Zehntes Kapitel. Uebersiedlung und Niederlassung in Gries bei Bozen.

Der erste Schritt, den Benediktinern von Muri einen Zufluchtsort in Oesterreich anzubieten, ging unmittelbar von Sr. Majestät dem Kaiser Ferdinand aus, welcher den Fürsten Metternich beauftragte, dem Abte von Muri davon Kenntniss zu geben. Das Schreiben Sr. Durchlaucht des Haus-, Hof- und Staatskanzlers verdient seiner Wichtigkeit halber, und weil es über die ganze Sachlage einen erwünschten Ueberblick bietet, dem Wortlaute nach mitgetheilt zu werden:

„Hochw. Herr Abt! Ich bin von Seiner Majestät dem Kaiser, meinem Allergnädigsten Herrn, beauftragt, Ew. Hochwürden (II-459) die nachstehende Eröffnung zu machen. Schon als durch den Beschluss vom 13. Jänner 1841 die Aufhebung der Klöster im Aargau und sonach die Unterdrückung des Stiftes Muri, der altehrwürdigen Hausstiftung der Grafen von Habsburg, ausgesprochen worden war, haben Se. Majestät der Kaiser, wie es öffentliche Erklärungen darthun, diesem Ereignisse die lebhafteste Theilnahme gewiedmet.1 Se. Majestät gaben sich aber damals mit allen Freunden gesetzlichen Rechtes der Hoffnung hin, es werde die oberste Bundesbehörde in treuer Handhabung des Artikels XII des Bundesvertrages den gefassten Beschluss rückgängig zu machen und den bedrohten Stiften die ihnen bundesmässig gewährleistete Existens zu sichern wissen. Allein es ist diese Erwartung nunmehr durch den Tagsatzungsbeschluss vom 31. August, durch welchen dieser Gegenstand aus Abschied und Traktanden entfernt wird, zu nichte geworden. Se. Majestät wollen daher nicht länger zögern, Ew. Hochwürden und der Ihnen unterstehenden Communität einen thätigen Beweis Allerhöchster Theilnahme an ihrem Schicksale sowie des Wunsches zu geben, den Allerhöchst dieselben hegen, dass die Habsburgische Erbstiftung nicht untergehe und Ihren Altvordern die Gebete, die sie sich an ihrer Grabstätte gestiftet, solange diese nicht zugänglich, an anderer Stätte dargebracht werden. Se. Majestät haben hienach befohlen, Ew. Hochwürden und dem löblichen Konvente von Muri zu erklären, dass es von Ihnen abhänge, Ihren Sitz in das im Laufe der Zeiten erloschene Stift der Augustiner-Chorherren zu Gries in Tirol zu übertragen und dasselbe sammt dessen Stiftungsgut in Besitz zu nehmen. Der k. k. Geschäftsträger von Philippsberg, den ich mit gegenwärtigem Schreiben an Ew. Hochwürden absende, wird mit Denselben über die nähern Umstände, unter denen vorliegender Antrag zu verwirklichen wäre, Rücksprache pflegen. Zur wahren Genugthuung wird es mir gereichen, wenn unter meiner Mitwirkung eine religiöse Gemeinde nach Oesterreich übertragen wird, welche mit dem Namen von Muri auch die Tugenden und die Wissenschaft, deren sich die Bewohner dieses Gotteshauses stets beflissen und durch die sie sich notorisch die Achtung und Liebe der Bevölkerung in der Gegend des Stiftes erworben haben, auf die Nachwelt fortpflanze. Empfangen Ew. Hochwürden bei diesem Anlasse die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung. Wien, am 13. Sept. 1843, gez. v. Metternich.

Die öffentliche Erklärung, auf welche sich der Fürst im Eingange seines Schreibens beruft, datirt bereits vom 26. August (II-460) 1841, an welchem Tage Se. Majestät der Kaiser durch Allerhöchste Resolution das vormalige regulirte Chorherrenstift zu Gries als den Aufenthaltsort des dahin zu versetzenden Konventes von Muri bestimmte, ohne damit das Urstift Muri aufzugeben, sondern dessen Konvent durch Translokation zu erhalten und Muri seiner Zeit wieder zu besetzen.

Obiges fürstliche Schreiben nun überbrachte der darin genannte Hr. Geschäftsträger am 21. September persönlich dem Abte Adalbert nach Sarnen und gab ihm die gewünschten Erläuterungen, ohne einen sofortigen Entschluss zu begehren, da die Sache aus verschiedenen Gründen reiflicher Ueberlegung bedurfte, wesshalb auch dem Abte freigestellt wurde, sich darüber nicht bloss mit seinen Ordensbrüdern, sondern auch mit andern Freunden und Gönnern zu berathen und die Angelegenheit der höchsten kirchlichen Autorität zu unterbreiten.

In der That, so ausserordentlich wohlwollend und grossmüthig das kaiserliche Anerbieten war, standen ihm doch für den Augenblick nicht geringe Bedenken entgegen. Der Tagsatzungsbeschluss vom 31. August 1843 nämlich: „Die aargauische Klosterfrage aus Abschied und Traktanden fallen zu lassen und sich mit den Anträgen Aargau's zu begnügen“, war nicht bloss an sich unklar, indem einige Stände die Restitution von 3, andere von 4 Frauenklöstern voraussetzten, sondern betraf überdies einen Bundesartikel, worüber 12 Stände nicht entscheiden konnten, wesshalb auch katholische und conservative Stände sogleich dagegen protestirten und sich unter einander besprachen, um jenen Beschluss als bundeswidrig und gewissermassen alle Klöster der Schweiz bedrohend, rückgängig zu machen. Das Kloster Muri aber war dabei das meistbetheiligte und man musste besorgen, dass, wenn dessen Konvent sich jetzt schon zum Austritte entschlösse oder davon nur verlauten liesse, dies dem neu erwachen den Eifer für die gute Sache stark entgegenstreben und dadurch der ganzen Klosterangelegenheit und den katholischen Interessen in der Schweiz überhaupt schaden würde. Darum rieth auch der apostolische Nuntius, Monsignor d'Andrea, welcher von den wohlwollenden Gesinnungen Oesterreichs durch dessen Gesandten bereits unterrichtet worden war, dem Prälaten von Muri, die Sache noch geheim zu halten und über die Lage der Dinge umständlich nach Rom zu berichten. Es erschien auch dem Abte vor Allem nöthig, nähere Erkundigungen über das angebotene Kloster und zwar an Ort und Stelle einzuziehen. Er machte sich desswegen am 8. Oktober 1843 auf den Weg nach Tirol, um zuerst bei dem k. k. Gubernium in Insbruck und bei der Bezirkshauptmannschaft in Bozen das Nähere zu erfahren und dann das Stift Gries selber (II-461) in Augenschein zu nehmen. Da die Behörden schon instruirt waren, wurde er nicht bloss überall in freundlicher Weise aufgenommen, sondern erhielt auch bereitwilligst die erbetenen Aufschlüsse, sowohl von Seite des Herrn Statthalters, Grafen von Brandis; als des Bezirkshauptmanns Hammerer. Desgleichen erwiesen ihm der Probst von Bozen, Monsignor Eberle, und Baron Josef von Giovanelli, an welche er vom Grafen Brandis empfohlen war, alle mögliche Aufmerksamkeit. In Begleitung des Letztern nahm er dann auch am Morgen des 14. Oktober das Kloster und die Kirche in Gries, soweit ersteres ohne Aufsehen zugänglich war, in Augenschein. So schön die Kirche erschien, ebenso vernachlässigt und verwahrlost zeigte sich das Klostergebäude, dessen eine Hälfte noch zur Unterbringung von Soldaten verwendet wurde. Das Chorherrenstift war nämlich schon 1807 aufgelöst und darnach war auf die Gebäulichkeiten nichts mehr verwendet worden. Zwar bemühte sich der letzte Prälat, Augustin Nagele, als Tirol wieder an Oesterreich kam, um Herstellung des Stiftes, erreichte aber sein Ziel nicht und starb 1815. Nun waren 1843 noch 5 Chorherren am Leben, von denen einer Pfarrer in Gries war, während die übrigen, schon im vorgerückten Alter stehend, an verschiedenen Orten zerstreut für sich lebten. Die Güter des ehemaligen Stiftes hatte der Staat verpachtet; doch konnte Abt Adalbert über dieselben keine nähern Erkundigungen in Gries einziehen, da er, um keinen Verdacht zu erregen, das strengste Incognito wahren musste. Das Resultat der Besichtigung war im Ganzen ein günstiges, obschon es sich nicht läugnen liess, dass die Zustandsetzung der Räumlichkeiten bedeutende Summen erfordern würde. Am folgenden Tage machte der Abt dem Hochw. Herrn Fürstbischof in Trient, Johann Nep. v. Tschiderer, seine Aufwartung und kehrte dann über Mailand nach einer Abwesenheit von 15 Tagen wieder nach Sarnen zurück.

Der erste Schritt, den er nach seiner Heimkunft that, war, dass er in einem ausführlichen Circularschreiben vom 2. November seine Mitbrüder, an die es ohne Aufsehen geschehen konnte, von der ganzen Sachlage und dem Ergebniss seiner Reise in Kenntniss setzte und sie im Falle der Uebersiedlung nach Tirol zu einer vorerst noch nicht bindenden Beitrittserklärung einlud, die auch von denselben mit ihrer Unterschrift gegeben wurde.

Nun wandte er sich am 1. Dezember in einer längern Eingabe, welche den geschichtlichen Verlauf, die nähern Verhältnisse und das Für und Wider der Angelegenheit enthielt, an den hl. Stuhl und bat den hl. Vater, Papst Gregor XVI., um die Erlaubniss, wenn Se. Heiligkeit es für gut hält, in Verhandlung mit der österreichischen Regierung treten zu dürfen. (II-462) Schon am 16. Dezember antwortete ihm der Sekretär des Papstes, Lucas Pacifici: dass der österreichische Kaiser, erfüllt von religiösem Geiste, dem Abte und seinem Konvente das ehemalige Kloster zu Gries in Tirol anerbiete, habe Se. Heiligkeit sehr gefreut. Allein die Angelegenheit sei von hoher Wichtigkeit und müsse zuvor reiflich überlegt werden, um den Rath, um den der Abt gebeten, nach Bedürfniss ertheilen zu können. Diese Antwort werde daher später erfolgen; indessen ertheile der hl. Vater ihm und dem Konvente den apostolischen Segen.

Der Abt glaubte nun nicht mehr länger säumen zu dürfen, sich direkt an den Fürsten von Metternich, mit welchem er bisher bloss durch den Geschäftsträger verkehrt hatte, zu wenden. Er drückte desshalb in einem Schreiben vom 22. Jänner 1844 Sr. Durchlaucht seinen tiefgefühlten Dank für das bewiesene Wohlwollen aus und bat Hochselben, auch Sr. Majestät dem Kaiser seinen untertbhnigsten Dank auszudrücken. Zugleich benützte er diesen Anlass, dem Fürsten einige Wünsche und Bitten in Betreff der künftigen Existenz in Gries vorzutragen. Se. Durchlaucht antwortete am 12. März: Der Abt und sein Konvent möchten mit Vertrauen nach Oesterreich kommen, ihre Wünsche würden, soweit nur möglich, Berücksichtigung finden, das Ansuchen um Beistimmung des Oberhauptes der Kirche zur Uebersiedlung sei natürlich und löblich, der Abt könne, wenn er wolle, schon jetzt Abgeordnete nach Gries zur Einrichtung des Hauses entsenden, die freie Einfuhr ihrer Effekten werden an der Grenze keine Schwierigkeiten haben, Se. Majestät werde selber den Termin näher bestimmen, von wo ab der Genuss der Einkünfte des erloschenen Stiftes für den neu dahin kommenden Konvent zu beginnen habe. – Am 15. April schickte dann der Fürst dem Abte auch die Uebersichtstabellen über den Vermögensbestand des ehemaligen Chorherrenstiftes, über die Einkünfte, die Passivkapitalien und die Beiträge, welche den Pfarreien und Schulen zu leisten sind.

Am 7. September 1844 unterzeichnete Papst Gregor XVI. das Breve, welches dem Abte Adalbert die Uebernahme des Kloster Gries als Priorat gestattete, ihn zugleich beauftragte, seine Rechte als Abt von Muri aufrecht zu erhalten und die klösterliche Zucht in der wieder gesammelten Genossenschaft zur Erbauung der Bevölkerung zu wahren. Fast gleichzeitig mit diesem Breve erhielt Abt Adalbert auch ein Schreiben von der Regierung Obwaldens, worin diese ihren tiefgefühlten Dank für das ausgezeichnete Wirken Hochdesselben und seiner Mitbrüder an ihrer Lehranstalt kundgibt und den Abt inständig bittet, er wolle sich derselben auch in Zukunft annehmen.

(II-463) Diese beiden Schreiben unterbreitete er am 21. Novemb. 1844 Sr. Durchlaucht dem Fürsten von Metternich und meldete zugleich seinen Entschluss, im künftigen Jahre die Uebersiedlung zu bewerkstelligen, und einen Theil der Konventualen, die nicht wegen Pfründen oder der Schule in Sarnen zurückbleiben müssen, nach Gries zu verpflanzen. Der Fürst antwortete dann unter'm 9. März 1845: „Es freut mich, schreibt er, Euer Hochwürden anzeigen zu können, dass Seine Majestät die Vereinigung der Ihrer würdigen Leitung unterstehenden Konventualen zu Gries in der Form eines Priorates genehmigen und es Sich lediglich vorbehalten, für den Fall der möglich werdenden Wiederkehr der Muri-Kapitularen an die Stätte ihrer ursprünglichen Stiftung die Verhältnisse des Priorates zu dem Mutterstifte näher zu reguliren … Nur dieses haben Se. Majestät bereits dermalen festzusetzen geruht, dass, wenn Konventualen der Abtei Muri auf den dem Stifte in der Schweiz inkorporirten Pfarreien zurückbleiben sollten, Allerhöchstdieselben gestatten, dass diese Priester als mit ihren Mitbrüdern in Gries vereinigt angesehen werden dürfen. Anderseits halten Seine Majestät es genehm, dass das Kloster in Gries die demselben früher inkorporirt gewesenen und wieder zu inkorporirenden Pfarreien in Tirol nur allmälig, nach Massgabe als es sein Personalstand gestattet und es durch den in gesetzlicher Weise erfolgenden Austritt der auf jenen Pfarreien investirten Pfründner thunlich wird, übernehmen“. Der Fürst theilt nun mit, dass an die betreffenden Behörden die nöthigen Weisungen wegen Einfuhr der Effekten ergangen seien, und schliesst dann: „So möge denn nun, Hochwürdigster-Herr Abt, unter des Himmels Segen und Ihrer Leitung recht bald zur Vollziehung eines Werkes geschritten werden, welches von Sr. Majestät dem Kaiser in echt religiösem Sinne zur Verherrlichung Gottes und zur thunlichsten Erhaltung der frommen Fundation Ihrer Ahnen unternommen wird; welches würdigen Männern eine ruhige Stätte des Wirkens und dem Lande Tirol einen Zuwachs an tüchtigen Arbeitern im Weinberge des Herrn zu gewähren verspricht.“

Sofort setzte der Abt nach Empfang dieses Schreibens durch ein neues Cirkular (28. März 1845) seine zerstreuten Mitbrüder von Allem in Kenntniss und ersuchte sie um ihre Zustimmung oder Mittheilung allfälliger Bedenken. Alle bis auf zwei, welche bedingt beistimmten, gaben ihr „Placet“ ab, und so handelte es sich nur mehr um die thatsächliche Uebersiedlung und Besitznahme des neuen Ordenshauses.

Am 16. Juni 1845 trat Abt Adalbert mit P. Luitfried Berger, dem ersten Dekan von Muri-Gries, P. Leodegar Kretz, dem ersten Pfarrer von Muri-Gries, und Br. Leonz Füglistaller (II-464) aus Sarnen die Reise nach Tirol an; Mit eigenem Fuhrwerk eilten sie über Sargans und Aarlberg in das Vinstgau. Dort besuchten sie den Abt von Marienberg, und kamen am 24. Juni Abends nach Gries. Weil sich im Kloster keine bewohnbaren Zimmer vorfanden, so mussten die Ankömmlinge im nahen Bozen ihr Nachtquartier aufsuchen. Den folgenden Vormittag durchwanderten sie die ärmlichen Räume des Klosters. Es war ohne irgend welche Einrichtung, hatte wenige unverletzte Thüren und Fenster und bot dem Auge, weil es viele Zeit vom Militär benützt ward, nur Schmutz und Unreinlichkeit dar. Das nahe „Kreuzwirthshaus“ lieh daher viele Wochen der angekommenen Kolonie Quartier und Kost. Zunächst wurden dem Prälaten und dem Laienbruder einige Zimmer zum Wohnen und Schlafen eingerichtet. Der Ortspfarrer, ein ehemaliger Augustiner, hatte mit seinen Cooperatoren den wohnlichen Theil des Klosters inne. Er war nicht unartig, aber auch nicht besonders zuvorkommend, was ihm als Kapitularen dieses Gotteshauses den neuen aus der Fremde angekommenen Besitzern gegenüber nicht zu verargen ist. Die Bevölkerung dagegen war freudig überrascht, da sie schon früher wiederholt um Restitution des Klosters bei Sr. Majestät angehalten hatte, und nunmehr zwar nicht die ehemaligen Chorherren, die bis auf wenige gestorben waren, aber doch Klostergeistliche erhielt. Anfangs bot der Schweizerdialekt im Umgange kleine Schwierigkeiten. Bald fand man sich zusammen und die gegenseitige Zuneigung gab sich durch Geschenke oder bereitwillige Hilfeleistung zu erkennen. Neun Wochen später kamen aus der Schweiz P. Pius Wismer und die zwei Laienbrüder Urban und Matthäus. Sie hatten auch den ehemaligen Muriklosterkoch bei sich. Nun liess der Abt die Küche zur Benützung einrichten, die nöthigen Geräthe ankaufen und das Holz herbeischaffen. Maurer und Gypser machten die Zimmer wohnlich. Tischler und andere Handwerker hatten die nöthigen Schränke und Tische zu liefern, Thüren und Fenster einzusetzen. Erst jetzt konnte eine eigene Haushaltung eingeführt werden. Gleichzeitig unterstellte der Abt die verpachteten Güter allmälig seiner Verwaltung, empfing von den betreffenden Behörden die Zins- und Zehntenbücher, richtete die Oekonomie ein, und stellte an deren Spitze den Bruder Urban.

Innerhalb eines Jahres war das Kloster nothdürftig restaurirt. Am 26. Dezember 1846 hatten die Kapitularen die Freude, nach 16 Jahren wieder sechs junge Männer ins Noviziat einzuführen, von denen aber nur zwei ausharrten. Indessen kamen weitere Professen aus der Schweiz nach, so dass der Konvent in Gries am Anfange des Jahres 1847 bereits (II-465) 7 Kapituleren, 5 Laienbrüder und 5 Novizen zählte. Eine Allerhöchste Entschliessung vom 27. Jänner desselben Jahres gestattete die Aufnahme von Novizen ohne Unterschied der Abstammung, gewährte, dass Muri-Gries in der schweizerischen Benediktiner-Congregation verbleiben dürfe, erlaubte die ungehinderte Versetzung der Konventualen aus der Schweiz nach Gries und umgekehrt nach Belieben und Bedürfniss und bewilligte die freie, canonische Wahl bei Erledigung der Abtei, so dass, da der jeweilige Abt von Muri zugleich Prior in Gries ist, bloss die Anzeige mit der Bitte um Genehmigung desselben in letzterer Eigenschaft zu erstatten ist. Endlich wurde, obwohl der faktische Besitz des Stiftes bereits am 1. August 1845 im Beisein einer Commission angetreten worden war, auch die definitive Uebergabs- und Uebernahmsurkunde am 27. Oktober 1847 aufgenommen und unterzeichnet und vom k. k. Landesgubernium in Insbruck am 21. Februar 1848 bestätigt.

So war nun Alles geordnet. Nur fehlte noch die feierliche Sanktion des Oberhauptes der Kirche. Um auch diese gemäss Weisung des Papstes Gregor XVI. zu erlangen, hatte sich Abt Adalbert schon am 1. April 1847 mit einem Bittgesuche an dessen Nachfolger Papst Pius IX. gewendet. Da aber vor Erledigung desselben die unheilvolle Revolution im Kirchenstaate ausbrach, wodurch der hl. Vater zur Flucht aus der Hauptstadt der Christenheit genöthigt wurde, so verzögerte sich die kirchliche Bestätigung bis zum 14. August 1852, an welchem Tage ein diesbezügliches Dekret der hl. Congregation der Bischöfe und Regularen im Namen Sr. Heiligkeit ausgefertigt wurde. Dasselbe steht ganz in Uebereinstimmung mit den angeführten allerhöchsten Entschliessungen Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich. Der hl. Stuhl bestätigte demnach die Ueberlassung aller Güter und Rechte des ehemaligen Augustinerklosters in Gries an die Benediktiner von Muri, erlaubt diesen das Verbleiben in der Schweizer-Congregation und die Versetzung ihren Mitglieder von Muri nach Gries und umgekehrt, verordnet dann, dass die ehemals dem Augustinerkloster in Gries inkorporirten Pfründen nach deren Erledigung an die genannten Benediktiner übergehen, und dass besagtes Kloster von Gries laut Bestimmung des Papstes Gregor XVI. ein Priorat des Klosters Muri werde so lange, bis die Rückkehr nach Muri ermöglicht ist, oder der hl. Stuhl andere Verordnungen macht; alle Muri-Konventualen sollen mit den gewöhnlichen Kapitelsrechten zum Kloster in Gries gehören; die im Kloster anwesenden Kapitularen haben, ausser bei eintreffender Abtwahl oder in Fällen von grösserer Tragweite, in (II-466) den Kapitelsversammlungen das Beschliessungsrecht, wenn schon viele ihrer Mitbrüder wegen allzugrosser Entfernung nicht erscheinen können; die Professen in Gries haben dieselben Rechte und Pflichten, wie die Muri-Konventualen, legen aber das Gelübde der Beständigkeit auf Muri und Gries ab.2

Durch diese Bestimmung wurde der Konvent von Muri in Gries kirchlich anerkannt und als eine Pflanze des Benediktiner-Ordens wieder lebensfähig gemacht. Wirklich schlossen sich mehrere junge, hoffnungsvolle Mitglieder dem neuen Konvente Muri-Gries an, für deren Ausbildung sich Abt Adalbert selbst thätig erwies. Er hatte die Freude, am 8. Juni 1848 zwei Schweizern die erste hl. Profession in Gries abnehmen zu können, denen am 16. September 1849 vier Tiroler, ein Schweizer und ein Vorarlberger folgten.3

Während der Konvent im Innern erstarkte, erweiterte der umsichtige Abt auch dessen Wirkungskreis nach aussen, indem er die dem Kloster Gries inkorporirten Pfründen allmälig mit seinen Mitbrüdern besetzte und die in Sarnen übernommene Lehranstalt zu heben suchte. Die Pfarrei Gries besorgte seit 1846 vollständig sein Konvent, die von Jenesien erhielt das folgende Jahr in P. Reginbold Raimann vorläufig einen Pfarrer aus dem Kloster, während die Cooperatoren noch Weltgeistliche waren. Erst im Jahre 1860 waren alle dem Kloster Gries einverleibten Pfründen, die Pfarreien Gries, Jenesien, Marling und Senale, wie auch die Curatie Afing und die Kaplanei Glaning mit Konventualen besetzt. Dazu bedurfte es 13 Priester die den Bedürfnissen von 6000 vielfach auf entlegenen Berghöhen zerstreuten Seelen zu entsprechen hatten. Diese Seelsorger unterstützte der allzeit gnädige Prälat bei den oft nothwendig gewordenen Restaurationen4 und Ausschmückungen der Kirchen und Kapellen mit Rath und Geldmitteln. Zur Hebung der Lehranstalt in Sarnen schickte er 1850 den thatkräftigen, jungen P. Augustin Grüniger, dem bald mehrere Kapitularen aus Muri-Gries nachfolgten. Im Jahre 1863 vermehrte er die Zahl der Professoren in Sarnen, stellte den genannten P. Augustin an die Spitze der Anstalt, und bewirkte so, dass die Zahl der Studenten daselbst sich bedeutend mehrte.5 Gern gewährte er die Bitte, daselbst ein Konvikt für Studirende (1865) auf dem Charitätswege bauen zu dürfen, schenkte dazu mit Einwilligung (II-467) des Kapitels selbst 5000 Franken, übernahm mit Nutzen und Schaden dessen Leitung (1868) und liess es, nachdem er den Lehrkörper zugleich vermehrt hatte, 1868 im Herbste beziehen. Seitdem wirken in Sarnen 10-11 Konventualen von Muri-Gries und ertheilen bei 150 Zöglingen, wovon 100-104 im Konvikte leben, Unterricht in sechs Latein- und in 2-3 Realklassen.6

Selbst dem Kanton Aargau wendete Abt Adalbert seine Liebe und Sorgfalt zu. Bünzen erhielt nach dem Hinscheiden des P. Philipp Jakob 1863 an P. Leodegar Kretz, der bereits seit 1846 der Pfarrei Gries und dann Marling vorgestanden, einen weitern Pfarrer von Muri-Gries und der alternde Pfarrer P. Maurus in Boswil bekam an P. Ignaz Keusch, Profess in Gries, einen Frühmesser (1865). Dieser starb am 29. Juni 1885. Ihm folgte in gleicher Eigenschaft P. Johann Ev. Sigrist. Am Ende der 60er Jahre wurde zweien Professen von Muri-Gries, P. Placidus und P. Leopold, die Leitung der Pfarrei Muri anvertraut, ersterm als Pfarrer, letzterem als Unterpfarrer (Cooperator). Leider mussten beide bald ihren Wirkungskreis verlassen und starben nach kurzer Zeit.

In den letzten Jahren seines Lebens schenkte Abt Adalbert dem tiefgesunkenen Kloster Disentis, Kt. Graubünden, eine besondere Aufmerksamkeit. Der Abt von Einsiedeln, Präses der Schweizer-Congregation, und die zwei Aebte von Engelberg und Mariastein, scheuten die Kosten der weiten Reise nicht, um in Gries mit Abt Adalbert, der wegen Alter und Krankheiten die Schweiz nicht mehr besuchen konnte, im Jahre 1879 wegen Disentis in ernste Berathung zu treten. Dr. Decurtins, Präsident des Kreises Disentis, hatte sie begleitet und die Angelegenheit befürwortet. Das entschiedene Wort des Abtes Adalbert beseitigte endlich die wichtigsten Hindernisse für das Aufblühen des hilfsbedürftigen Klosters. Die drei Aebte von Einsiedeln, Muri-Gries und Engelberg versprachen Mitglieder aus ihren Konventen zu schicken. Gries bezeichnete hiefür P. Benedikt Prevost, der Disentis dann als Prior zu leiten hätte. Im Herbste des folgenden Jahres begann die Restauration, indem die drei Klöster wirklich die entsprechende Hilfe sandten. Fünf angemeldete Candidaten erhielten bald die Zulassung zum Noviziate. So entriss P. Benedikt als Prior das arme Kloster Disentis dem sichern Untergange. Die Freude darüber ist in der Congregation um so grösser, weil Disentis von ihr bereits für todt angesehen wurde.7

(II-468) Die Congregation hatte indessen in ihrer obersten Leitung eine Veränderung erlitten, – es wurden nicht mehr drei Visitatoren gewählt. Abt Heinrich von Einsiedeln erhielt 1846 die Würde eines Präses der Congregation und bekam als solcher Sitz und Stimme im vaticanischen Concil. Abt Adalbert bekleidete längere Zeit die Würde eines Vicepräses. Im Jahre 1869 unterwarf man die alten Statuten der Congregation einer Revision und suchte sie den jetzigen Zeitverhältnissen mehr anzupassen. Adalbert war bei dieser Versammlung der Aebte in Einsiedeln nicht anwesend; er gab jedoch der Revision seine Zustimmung, nur bat er den Präses, er möchte die für Gries nothwendigen Ausnahmsstatuten, die er ihm zusandte, bestätigen, was dieser durch ein Schreiben vom 29. Oktober d. J. auch gerne that.8

Bei aller Thätigkeit nach Aussen war die Hauptsorge des Abtes Adalbert jedoch immer auf die Erstarkung seines Klosters in Gries gerichtet. Für die Pflege der Ascese bestimmte er aus seinem Konvente die frömmsten und tüchtigsten Männer; zur Hebung der Wissenschaften scheute er keine Kosten. So warf er für Anschaffung der physikalischen Instrumente mehrere 1000 Gl. aus; dasselbe that er, um die Bibliothek mit wichtigen Werken zu bereichern (Migne, Bollandisten u. s. w.). Zugleich begünstigte er die Münz-, Vögel-, Mineralien-, Conchilien- und Bildersammlungen, und sah es gerne, wenn ein Konventuale einem wissenschaftlichen Zweige sich besonders widmete. Der Mithilfe des Prälaten konnte dieser sicher sein.

Die Zahl der Konventualen von Muri-Gries stieg in den 70er Jahren auf 57 bis 59; so viele Mitglieder hatte Muri gleichzeitig nie.9

Mit dem Konvente mehrte sich auch der Segen der irdischen Güter. Dieser floss theils aus dem gut besorgten Landbaue theils von den fleissig zusammengelegten Sparpfennigen aller „Muri-Herren“. Es legten nämlich diese „Herren“, was sie von ihren Pensionen und Pfründen erübrigen konnten, treulich zu den Füssen des Prälaten. Dadurch war dem Abte die Möglichkeit geboten, für Muri Gries ein neues Stiftskapital zu gründen und zugleich eine Wohlthätigkeit zu entfalten, worüber man staunen muss. Bittgesuche liefen aus Oesterreich, Deutschland und der Schweiz ein, und selten legte er eines unerhört auf die Seite. Zu wichtigen Zwecken (Kirchenbauten, Glaubensverbreitung (II-469) u. s. w.) öffnete er grossmüthig seine Hand. Seine Gaben waren am meisten geeignet, den Bau des Gymnasiums in Bozen, wie auch den des Conviktes in Sarnen zu fördern. Kaum waren die Kriege 1859 und 1866 in Italien ausgebrochen, so machte er die freiwillige Anerbietung, sein Kloster für 12 bis 16 schwerverwundete Krieger zu öffnen und sie unentgeltlich zu verpflegen. Viele dieser Unglücklichen, welche wie Kinder des Hauses oft 2-3 Monate besorgt wurden, gingen geheilt und mit Dank erfüllt nach Hause.

Adalbert's tiefe Einsicht und grosse Erfahrung in allen Lebensverhältnissen kamen Zahllosen zu Gute. Bedrängte niedern und hohen Standes suchten bei ihm Rath und verliessen getröstet sein Zimmer. Der Griesner-Gemeinderath schätzte sich glücklich, ihn 18 Jahre in seiner Mitte zu haben. Der Tiroler Landtag hält es heute noch für ein grosses Glück, dass er sechs Jahre (1860-1866) als Mitglied dieser hohen Versammlung seine geistigen Kräfte dem Wohle des Landes lieh. Als Obmann und Referent des Finanzcomite's, mit welchen Ehrenämtern er mehrmals betraut wurde, vermochte er den zerrütteten Unterstützungsfond im Betrage von mehreren Millionen Gulden in kurzer Zeit zu ordnen. Seine genauen Berechnungen und weisen Vorschläge erregten Staunen und fanden bei allen Parteien ungetheilten Beifall. Zehn Jahre später ernannte ihn der Fürstbischof von Trient Benedikt Riccabona zu seinem geistlichen Rathe und zum Examinator der Beichtväter. Seine Jubelprofession (1869) und die Secundizfeier (1874) verkündeten laut, welche Hochschätzung und Liebe Abt Adalbert inner- und ausserhalb des Klosters genoss. Kaiser Franz Josef I. anerkannte ebenfalls die Verdienste dieses bescheidenen Prälaten und ernannte ihn huldvollst am 6. Dezember 1880 zum Comthur des Franz Josef-Ordens. Die feierliche Ueberreichung dieses Ordens erfolgte am 2. Jänner 1881 in Anwesenheit des Erzherzogs Heinrich, des Bezirkshauptmanns von Bozen, Statthaltereirath Strobele, und anderer hochgestellter Herren. Das war die letzte Feier, die der Konvent zu Ehren seines geliebten Vaters halten konnte. Die Lebenskräfte des nie ruhenden Abtes waren aufgezehrt. Um Pfingsten zeigte sich eine tödliche Krankheit (Wassersucht) in ernster Gestalt. Der ganze Konvent bat Gott innig, er wolle das theuere Leben verlängern. Allein am 5. Juli Abends hatte Abt Adalbert die irdische Laufbahn vollendet. Seine Ueberreste liegen auf dem Friedhofe zu Gries in dem gedeckten Seiteneingange der alten Pfarrkirche. Ueber seinem Grabe liegt jetzt eine Marmorplatte mit der Inschrift: Rev.mus D. D. Adalbertus Regli, Abbas Murensis, I.mus Prior Griesensis, consiliarius (II-470) ecclesiasticus, Commendat. C. R. Ordinis Franc. Jos. Natus 13. Nov. 1800. Electus 5. Dez. 1838. Obiit 5. Julii 1881. R. I. P.“

Keiner der 48 vor ihm lebenden Aebte von Muri hatte so viele junge Männer – 66, wie er, durch die hl. Profession unserem Konvente zugeführt; nur einer seiner Vorgänger regierte länger als er, Johann Jodok Singeisen, und nie war die Zahl der gleichzeitig lebenden Konventualen in der Stärke – so viel bekannt – wie unter Adalbert II.

Vernehmen wir noch einige Züge von seinem edlen Charakter. Die vier Haupttugenden leuchteten ungetrübt in allen Verhältnissen seines Lebens an ihm hervor. In den traurigsten Zeiten legte er einen Starkmuth an den Tag, der seine Mitbrüder in Staunen versetzte; hatten ihn die härtesten Schläge getroffen (Klosteraufhebung, Todfälle etc.), er ging darüber hinweg, als wenn ihn keiner getroffen. – Die Handlungen die er vollbrachte, waren stets von Klugheit geleitet und gingen aus dem Grundsatze hervor: „Thue Alles mit Bedacht!“ Wichtige Fragen überlegte er oft Wochen lang, und höchst selten hatte er einen gemachten Schritt zu bereuen. Was er als Recht und Gut erkannt hatte, von dem konnte ihn keine menschliche Gewalt abbringen. Mühe oder Gefahr scheute er keine, wenn es galt die Ehre Gottes oder das Wohl des Nebenmenschen zu fördern. – Was der hl. Prosper von der Mässigkeit sagt: sie mache nüchtern, sanftmüthig, züchtig, schweigsam, ernst und sittsam, das findet bei Abt Adalbert II. seine Anwendung. Die vielen Gebete, wodurch er alle Handlungen heiligte, hatten ihren tiefsten Grund im festen Glauben, den er als väterliches Erbgut in das Kloster mitbrachte, durch fleissiges Studium der Theologie mehr und mehr begründete und durch innige Liebe zu Gott erwärmte. Ausser den Festen des Herrn waren ihm die marianischen am liebsten, da er ein besonderer Verehrer Mariens war. Bei dem gemeinsamen Gebete, zumal beim Chorgebete, fehlte er nur dann, wenn ihn Krankheiten oder dringende Geschäfte zu kommen hinderten. In der letzten sehr beängstigenden Krankheit zeigte er eine bewunderungswürdige Geduld. Das Mahnwort des Apostels an Titus (II. 7) hat er immer auf sich angewendet: „In allen Dingen erweise dich selbst als Vorbild guter Werke, in der Lehre, Unsträflichkeit und Würde.“ Dies ist im Kurzen ein schwaches Bild von Abt Adalberts Leben und Wirken. Mit Recht zählt er zu den grössten und tüchtigsten Aebten, die Muri je besessen; er ist ein würdiger Nachfolger seiner grossen Vorgänger seit dem Beginne des 17. Jahrhunderts.


  1. Veranlasst durch ein eingereichtes Memorandum des Freiherrn Jos. von Werner, † am 4. Juli 1871 (Nekrol. von Muri-Gries).

  2. „Neoprofessi in Monasterio Griesæ de juribus et officiis aliornm Conventualium Murensium participent et voto stabilitatis loci ad utrumque Monasterium Murense et Griesense obstricti maneant.“

  3. S. Katalog des Klosters Muri-Gries, Anhang.

  4. Alte Pfarrkirche in Gries, Kirchen in Senale, Afing etc.

  5. Vgl. Kataloge der Anstalt.

  6. Für den Herbst 1891 sind mit einer entsprechenden Anzahl Professoren 8 Lateinklassen in Aussicht genommen.

  7. Vgl. unten elftes Kapitel.

  8. Ad Statuta Congregationis Helveto-Benedictinee novissima 1869 Appendix continens Observationes Muro-Griesenses a Rmo. Domino Adalberto abbate conscriptas. Es sind 28 besondere Observationen.

  9. Heute zählt das Stift 62 Professen und mehrere Novizen.