedict. II., p. 46.

  36. „Cupimus praedictum Dominum (Joanem Jacobum Stöcklin) magistrum … triennio insuper philosophiae impenso plane dignum habitum fuisse, qui insignia magisterii artium liberalium ac philosophiae summa cum laude reportaret“ (Arch. Muri in Aarau B, 3. C, 2).

  37. Die öffentliche Disputation „De Religiosorum Ecclesiae christianae Ordinum status natura, dignitate, obligationibus“ etc. erschien zu Dillingen bei Wittwe des Joh. Maier im Drucke und hat 69 Seiten.

  38. Arch. Muri in Gries. Es sind über 400 Folioseiten mit zierlicher Hand geschrieben und mehrere Wappenzeichnungen enthaltend.

  39. „Vir omni exceptione major“ (Tract. de Congr. p. 249).

  40. Handschrift, vgl. Prodromus von Egb. Fr. von Mülinen, S. 154.

  41. Annales O. S. B. II., 509.

  42. Hdschr. in Bibl. Einsiedeln, Nro 399.

  43. Hier nennt er sich „Canonum Licentiatus.“ Von Pfäfers aus suchte Stöcklin den Tschudischen handschriftlichen Nachlass in Glarus auf und copirte einen Band (Jahre 800-900) von dessen Annalen, indem er zugleich bemerkte, Tschudi habe 9 Bände eigenhändig angelegter Annalen hinterlassen (Neujahrsblatt von der Stadtbibliothok in Zürich 1889, S. 6).

  44. Arch. Disentis.

  45. Prodromus von Egb. Fr. von Mülinen, S. 153.

  46. Tiroler-Ehrenglanz, III. Heft, S. 65 ff.

  47. Monat-Rosen, 26. Jahrgang, S. 404.

  48. Handschriften im Arch. Muri in Gries.

  49. Annales, p. 651.

  50. Von diesem ist später die Rede.

  51. Arch. Muri in Gries; Schriften des P. Leodegar Schmid, u. a. O.

  52. Annales, p. 726.

  53. Handschrift in Einsiedeln, Nro. 116. – Andere historische Sammlungen (Collectanea), die aus Muri stammen, befinden sich noch in Einsiedeln.

  54. In der Einleitung sagt er: „Charum mihi fateor, immo charissimum studium litterarum, et in id, quod ad vitam suppeditat, legendo, scribendo, excerpendo seclusus incumbam“ (Arch. Muri in Gries).

  55. Handschrift in Einsiedeln, Nro. 299.

  56. Handschrift in Gries.

  57. Vgl. Dr. Iselin, Vorrede zum Chronicon von Aegid Tschndi, 2 Bde. – Vgl. auch Neujahrsblatt von der Stadtbibliothek in Zürich, 1889, S. 10 ff. – In Gries und Aarau sind noch andere Handschriften historischen Inhaltes, die aus dieser Zeit stammen und in Muri geschrieben wurden.

  58. Annales, p. 735-736.

  59. Annales, p. 673-674; Arch. Muri in Aarau B, 3. H, 1-2.

  60. Diese Aktenstücke nebst den vielen Concepten der Briefe des P. Dominik blieben im Arch. Klingenberg, welche die löbl. Ersparnisskasse von Luzern als Inhaberin des Schlosses in jüngster Zeit grossmüthig dem Kloster Muri-Gries schenkte (Arch. Muri in Gries).

  61. Annales von P. Leod. Maier I., 51, 62.

  62. Handschriften in Gries.

  63. Annales, p. 753.

  64. Arch. Muri in Gries, F. II.

  65. Arch. Muri in Gries A. V. 1.

  66. P. Bernardi Pezii Epistolae apologeticae O. S. B., Kempten 1715, S. 262.

  67. Ziegelbauer I., p. 94.

  68. „Musica figurata sit religiosa et gravis et seria; proinde graviter a Superioribus prohibentur omnes Cantiones leves, praesertim eae, quae „Concertantes vocantur“ (Muri Handschrift in Gries).

  69. Annales, p. 702.

  70. Falso-bordone oder Faux-bourdon, vielleicht im 15. oder 16. Jahrhunderte so genannt von den falschen Quartgängen, ist eine freie Begleitung eines Chorals oder eines Cantus firmus, welchen die andern Singstimmen meistens gegen die Tenorstimme figuriren, oder es ist eine Begleitung der Oberstimme in Terzsextaccorden (G. Jakob, die Kunst im Dienste der Kirche, S. 392).

  71. Annales, p. 728.

  72. Annales, p. 761.

  73. Annales, p. 813.

  74. „Neue Lieder aus der Tragödie: der unsterbliche Gott in dem sterblichen Leibe eines Menschen … Die Melodieen durch R. P. Bernhard Hüser, Konventual von … Mury.“ Baden im Aargau, bei Johann Baldinger (Volksschulblatt, Schwyz, 1872, Nro. 42).

  75. Annales, p. 754.

  76. Ihn rühmt Jos. Anton Balthasar, der das „Museum virorum Lucernatum“ schrieb, also: „Laudatissimus Organorum fabricator, ob suam in arte peritiam hinc inde evocatus, egregiam ubique promeruit laudem.“

  77. Arch. Muri in Aarau D, 4. B, 8; D, 4. F. 1-7.

  78. Arch. Muri in Aarau D, 4. G, 7.

  79. Annales, p. 754. Beide Orgeln in Muri sehweigen seit 1841.

  80. Majus Organum in Basilica monasterii Murensis opus artificio et suavitate nulli per Helvetiam secundum sub hoc tempus (1638) est absolutum et erectum (Annales, p. 650).

  81. Annales, p. 679.

  82. Factus praeclarus spatioso, sancte Georgi,
    Ense fuisti in mundo et pietate simul,
    Frater ut hic Scheublin, verus qui imaginis author,
    Fac, operetur idem, fac, mereatur idem!

  83. Kloster Gries.

  84. Annales, p. 614.

  85. Vgl. Schönschreibheft, Papier, kl. 4°, 1609, Calligraphia juxta antiquorum simul et nostri temporis scriptorum varia exempla, und Schulhefte von Pergament, Calendarium secundum chorum monasterü S. Martini in Mure, 1604 (in Gries).

  86. P. J. K. fügte dem Werke ein Latein-Gedicht bei, worin er sich mit dem Dichter der Aeneis vergleicht und den Pentameter stets mit den Worten schliesst: „fecit uterque satis.“ Z. B.:
    Ille facit fortassis opus subtilius arte,
    Gratius iste facit; fecit uterque satis.

  87. Annales, p. 592. Dr. Th. von Liebenau glaubt, dasselbe habe Christoph von Heidegg, Goldschmied von Sursee, um 285 Gl. gemacht.

  88. Z. B. Ordo induendi Novitios (f°, pp. 54, Pergament); Nekrologium (f°, Pergam.) u. s. w.

  89. Arch. Muri in Gries.

  90. Pfarrlade Mellingen.

  91. Arch. Muri in Gries.

  92. Bibliothek in Gries. Die Ornamentzeichnungen lassen sich in zwei Theile zerlegen, wovon der erste wahrscheinlich von seinem Lehrer herstammt und der zweite dem P. J. Kaspar W. zugehört.

  93. „Illustrium familiarum insignia, quae in Sempacensi proelio plagam acceperunt“ (Annales).

  94. Kloster in Gries.

  95. Stocker (für Stacker) widmete das Theatrum dem Abte von Muri, Johann Jodok; das Muri-Wappen, wie auch die Heiligen, Johannes und Kaspar, sind beigegeben. Stocker und Winterlin möchten hiebei die von der spanischen Congregation 1596 herausgegebenen „Vita et miracula S. P. Benedicti“ benützt haben; dieses Theatrum diente für die Muri Glasgemälde vom Jahre 1702 als Vorlage (Kreuzgang in Gries).

  96. P. Aug. Stöcklin, Miscell., p. 548.

  97. Ob noch in der Pfarrlade Wohlen?

  98. Bibliothek in Gries, Leben und Regel des hl. Benedikt.

  99. Anzeiger für schweizerische Alterthumskunde, Bd, I., S. 611, vgl. auch Nagler, Monogrammisten, Bd. II., Nr. 2189.

  100. Annales, p. 643.

  101. „pietate ac diversis artibus incomparabilis, praesertim Mathematum, scribendi pingendique peritia sua aetate nemini secundus“ (Museum virorum Lucernatum).

  102. Warum P. Ans. Weiss. (Annales, 643) den Joh. Kaspar W. am 8. Nov. sterben lässt, ist mir nicht klar.

  103. Mittheil. von Dr. Th. von Liebenau; Kirchenrechnung vom Jahre 1635. Die Hofkirche in Luzern war 1633 abgebrannt.

  104. Vgl. die Miscellanea, Wappen; Annales und Eccles.

  105. Dieser Kandidat, Karl Leonz Büntener, wird in Muri die hl. Profession nie abgelegt haben, weil er weder im Katalog noch im Nekrolog erscheint; jedoch ist sein Novizen-Direktorium, das er 1683 schrieb und mit Vignetten zierte, vorhanden (Muri-Hdschr. in Gries).

  106. Otto Markwart behauptete bei seiner Doktorpromotion in Basel (1887), dass die Standesscheiben in Wettingen im Kunstwerthe bedeutend höher stehen, als die in Muri. (Im Jahrg. 1890 in der Argovia veröffentlicht.) – Die kleinen Ueberreste der Glasgemälde Muri’s, welche, nebst anderen von P. Leodegar Kretz erworbenen, nach Gries kamen, hat J. R. Rahn im „Anzeiger für Alterthumskunde“, XXI. Jahrgang, S. 45-49, beschrieben.

  107. Er schenkte mit seinem Bruder Johannes dem Pflegevogt das väterliche Erbe – 40 Gl. (Arch. Muri in Aarau T. 1).

  108. P. Anselm schreibt von ihm: „Exactissimus Typographus et Bibliopaegus, de cujus manufacturis nostra Bibliotheca snperbit“ (Annales, p. 675).

  109. Pfarrarchiv Boswil.

  110. Diese sind: 1. Officium parvum (vom hl. Vater Benedikt), ohne Jahr und Druckort, deutsch; 2. Regel des hl. Benedikt nebst einer Litanei zu diesem Heiligen, 1621, deutsch; 3. Betrachtungen vom Leiden Christi nach Konrad Machs, deutsch; 4. Geistliches Halsband vom Abte Ludwig Blosius, deutsch, 1631; 5. Zweite Auflage dieses Werkes, 1634; 6. Breviarium Benedict. a mendis expurgatum, 1656; 7. Psalterium per Hebdom. juxta Brev. Bened., 1656, pag. 144; 8. Anniversarien von Muri, 1662; 9. und 10. Propria Sanctorum monast. Mur., 1672 und 1682, letzteres wurde aber in Zug gedruckt.

  111. Im Jahre 1877 machte Maler Schwärzmann von den Heiligen und Reliefs Abdrücke in Gyps, die sich nun im Regierungsgebäude zu Aarau befinden und durch Photographien mehr zur allgemeinen Kenntniss kommen.

  112. Annales, p. 722, 723; Anzeiger für schweizerische Alterthumskunde Jahrgang 1880, S. 38.

  113. Vgl. oben S. 99.

  114. Es liegen drei Schreiben an „Prior und Konvent in Muri“ vor, worin ein Vater um die Aufnahme seines Sohnes in die Klosterschule von Muri nachsucht und bedauert, dass er nicht alle Kapitularen bei seinem letzten Besuche begrüsst und seinen Sohn ihnen empfohlen habe (Staatsarch. Luzern, Kloster Muri).

  115. Im Jahre 1598 begleitete der „deutsche Schulmeister“ den Fr. Joh. K. Winterlin nach Dillingen und bekam desshalb 2 Gl. Trinkgeld (Arch. Muri in Aarau).

  116. Vom Jahre 1652-1700 gibt ein Murikapitular die Reihenfolge der Präceptoren fleissig an (Muri-Handschriften in Gries).

  117. Annales, p. 726.

  118. Urban Grüter von St. Gallen, Hieronymus Hoppler von Hermetsehwil und Hans Graf von Rapperswil.

  119. Die Muri-Studenten hatten somit am Mittag und Abend Fleisch. Dass fehlerhafte Studenten über die Kost klagen, ist eine alte Erfahrung.

  120. Sie deuten auf die Zustände vom Jahre 1596 – Absetzung des Abtes – und die Einführung der Reform hin.

  121. Ein für die Viehzucht bestimmter Murihof auf dem Lindenberg.

  122. Staatsarch. Luzern, Kloster-Muri-Akten.

  123. Diese applicirte man damals meistens am Hintertheile, was auch aus der Esslinger-Schulordnung hervorgeht, welche 1548 vorschreibt: der Lehrer soll seinen Schülern nicht an den Kopf schlagen, sie weder mit Tatzen, Schlappen, Maulaffen und Haarrupfen, noch mit Ohrenumdrehen, Nasenschnellen und Hirnbatzen strafen; keine Stöcke und Kolben zur Züchtigung gebrauchen, sondern allein ihnen – das Hintertheil mit Ruthen streichen.

  124. Schulprogramm des Stiftes Einsiedeln, 1855, S. 27.

  125. Im Jahre 1622 waren in Muri 6 Schüler (scolares), darunter Viktor Fink von Solothurn, der später Abt von Pfäfers wurde; Einsiedeln hatte damals vier Schüler (Einsiedler Hdschr., Nro. 700)! In den Jahren 1649 und 1660 sind in Muri 10 Studenten. In den Jahren 1667 bis 1672 war der Zudrang zum Muri-Gymnasium laut Rechnungsbuch vom Abte Fridolin I. ziemlich stark, indem 58 Ansuchen für Aufnahme in dasselbe einliefen, so dass der Abt oft Mühe hatte, die dringlichen Bittsteller abzuweisen. Oefters schreibt er in’s Tagebuch: „excusavi“; ein anderes Mal: „receptus est propter instantiam fratrum“ (Arch. Muri in Aarau).

  126. Das Tagbuch des Abtes Fridolin (Arch. Muri in Aarau) nennt Schultheissen, Amtmänner, Hauptleute etc., welche in Muri die Studien gemacht hatten.

  127. Arch. Muri in Aarau. Früher und später studirten viele exilirte Fratres aus Deutschland in Muri (s. oben S. 93 ff.).

  128. Arch Muri in Gries A. IV. III.

  129. Arch. Muri in Gries, A. IV. III.

  130. Einsiedler Schulprogramm vom Jahre 1855, S. 21 ff. 1

  131. Arch. Muri in Gries G. III.

  132. Arch. Muri in Gries A. I. III; Acta Capituli Mur.

  133. Arch. Muri in Aarau B, 3. E, 6.

  134. Vgl. Muri-Druck u. Handschr. in Gries.

  135. Herausgegeben in Nürnberg bei Paul Fürst, 1666.

  136. Arch. Muri in Gries A. IV. IV.

  137. Der Buchhändler Haller in Zürich erhielt im Jahre 1600 von Muri fünfzig Gulden; wieder mehrere Gulden 1603 u. s. w. (Arch. Muri in Aarau, Rechnungsbücher).

  138. Annales, p. 587.

  139. Acta Capituli Mur.

  140. Kaspar Besler von Uri, Zögling im Schweizcrcollegiam zu Mailand (1622), widmete dem Abte und Prior (Hieronymus Troger von Muri) seinen „Zodiacus“, worin er in allen Arten des Epigrammes dem Muri-Konvente Lob spendet (Bibliothek in Gries).

  141. Tractatus de Congreg., p. 175.

  142. Bibliothek in Gries.

  143. Annales, p. 609; Arch. in Gries A. VI. f. I. (Folioband, Briefe).

  144. H. Schreiber, Historisches Taschenbuch für Süddeutschland.

  145. Annales, p. 606, 607. 658, 659, 722.

  146. P. Leodegar Schmid, Chronik I., 52, 53.

  147. Arch. Muri in Aarau B, 3. V, 1. Ob er in Muri starb ist nicht bekannt.

  148. Acta Cap.; Annales, p. 781; Archiv Muri in Aarau B, 3. W, 1-18. Die Verhandlungen mit dessen Verwandten und der Regierung in Basel währten lange.

  149. Arch. Muri in Aarau B, 3. T, 1-2.

  150. Arch. Muri in Aarau B, 3. V, 3.

  151. Arch. Muri in Aarau B, 3. V, 4.

  152. Die von Fleckenstein waren in Bremgarten und Umgebung begütert (Argovia VIII., 73 ff.).

  153. Arch. Muri in Gries, Miscell. F. II.

  154. Annales, p. 738-740.

  155. Ecclesiast., p. 315.

  156. Eccles., p. 316-319; Annales, p. 741-743.

  157. Beim Niederreissen des alten Rosstalles in Muri um das Jahr 1864 fand man unter verschiedenem Zeuge das vermoderte Holzgestell eines Sattels mit einem fast unkenntlichen Wappen und der eingebrannten Inschrift: „Svenka Ridary (schwedische Reiterei) 1632“, ferner ein Stück von einer türkischen Säbelklinge (vgl. Botschaft, 1868. Nr. 41). Diese Gegenstände stammen wohl vom Rittmeister Hildebrand her.

  158. Im Jahre 1656 war er in Oberkärnten und übersandte durch Kaufleute, die auf die Mess nach Bozen gingen, Briefe in die Schweiz; 1660 erhielt er vor Stettin drei Schusswunden und versprach eine Wallfahrt nach Einsiedeln und Werthenstein; 1663 schreibt er von Tokcay dass er eben mit den Türken einen gefährlichen Strauss bestanden; 1664 meldete er, dass Grosswardein von den Kaiserlichen erobert wurde; den Calvinisten seien die Türken lieber, als die Kaiserlichen, sie thun für den Kaiser gar nichts (Arch. Muri in Gries A. IV. III.).

  159. Annales, p. 754, 755; Acta Cap. Mur.

  160. Annales, p. 765; Acta Cap. Mur.

  161. Vgl. Kantonsbibliothek in Aarau, Abtheil, Muri.

  162. Stadtarch. Sursee.

  163. Arch. Muri in Gries A. IV.